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Ursachen von Tinnitus

Wann treten Schwindel und Tinnitus gemeinsam auf?

Zuletzt aktualisiert am: 16.02.2017 17:12:05
Symbolbild: Tinnitus bei Schwindel

Tinnitus und Schwindel kommen als Symptome bei der Ménière-Krankheit vor. Betroffene spüren zu Beginn eines Anfalls Druck im Kopf und Ohr. Anfallsartig treten dann Schwindel, Tinnitus und ein akuter Hörverlust auf einen Ohr auf. Ein solcher Anfall dauert Minuten bis Stunden und wiederholt sich nach Tagen, Wochen oder Monaten. Das einseitige Ohrgeräusch wird als tiefes Brummen oder Rauschen gehört, auch der Hörverlust liegt im Tieftonbereich. Bei dem Schwindel handelt es sich um einen Drehschwindel. Der Anfall mit Schwindel und Tinnitus ist meist von heftiger Übelkeit mit Erbrechen begleitet. Zwischen den Anfällen besteht Beschwerdefreiheit, so dass es oft eine Weile dauert, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Mit wiederholten Anfällen kommt es jedoch zu fortschreitender Hörminderung auf dem betroffenen Ohr – möglicherweise bis hin zur Ertaubung. Auch ein chronischer Tinnitus auf einem Ohr kann sich entwickeln.

Wie kommt es zu Morbus Ménière?

Als Auslöser für diese Krankheit gilt ein Einbruch von Endolymphe, eine Flüssigkeit aus dem Gleichgewichtsorgan in das Innenohr. Vermutlich werden durch diese Endolymphe die sensiblen Haarzellen der Hörschnecke beschädigt. Warum es letztendlich zu wiederholten Anfällen kommt, ist nicht klar. Man vermutet neben Durchblutungsstörungen einen Autoimmunprozess. Auf der oft verzweifelten Suche nach der Ursache werden von manchen Betroffenen auch Candida-Darmpilze als Schwindel- und Tinnitusauslöser vermutet. Dieser Zusammenhang ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt.

Häufig tritt die Ménière Krankheit bei jüngeren, vegetativ labilen Personen auf. Föhn, seelische Belastung und erhöhter Nikotin- oder Alkoholkonsum können einem Anfall vorausgehen. Die meiste Beeinträchtigung entsteht nicht durch den Tinnitus, sondern den Schwindel und die zunehmende Hörminderung. Da die Anfälle völlig unerwartet über einen „hereinbrechen“ ziehen sich Betroffenen mehr und mehr zurück. Sozialer Rückzug, starke Verunsicherung und ein Angstschwindel, der nicht direkt von den Anfällen kommt sind sehr belastend.

Die Behandlung besteht im Anfall in der Gabe von Medikamenten. Tabakrauchen sollte aufgegeben und der Kaffee- und Alkoholkonsum eingeschränkt werden. Können die Anfälle damit nicht eingedämmt werden wird ein Paukenröhrchen in das Trommelfell eingebracht, das erfahrungsgemäß hilfreich sein kann. Erst wenn die Anfälle sehr stark und häufig auftreten und resistent gegen andere Behandlungsversuche sind, muss das Gleichgewichtsorgan mit dem Wirkstoff Gentamycin ausgeschaltet werden, der über das Paukenröhrchen eingebracht wird. Selten muss im Extremfall chirurgisch eingegriffen werden. Bei zunehmender Hörminderung empfiehlt sich die Anpassung eines Hörgeräts.

Um den richtigen Umgang mit der Krankheit, dem Schwindel, Tinnitus und Hörverlust zu erlernen und begleitende Ängste abzubauen empfiehlt sich eine Verhaltenspsychotherapie. Psychotherapeutische Gespräche können für die Betroffenen sehr entlastend sein.

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Tinnitus und Schwindel - weitere Erkrankungen

  • Auch beim Hörsturz können Tinnitus und Schwindel gemeinsam auftreten.
  • Psychosomatischer Schwindel: Tinnitus und Schwindel aufgrund von seelischen Belastungen und Konflikten ist viel häufiger als allgemein angenommen oder gern zugegeben wird. Bei psychosomatischem Tinnitus verursachen innere Konflikte Stress und werden als Ohrgeräusch gehört, also von der seelischen (psychischen) Ebene auf die körperliche (somatische) projiziert. Dabei ist der Tinnitus nicht „eingebildet“, der Schwindel nicht „geschwindelt“ - denn der zugrundeliegende Konflikt ist real und „schreit“ um Hilfe. Der begleitende psychosomatische Schwindel ist ein Schwankschwindel. Tinnitus, Schwindel und Gangunsicherheit ergeben ein Gefühl als wäre man auf einem schwankenden Schiff auf hoher See. Häufig gesellen sich zu Schwindel und Tinnitus Kopfschmerzen, Sehstörungen und Konzentrationsschwäche. Ein solcher Schwankschwindel kann bei einem chronischen, behandlungsbedürftigen Tinnitus vorkommen.
  • Bei Halswirbelsäulen-Tinnitus kann es durch Blockierung der Kopfgelenke oder nach einem Schleudertrauma zu Schwindel und Tinnitus kommen. Diese lassen sich durch eine Kopfdrehung auslösen.
  • Das Akustikusneurinom ist ein gutartiger Kleinhirnbrückenwinkeltumor des Hörnervs.  Tinnitus auf einem Ohr tritt dabei manchmal als einziges Symptom auf, kann aber von Schwindel begleitet sein.
  • Äußerst selten sind Durchblutungsstörungen der Blutgefäße die das Gehirn versorgen für Schwindel und Tinnitus verantwortlich. (z.B.: Subclavian-Steel Syndrom der Arteria vertebralis; Gefäßwandverkalkung bestimmter Blutgefäße im Gehirn; Wallenberg-Syndrom)
  • Bluthochdruck aber auch niedriger Blutdruck können Schwindel und Tinnitus auslösen, sowie Kreislaufkrankheiten und verschiedene Krankheiten innerer Organe.
  • Als Nebenwirkung von Medikamenten können Tinnitus und Schwindel auftreten.
Wichtig: Schwindel ist ein Symptom, das bei sehr vielen inneren und neurologischen Krankheiten und Krankheiten des Gleichgewichtsorgans vorkommt. Ein gleichzeitig auftretendes Ohrgeräusch muss nicht unbedingt in ursächlichem Zusammenhang stehen. Gehen Sie deshalb bei Schwindelanfällen mit oder ohne Tinnitus zum Facharzt (Internist, Neurologe, Hals-Nasen-Ohren-Arzt)!  
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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin