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Ursachen von Tinnitus

Wann ist ein Tinnitus objektiv?

Zuletzt aktualisiert am: 16.02.2017 17:11:26
Schalldiagramm bei Tinnitus

Seltene Tinnitusform mit realer Schallquelle

Objektiver Tinnitus: Das hört sich für manche Ohren besser, weil handfester an als ein „eingebildeter“ subjektiver Tinnitus. Denn wer möchte schon als Hypochonder verdächtigt werden? Darum geht es jedoch nicht, Tinnitus ist nie eingebildet. Subjektiver Tinnitus und objektiver Tinnitus – sie existieren beide wirklich. Doch beim objektiven Tinnitus kommt das meist als pulsierendes Rauschen wahrgenommene Ohrgeräusch von einer echten Schallquelle. Diese Schallquelle existiert im Kopf, Hals oder Körper und ist Ursache für den objektiven Tinnitus. Sie kann auch für Außenstehende hörbar werden, zum Beispiel wenn der Arzt sein Stethoskop dicht vor den Gehörgang des Patienten hält.

Objektiver Tinnitus ist sehr selten, er betrifft gerade mal 0,01% aller Menschen mit Tinnitus und nur etwa 5% mit chronischem Tinnitus. Man unterscheidet muskuläre Ursachen von Störungen im Bereich der Blutgefäße.

Muskuläre Ursache für den objektiven Tinnitus kann ein Krampf des kleinen Mittelohrmuskels sein, der den Steigbügel in Stellung bringt. Dann hört der Betroffene ein wiederholt und schnell knackendes Geräusch das nicht synchron mit dem Pulsschlag ist. Eine offene Tube kann ein Ohrgeräusch im Rhythmus der Atmung erzeugen.

Wenn das Blut durch die Adern rauscht und man das Ohrgeräusch im Rhythmus des Pulsschlags hört, ist ein objektiver Tinnitus aufgrund von Herz-Kreislauf Krankheiten und Bluthochdruck als Ursache wahrscheinlich. Ein Engpass der Halsschlagader, eine Arteriosklerose (Gefäßwandverkalkung) der Hirnarterien, Hämangiome (gutartige Tumore der Blutgefäße), Fisteln zwischen Arterien und Venen (direkte Gefäßverbindungen) und andere Gefäßmissbildungen können den Blutstrom im Kopf hörbar machen.

Auch das „Nonnensausen“ ist ein Tinnitus aufgrund eines Strömungsgeräusches des Blutes. Als Ursache liegt hier eine Blutarmut (Anämie) vor. Ob diese Krankheit früher bei Nonnen häufiger auftrat und deshalb namensgebend war?

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Tinnitus und Bluthochdruck

Viele Menschen mit Bluthochdruck haben gar keine Symptome, sie fühlen sich gesund und munter. Unter Bluthochdruck können jedoch manchmal auftreten:

  • morgendliche Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Nasenbluten
  • Sehstörungen
  • Nervosität
  • Herzklopfen
  • Kurzatmigkeit
  • gerötetes Gesicht
  • Schwindel
  • Tinnitus

Bluthochdruck kann also einen Zusammenhang mit Tinnitus haben. Tinnitus durch Bluthochdruck käme von Durchblutungsstörungen vermutete man früher. Bluthochdruck kann Krankheiten wie Koronare Herzkrankheit mit Angina pectoris (Herzschmerz durch Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße) oder sogar Herzinfarkt verursachen. Neue Studien wiederlegten aber Durchblutungsstörungen als Hauptursache für Tinnitus oder Hörsturz.

Ein objektiver Tinnitus wegen Bluthochdruck ist möglich, wenn der Bluthochdruck bereits zu Arteriosklerose (Gefäßwandverkalkung) der Halsschlagader oder der Hirngefäße geführt hat. Dieser Zusammenhang von Tinnitus mit Bluthochdruck kann lebensgefährlich sein und ist dringend behandlungsbedürftig damit Schlaganfall und seine Folgen vermieden werden.

Auch in der Bluthochdruckkrise, bei einem Blutdruck über 230/130mm Hg, kann durch den enormen Druck mit dem das Blut durch die Adern gepresst wird, ein pulssynchrones Rauschen entstehen. Dann hat der Bluthochdruck einen akuten objektiven Tinnitus verursacht. Der so stark erhöhte Blutdruck muss sofort mit Medikamenten gesenkt werden!

Viel häufiger jedoch ist der Zusammenhang von Tinnitus, Bluthochdruck und Stress. Das Stresshormon Adrenalin stellt die Blutgefäße eng – unter Stress kann es zu Bluthochdruck kommen. Steht jemand unter Dauerstress kann dies einen anhaltenden Bluthochdruck über 140/90 mmHg verursachen, der behandelt werden muss um Herz- und Gefäßkrankheiten zu vermeiden. Viele Menschen die unter Stress stehen, haben gleichzeitig Bluthochdruck und Tinnitus. Das ist dann allerdings subjektiver Tinnitus, der nicht pulssynchron rauscht. Stress ist dann sowohl die Ursache für Tinnitus, als auch für Bluthochdruck. Entspannungsübungen und Stressreduktion können helfen Stress, Tinnitus und Bluthochdruck abzubauen.  

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin