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Symbolbild: Tinnitus und Hörsturz
Symbolbild: Tinnitus und Hörsturz
Ursachen

Hörsturz: So erkennen Sie die Anzeichen

Zuletzt aktualisiert am: 08.10.2018
Dieser Text wurde nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern auf Richtigkeit überprüft.
Ein Hörsturz tritt meist zwischen dem 40. Und 60. Lebensjahr auf. Früher wurde er auch Managerkrankheit genannt, weil man ihn Stress und körperlicher Überbelastung in Verbindung brachte, doch seine genaue Ursache ist bis heute nicht bis geklärt.  
 
Per medizinischer Definition ist ein Hörsturz ein einseitig auftretender, plötzlicher Hörverlust, der in 90 Prozent der Fälle nur auf einem Ohr auftritt.  Von einer Minute zur nächsten kommt es zum akuten Hörverlust, begleitet von einem dumpfen Gefühl von „Watte im Ohr“. Die Symptome werden oft fehlgedeutet, denn leider steckt mehr dahinter als Ohrenschmalz im Gehörgang. In den meisten Fällen wird der Hörsturz von einem Tinnitus begleitet. So sehr man auch im Stress ist, die Symptome darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen und sollte sich sofort ärztliche Hilfe suchen, damit kein bleibender Hörschaden mit Schwerhörigkeit und  chronischem Tinnitus entsteht. 

Typische Symptome bei Hörsturz

  • Plötzliche Schwerhörigkeit bis hin zur Taubheit oder verzerrtes Hören (Fehlhörigkeit) 
  • Meist ist nur ein Ohr betroffen 
  • Dumpfes Druckgefühl im Ohr 
  • Tinnitus (Ohrgeräusche wie Brummen oder Piepen) 
  • Schwindel  

Wie kommt es zum Hörsturz? 

Mediziner gingen lange davon aus, Durchblutungsstörungen wären die Ursache des Hörsturzes. Man stellte sich vor, wie bei einem Herzinfarkt würden die Gefäße nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Auch ein Nährstoffmangel des Innenohrs könnte bei einer Durchblutungsstörung auftreten. Deshalb nannte man den Hörsturz in Parallele zur Angina pectoris des Herzens sogar „Angina pectoris des Innenohrs“. Doch neue Studien konnten dies nicht bestätigen. Auch einen direkten Beweis für eine Entzündung durch Viren, Bakterien oder einem Autoimmunprozess gibt es bislang nicht. Bei der Frage nach dem genauen Hergang und den Ursachen für einen Hörsturz tappt die Wissenschaft leider immer noch im Dunkeln. 
 
Gut beobachten kann man aber den Zusammenhang zwischen Stress, Hörsturz und Tinnitus. Ein Hörsturz kann nach extremen Stresssituationen wie einem Langstreckenflug auf einer Geschäftsreise auftreten – ist der Hörsturz also doch eine typische Managerkrankheit?  
 
Menschen mit einem Hörsturz berichten vermehrt unter starkem, oft beruflichem Stress zu stehen. Menschen, denen es schwerfällt, sich zu entspannen. Die Medizin vermutet daher eine psychosomatische Reaktion hinter der Krankheit, der Körper trifft zum Schutz gegen die Überbelastung die unterbewusste Entscheidung zum „Abschalten“, zum Abschirmen gegen die Außenwelt, und blockiert das Ohr. 
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Tinnitus und Hörsturz: Was ist der Unterschied? 

Tinnitus ist nicht dasselbe wie ein Hörsturz, auch wenn es zwischen den Krankheitsbildern einige Gemeinsamkeiten gibt. Tinnitus ist ein Symptom, das bei einem Hörsturz auftreten kann. Es bezeichnet das Ohrgeräusch, das als Piepen, Pfeifen oder Brummen im Ohr zu hören ist. Ein akuter einseitiger Tinnitus kann zusammen mit einem Hörsturz auftreten. 
 
Mehr als die Hälfte aller Hörsturz-Fälle klingen spontan wieder ab, mithilfe ärztlicher Behandlung kommt es sogar in 90 Prozent aller Fälle zur Heilung. Damit geht auch meist der akute Tinnitus wieder weg. Manchmal jedoch besteht der Tinnitus weiter. Bleibt er sechs Monate bestehen, spricht man von einem chronischen Tinnitus. 
 
Einige Menschen tragen einen Hörschaden nach einem Hörsturz davon – sie sind schwerhörig, aber ohne Tinnitus. Bei manchen Patienten kommt es jedoch zu Schwerhörigkeit mit chronischem Tinnitus. Andere wiederum hören wieder so gut wie früher – wäre da nicht das plagende Brummen im Ohr, das manch einem das Leben zur Hölle macht. Soweit muss es aber nicht kommen.  
 
Chronischer Tinnitus entsteht nicht automatisch nach einem Hörsturz. Mit der richtigen Therapie können wir selbst Einfluss auf unser Gehör und unser Gehirn nehmen.   

Diagnostik bei Hörsturz 

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt erstellt ein sogenanntes  Tonschwellenaudiogramm, das die Hörfähigkeit des Betroffenen in einer Hörkurve sichtbar macht. Die Kurve wird einen sichtbaren Knick zeigen, die genauen Aufschluss gibt über die Tonhöhe (Frequenz) des Hörverlusts. Dabei zeichnet der HNO-Arzt zwei Hörkurven auf – eine Knochenleitungs- und eine Luftleitungskurve. Beide Kurven weisen einen Einbruch nach unten auf. Tritt der Hörsturz im Bereich der tiefen Töne auf, wird er von einem tiefen Ohrgeräusch begleitet. Bei einem Verlust im Hochtonbereich wird auch der Tinnitus als hoher Pfeifton wahrgenommen.  

Behandlung von Hörsturz  

In den meisten Fällen ist die Therapie eines Hörsturzes nicht so dramatisch. Früher zahlten die Kassen viel für die Infusionstherapie mit durchblutungsfördernden Substanzen wie Hydroxyäthylstärke (HES). Eine Infusion ist die Gabe von Flüssigkeiten und Medikamenten über die Vene direkt in die Blutbahn.  
 
Da die Durchblutungsstörung als Hörsturz-Ursache nicht bewiesen ist, zahlen viele gesetzliche Kassen diese Behandlung heute nicht mehr. Dennoch kann eine Aufnahme in ein Krankenhaus zur Stressreduktion sinnvoll sein. In der Klinik wird neben den Infusionstherapien mit Entspannungsverfahren gearbeitet. Nimmt der HNO-Arzt eine Entzündung als Ursache an, so wird er eine Infusion mit Cortison zur Entzündungshemmung verordnen.  
Tabakrauchen sollte der Betroffene ganz meiden. Andere Auslöser, wie eine Erkrankung der Halswirbelsäule, müssen behandelt werden. Ganz ähnlich sieht die Therapie eines akuten Tinnitus aus. 
Hinweis: Ein Hörsturz mit plötzlich auftretender, einseitiger Ertaubung ist jedoch eine ernste Komplikation. Ursache hierfür ist ein Riss des runden Fensters, welches das Mittelohr mit dem mit Flüssigkeit gefüllten Innenohr verbindet. Hier ist rasches ärztliches Eingreifen erforderlich. Der Arzt führt eine Operation durch, um die gerissene Stelle zu flicken. 
Die Prognose bei Hörsturz ist zum Glück gut – in mehr als der Hälfte aller Fälle kommt es auch ohne Therapie zu spontaner Heilung. Nach einigen Tagen schon hört man wieder so gut wie vorher. Dabei ist die Heilungschance umso besser, je jünger der Betroffene ist und je tiefer der betroffene Tonbereich ist. Ein tiefes Brummen statt einem hohen Pfeifton im Ohr ist also ein günstiges Zeichen. Manchmal bleibt der Hörverlust jedoch bestehen, es kann auch zu wiederholten Hörstürzen kommen. Dann kommt der Hörsturz wirklich nicht allein: In vielen Fällen besteht gleichzeitig ein chronischer Tinnitus, der je nach Leidensdruck behandlungsbedürftig werden kann. Bei starker Schwerhörigkeit sollte ein Hörgerät angepasst werden.

 

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