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Ursachen von Tinnitus

Tinnitus und Hörsturz: Wo liegt der Unterschied?

Zuletzt aktualisiert am: 16.02.2017 17:00:06
Symbolbild: Tinnitus und Hörsturz

Tinnitus bei Hörsturz

Tinnitus ist nicht dasselbe wie ein Hörsturz, auch wenn es zwischen den Krankheitsbildern Tinnitus und dem Hörsturz einige Gemeinsamkeiten gibt. Tinnitus ist ein Symptom, das bei einem Hörsturz auftreten kann. Es bezeichnet das Ohrgeräusch, das als Piepen, Pfeifen oder Brummen im Ohr zu hören ist. Ein akuter einseitiger Tinnitus kann zusammen mit einem Hörsturz auftreten.

Beim Hörsturz kommt es zu einem plötzlichen Hörverlust, der in 90% aller Fälle nur auf einem Ohr auftritt. Von einer Minute zur anderen hört man plötzlich dumpfer, ganz so, als hätte man Watte im Ohr oder zu viel Ohrenschmalz. Einen solchen Hörverlust sollte man ernst nehmen und gleich zum Arzt gehen. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) kann einen Hörsturz im Tonschwellenaudiogramm an einem deutlichen Knick in der Hörkurve erkennen. Gleichzeitig mit dem Hörverlust kommt es meist zum Ohrgeräusch, das vom Betroffenen in der Tonhöhe (Frequenzbereich) angegeben wird, in dem der Knick nach unten in der Hörkurve im Tonschwellenaudiogramm sichtbar ist. Besteht der Hörverlust im Tieftonbereich, nimmt der Betroffene den Tinnitus als ein tiefes Brummen wahr – bei einem Hochtonverlust tritt ein hoher Pfeifton oder ein Piepen auf.

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Wie kommt es zum Hörsturz?

Ein Hörsturz auf kann also tatsächlich einen Tinnitus verursachen. Wie kommt es dazu? Lange nahm man an, Durchblutungsstörungen wären die Ursache des Hörsturzes. Man stellte sich vor, wie bei einem Herzinfarkt würden die Gefäße nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Auch ein Nährstoffmangel des Innenohrs könnte bei einer Durchblutungsstörung auftreten. Deshalb nannte man den Hörsturz in Parallele zur Angina pectoris des Herzens sogar „Angina pectoris des Innenohrs“. Doch neue Studien konnten dies nicht bestätigen. Auch einen direkten Beweis für eine Entzündung durch Viren, Bakterien oder einem Autoimmunprozess gibt es bislang nicht. Bei der Frage nach dem genauen Hergang und den Ursachen für einen Hörsturz tappt die Wissenschaft leider immer noch im Dunkeln.

Gut beobachten kann man aber den Zusammenhang zwischen Stress, Hörsturz und Tinnitus. Menschen mit einem Hörsturz berichten vermehrt unter starkem, oft beruflichem Stress zu stehen. Menschen, denen es schwer fällt, sich zu entspannen. Die Medizin vermutet daher eine psychosomatische Reaktion hinter der Krankheit, der Körper trifft zum Schutz gegen die Überbelastung die unterbewusste Entscheidung zum „Abschalten“, zum Abschirmen gegen die Außenwelt, und blockiert das Ohr.

Darum brummt's im Ohr

Genauer untersucht wurde die Entstehung eines einseitigen Ohrgeräuschs, wenn es in Zusammenhang mit einem Hörsturz auftrat. Beim Hörsturz hört man in einem bestimmten Frequenzbereich schlechter. In der Hörschnecke des Innenohrs steht jede einzelne der 48.000 feinen Haarzellen für eine Tonhöhe. Am Ort des Ausfalls können die betroffenen Haarzellen keine Botschaft an den Hörnerv mehr weitergeben. Gar kein Signal zu übermitteln, ist für einen Nerven jedoch schwer möglich – deshalb entstehen dort Phantombotschaften. Der Hörnerv ersetzt den fehlenden Ton durch einen Ersatzton – der akute Tinnitus ist entstanden.

Zum Glück klingen mehr als die Hälfte aller Hörsturz-Fälle spontan wieder ab, mithilfe ärztlicher Behandlung kommt es sogar in 90% aller Fälle zur Heilung. Damit geht auch meist der akute Tinnitus wieder weg. Manchmal jedoch besteht der Tinnitus weiter, man spricht nach sechsmonatigem Bestehen von einem chronischen Tinnitus. Beim chronischen Tinnitus besteht kein klarer Zusammenhang mit einem Hörsturz mehr. Einige Menschen tragen einen Hörschaden nach einem Hörsturz davon – sie sind schwerhörig, aber ohne Tinnitus. Bei bestimmten Patienten kommt es zu Schwerhörigkeit mit chronischem Tinnitus. Andere wiederum hören wieder so gut wie früher – wäre da nicht das plagende Brummen im Ohr, das manch einem das Leben zur Hölle macht. So weit muss es aber nicht kommen. Chronischer Tinnitus entsteht nicht automatisch nach einem Hörsturz, mit der richtigen Therapie können wir selbst Einfluss auf unser Gehör und unser Gehirn nehmen.  

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin