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Schalldiagramm bei Tinnitus
Schalldiagramm bei Tinnitus
Ursachen

Objektiver Tinnitus: Ursachen und Behandlung

Morgana Hack, Ärztin
Zuletzt aktualisiert am: 30.10.2018
Dieser Text wurde nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern auf Richtigkeit überprüft.
Objektiver Tinnitus: das hört sich für manche Ohren besser an, da es handfester klingt, als ein „eingebildeter“, subjektiver Tinnitus. Schließlich möchte niemand als Hypochonder gelten. Doch wo liegt nun der Unterschied?  

Darin unterscheiden sich objektiver und subjektiver Tinnitus 

Beim subjektiven Tinnitus liegt die Ursache für die Ohrgeräusche in einer veränderten Hörverarbeitung, ausgelöst durch Krankheiten oder Stress und ist damit auf keine reale Schallquelle zurückzuführen. Dennoch liegen nachweisbare körperliche Ursachen zugrunde und er ist keineswegs ein eingebildetes Symptom. Objektiver Tinnitus dagegen ist sehr selten und betrifft gerade mal 0,01 Prozent aller Menschen mit Tinnitus und nur etwa 5 Prozent mit chronischem Tinnitus.  
 
Anders als beim subjektiven Tinnitus, gibt es beim objektiven Tinnitus immer eine Grundkrankheit, die eine Schallquelle im Körper bildet. Diese Schallquelle existiert im Kopf, Hals oder Körper und ist Ursache für den objektiven Tinnitus. Sie kann auch für Außenstehende hörbar werden, zum Beispiel wenn der Arzt sein Stethoskop dicht vor den Gehörgang des Patienten hält.  

Ursachen für objektiven Tinnitus  

Man unterscheidet zwischen muskulären Ursachen, wie einen Krampf des kleinen Mittelohrmuskels, und Ursachen im Bereich der Gefäße, wie Gefäßmissbildungen, Gefäßverengungen der Halsschlagader oder Bluthochdruck.  

Muskuläre Ursachen für objektiven Tinnitus 

Eine muskuläre Ursache kann ein Krampf des Mittelohrmuskels (Musculus tensor tympani) sein. Dies führt dazu, dass der Betroffene wiederholt ein schnell knackendes Geräusch hört, das nicht synchron mit dem Pulsschlag ist.  
 
Wenn die Ohrtrompete, die sich normalerweise im schnellen Rhythmus öffnet und wieder schließt, über einen längeren Zeitraum geöffnet ist (klaffende Tube), kann dies Ohrgeräusche im Rhythmus der Atmung erzeugen.  

Gefäßbedingte Ursachen für objektiven Tinnitus 

Wenn das Blut durch die Adern rauscht und man das Ohrgeräusch im Rhythmus des Pulsschlags hört, ist ein objektiver Tinnitus aufgrund von Herz-Kreislauf-Krankheiten und Bluthochdruck als Ursache wahrscheinlich. Ein hörbarer Blutstrom im Kopf kann entstehen durch:  
  • Engpass der Halsschlagader  
  • Gefäßwandverkalkung (Arteriosklerose der Hirnarterien)  
  • Gutartige Tumore der Blutgefäße (Hämangiome) 
  • Direkte Gefäßverbindungen zwischen Arterien und Venen (Fisteln) 
  • Gefäßmissbildungen  
Auch das sogenannte „Nonnensausen“ ist ein Tinnitus, welcher sich in Form eines Strömungsrausches des Blutes äußert.  Ursache hierfür ist eine Blutarmut (Anämie). Namensgebend war, dass dieses Phänomen besonders häufig bei Nonnen auftrat, die sich besonders fleisch- und eisenarm ernährten.  

Objektiver Tinnitus durch Bluthochdruck 

Als weitere Ursache gilt Bluthochdruck. Viele Menschen mit Bluthochdruck haben gar keine Symptome. Sie fühlen sich gesund und munter. Bluthochdruck kann jedoch auch mit einer Reihe von Begleiterscheinungen auftreten, zu denen neben Kopfschmerzen, Herzklopfen oder Sehstörungen auch Ohrgeräusche zählen.  
 
Dass Tinnitus aufgrund von Bluthochdruck, und im Zuge dessen auch Durchblutungsstörungen, auftritt, wurde schon früh vermutet. Bluthochdruck kann Krankheiten wie Herzinfarkt oder die Koronare Herzkrankheit verursachen, die sich mit Herzschmerz durch Durchblutungsstörungen der Herzkrankgefäße äußert.  
 
Neue Erkenntnisse aus Studien zeigen zwar, dass Durchblutungsstörungen keine direkte Ursache für Tinnitus und Hörsturz sind, dennoch indirekt dazu beitragen können.  
 
Wenn als Folge von Bluthochdruck bereits Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) der Halsschlagader oder der Hirngefäße entstanden sind, können diese zu einem objektiven Tinnitus führen. Bluthochdruck ist aber nicht nur in Bezug auf Tinnitus behandlungsbedürftig, sondern kann auch lebensbedrohliche akuten Erkrankungen wie Schlaganfall verursachen.  
 
Besonders bedrohlich ist ein Anstieg des Blutdrucks auf über 230/130 mmHg. Dann wird das Blut mit einem enormen Druck durch die Adern gepresst und ein sogenanntes pulssynchrones Rauschen verursacht, das als Ohrgeräusch hörbar ist. Der stark erhöhte Blutdruck muss in diesem Fall medikamentös gesenkt werden.  
 
Stress ist ebenfalls ein Faktor, der zu Bluthochdruck führen kann. Ursächlich hierfür ist das ausgeschüttete Stresshormon Adrenalin, das die Blutgefäße eng stellt. Dauerstress kann einen anhaltend hohen Blutdruck verursachen, der behandelt werden muss, um Herz- und Gefäßkrankheiten zu vermeiden.  
 
Oftmals treten Stress, Bluthochdruck und Tinnitus in Kombination auf. Entspannungsübungen und Stressreduktion können bei Bluthochdruck helfen.  
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Behandlung bei objektivem Tinnitus  

Beim objektiven Tinnitus liegt eine eindeutige Ursache in Form einer Krankheit vor. Die Behandlung wird daher entlang der entsprechend auslösenden Krankheit abgestimmt.  

Behandlung bei muskulären Ursachen 

Die häufigste muskuläre Ursache ist ein Krampf des kleinen Mittelohrmuskels (Musculus tensor tympani). Dessen Bereitschaft zu Verkrampfen kann durch die Einnahme eines Magnesiumpräparats herabgesetzt werden. Hilft dies nicht ausreichend, muss operiert werden. Der kleine Mittelohrmuskel kann chirurgisch durchtrennt werden, um das knackende Ohrgeräusch abzustellen. 
 
Liegt die Ursache in einer Gefäßkrankheit, wie zum Beispiel bei einer Verkalkung der Halsschlagader oder einer gutartigen Geschwulst (Tumor), muss diese operativ behoben werden. Bei einer bösartigen Geschwulst (Krebs), muss schnell eine Bestrahlung oder Chemotherapie durchgeführt werden.  
 
Eine Möglichkeit zur Behandlung von Gefäßwandverkalkungen oder Verengung der Gefäße, die aufgrund der Lage im Kopf schwer erreichbar sind, ist der Einsatz eines Stents, um die Gefäße offen zu halten.  

Behandlung bei Eisenmangelanämie

Besteht eine Eisenmangelanämie als Ursache für den objektiven Tinnitus (Blutarmut aufgrund von zu niedrigem Eisenspeicher und zu wenig zu kleine roten Blutkörperchen) wird ein Eisenpräparat über meist 8 Wochen gegeben. Darunter bessert sich die Leistungsfähigkeit und der objektive Tinnitus verschwindet schnell.  

Eisen lässt sich jedoch auch über die Nahrung aufnehmen. Vor allem Hülsenfrüchte, Kürbiskerne und Nüsse sowie Orangen, Bohnen und Spinat sind reich an Eisen. Zu beachten ist jedoch, dass Kaffee und schwarzer Tee direkt nach der Mahlzeit die Eisenaufnahme blockieren.  
 
Eine insgesamt ausgewogene Ernährung trägt ebenfalls dazu bei, Gefäßverkalkungen und Bluthochdruck vorzubeugen, die als Ursache für Tinnitus auftreten können. Außerdem stärkt es das Immunsystem, die Verdauung und reduziert Stress.  
 
Bestandteile einer ausgewogene Ernährung sind:  
  • Balaststoffreiches, vollwertiges Getreide  
  • Tierische und pflanzliche Eiweiße 
  • Ungesättigte Fettsäuren 
  • Wenig Cholesterin und Salz  
  • Vitamine, Mineralstoffen und Antioxidantien aus Obst, Gemüse und Gewürzen
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