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Ursachen von Tinnitus

Tinnitus bei Kieferfehlstellung und Zahnbeschwerden

Zuletzt aktualisiert am: 16.02.2017 17:13:53
Frau leidet an Tinnitus aufgrund einer Kieferfehlstellung

Kiefergelenk, Zähne, Kaumuskulatur und Halswirbelsäule sind eng miteinander verknüpft. Akuter Tinnitus kann infolge einer Zahnbehandlung auftreten, klingt in der Regel aber schnell wieder ab. Aufgrund von Fehlstellungen im Bereich des Kiefers kann sich hingegen ein dauerhaftes Pfeifen im Ohr, also ein chronischer Tinnitus entwickeln. Ursache für Ohrgeräusche kann auch zu viel Stress sein. Manche Menschen neigen unter Stress zu nächtlichem Zähneknirschen, das den Kiefer belastet und kann ebenfalls zu Tinnitus führen kann. Viele Menschen leiden unter Tinnitus und Kiefergelenkproblemen ohne dass ein ursächlicher Zusammenhang besteht. Viel eher liegt dann die Ursache für das Auftreten von Ohrgeräuschen in großer seelischer Anspannung und psychischen Konflikten.

Das menschliche Kauorgan besteht aus Zähnen, Kaumuskulatur, Kiefergelenken und, nicht zu vergessen, unserem Gehirn als Steuerorgan. Das Kauorgan kann viel mehr als nur Nahrung zerkleinern: Es bildet den Anfang des Verdauungstrakts, dient dem Sprechen und dem Ausdruck von Empfindungen. Das Kauorgan ist über Nerven eng mit dem limbischen System im Gehirn verknüpft – dem Zentrum unserer Gefühle.

Denkt man an etwas Unangenehmes oder steht unter Stress, spannt man ganz unwillkürlich das Kiefergelenk an. Das kleine Knöchelchen lässt sich ganz einfach ertasten: Es befindet sich direkt neben dem Ohr. Beim Mundöffnen und Mundschließen verschiebt es sich unter den Fingern. Eine andere wichtige Beobachtung machen Menschen mit Tinnitus: das Ohrgeräusch kann sich beim Kauen verbessern oder verstärken. Das Kiefergelenk steht über Bänder in engem anatomischem Zusammenhang mit der Halswirbelsäule und dem Mittelohr. Eine Mittelohrentzündung kann Ohrgeräusche und Schmerzen im Gesichts- und Kieferbereich auslösen. Funktionsstörungen der Halswirbelsäule können eine Fehlstellung der Kiefergelenke verursachen und umgekehrt.

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Wann können Zahn- und Kieferbeschwerden zu Tinnitus führen?

  • Zahnbehandlungen können akute Ohrgeräusche auslösen. Das passiert durch eine Erhöhung des Muskeltonus bei Schmerzzuständen. Denn die Nerven der Halsmuskulatur stehen in direkter Verbindung zu den Kerngebieten des Hörnervs im Gehirn. Klingt der Schmerz nach einem Zahnarztbesuch wieder ab, verschwindet zum Glück auch meist der Tinnitus wieder.
  • Nächtliches Zähneknirschen überlastet die Kiefergelenke und kann chronischen Tinnitus verursachen. Stress und ungelöste seelische Konflikte spielen hier eine ebenso große Rolle.
  • Starke Verspannungen oder Fehlfunktion der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur können zu Tinnitus führen.
  • Fehlbiss (Ober- und Unterkiefer stehen nicht richtig zueinander) verursacht Funktionsstörungen der Kiefergelenke und manchmal Ohrgeräusche.

Bei Schmerzen im Kiefergelenk oder Zahnschmerzen sollte man deshalb zügig den Zahnarzt oder Kieferorthopäden aufsuchen. Besteht ein Tinnitus, wird eine spezielle Diagnostik zur Abklärung des Zusammenhangs zwischen Kiefergelenk, Zähnen und Tinnitus gemacht. Eine Okklusionsanalyse zeigt ob etwa ein Fehlbiss besteht. Ein Röntgenbild der Kiefergelenke oder eine Kernspintomografie sind ebenfalls hilfreich, um die Lage richtig zu beurteilen und die richtige Therapie aufzuzeigen.

Die Ohrgeräusche können verschwinden, wenn:

 

  • Fehlstellungen korrigiert werden mithilfe von Aufbissschienen, Spezialschienen zur Bissführung oder einer Korrektur der Bissebenen.
  • Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen praktiziert werden.
  • spezielle krankengymnastische Maßnahmen wahrgenommen werden.
  • eine chirurgische Korrektur des Kiefergelenks vorgenommen wird. Diese drastische Maßnahme ist zum Glück nur sehr selten nötig.

Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung des Tinnitus bei Kieferproblemen ist die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit von Arzt, Zahnarzt und Physiotherapeut.

 

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin