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Ursachen von Tinnitus

Jeder dritte Tinnitus wird durch ein Schalltrauma verursacht

Zuletzt aktualisiert am: 16.02.2017 16:41:45
Lautes Rock-Konzert als Tinnitus-Risiko

Tinnitus durch Lärmbelastung

Tinnitus wird häufig durch Lärmschäden verursacht. Ein akutes Schalltrauma wird durch einen kurzen Knall mit einem Schalldruckpegel über 125 Dezibel verursacht. Das ist unangenehm und ganz schön laut. So laut wie ein Silvesterkracher, der zu nah am Ohr losgeht. Durch den hohen Druck, den die Schallwelle verursacht, bewegt sich die Flüssigkeit in der Hörschnecke im Innenohr rapide. Für die feinen Haarzellen im Innenohr kann das zum Verhängnis werden. Es entsteht ein Schaden mit Hörverlust genau an der Stelle, an der mechanischer Schall in akustischen Reiz umgewandelt wird.

Wird das Gehör nach dem akuten Schalltrauma geschont, kann es sich innerhalb einiger Tage spontan erholen – sehr häufig aber entsteht eine bleibende Schwerhörigkeit. Eine länger andauernde Lärmbelastung über 85 Dezibel kann fast noch tückischer sein. Sie führt zu einem chronischen Lärmschaden mit chronischem Tinnitus. Dies kann passieren, wenn man mehrere Stunden täglich einem hohen Lärmpegel am Arbeitsplatz ausgeliefert ist. Schalltrauma ist eine Berufskrankheit. Warum kommt es aber außer der erklärbaren Schwerhörigkeit zudem zur Entwicklung von Ohrgeräuschen?

Ein Tinnitus entsteht genau dort, wo in der Innenohr-Schnecke die Haarzellen eingeknickt sind. Dort erhält der Hörnerv nun kein Signal mehr. Wenn dem Hörnerv der Reiz fehlt, ersetzt er den fehlenden Ton durch einen Dauerton – den Tinnitus. Später kann sich dieser Mechanismus im Hörzentrum verselbstständigen und der chronische Tinnitus wird direkt vom Gehirn produziert. Dazu muss es aber nicht unbedingt kommen: Viele Schwerhörige haben keinen Tinnitus.

Bei einem Schalltrauma sieht man beim HNO-Arzt im Tonschwellenaudiogramm meist einen Hörverlust mit Knick in der Hörkurve im Hochtonbereich. Das liegt daran, dass die Haarzellen für die hohen Töne ganz vorne in der Schnecke liegen und deshalb bei einem Trauma als erste geschädigt werden können. Tinnitus entsteht als Ersatzton ebenfalls in diesem Bereich – man hört meist nach einem Schalltrauma ein ganz hohes Pfeifen.

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Welche Geräusche können Schalltrauma und Tinnitus auslösen?

Der Schalldruckpegel wird in Dezibel gemessen. Er gibt die Druckschwankung der Luft an. Der Druck selbst wird in Pascal gemessen und ist in einer linearen Kurve darstellbar. Unser Gehör hört jedoch nicht linear – den Lärm von 10 Presslufthammern hören wir nur doppelt so laut, nicht zehnmal so laut. Deshalb wurde die Dezibel-Skala eingeführt, die eine logarithmische Kurve bildet. Zudem ist die Lautheitsempfindung subjektiv – je nachdem wie gut wir auf der entsprechenden Tonhöhe hören, müssen wir die Lautstärke aufdrehen oder zurücknehmen. Alte Menschen drehen den Fernseher deshalb oft sehr laut auf.

Bei normalem Hörvermögen liegt die Unbehaglichkeitsgrenze etwa bei 90 Dezibel, die Schmerzgrenze bei 130 Dezibel. Straßenlärm rauscht mit 75 Dezibel an uns vorbei, ein Rockkonzert hat einen Schalldruckpegel von etwa 110 Dezibel. Eine Techno-Party jedoch kann doppelt so laut sein! Kein Wunder also, dass inzwischen viele junge Menschen unter Schwerhörigkeit und Tinnitus durch Schalltraum leiden. Doch auch eine Lärmbelastung am Arbeitsplatz sollte man sehr ernst nehmen, und auf den Lärmschutzbestimmungen strikt bestehen.

So können Sie sich vor Schalltrauma und Tinnitus schützen

  • Benutzen Sie Ohrstöpsel, Schallschutzwatte, Schutzhelm oder schützende Kopfhörer.
  • Legen Sie Lärmpausen ein! Das ist ihr gutes Recht am Arbeitsplatz.
  • Gegebenenfalls muss ein Arbeitsplatzwechsel erwogen werden.
  • Meiden Sie laute Partys und Discobesuche – wenn Sie nicht verzichten wollen, sollten Sie vorsorglich Ohrstöpsel tragen!
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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin