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Ursachen von Tinnitus im Überblick

Berühmt-berüchtigt, durchaus bedrohlich, manchmal unerklärlich aber oft gar nicht so schlimm – das ist der Tinnitus. Das Geräusch, das außer dem Betroffenen niemand hört: ein lästiges Pfeifen, Piepen oder Brummen im Ohr. Mindestens einmal im Leben oder alle paar Monate für einige Sekunden nimmt jeder von uns Tinnitus wahr, das ist nichts Unnatürliches. Tritt Tinnitus jedoch als sehr störendes, länger andauerndes Ohrgeräusch auf, sollte man den Arzt aufsuchen, denn nur dieser wird die Ursache der Symptome klären können. Tinnitus ist keine „Volkskrankheit“ wie so mancher vermutet, denn die Ohrgeräusche sind nur Symptom oder Ausdruck einer zugrundeliegenden Erkrankung, die das Ohr mitunter, so scheint es, gar nicht direkt betrifft: Die vielfältigsten Krankheiten können Ursache für Tinnitus sein.

Objektiver oder subjektiver Tinnitus?

Grundlegend wird in der Medizin der objektive vom subjektiven Tinnitus unterschieden. Der objektive Tinnitus ist äußerst selten. Nur bei ihm existiert der Schall im Kopf wirklich. Man unterscheidet muskuläre Ursachen wie einen Krampf des kleinen Mittelohrmuskels von Ursachen im Bereich der Gefäße wie Gefäßmissbildungen, Gefäßverengungen der Halsschlagader oder Bluthochdruck. Aber auch subjektiver Tinnitus ist kein Ohrgeräusch, das einfach der Einbildung entspringt. Auch ihm, gleichsam dem chronischen subjektiven Tinnitus, liegen nachweisbare körperliche Ursachen zugrunde. Zusätzlich kann die Psyche hierbei eine große Rolle spielen.

Subjektiver Tinnitus – was steckt dahinter?

Tatsächlich ist objektiver Tinnitus äußerst selten. In beinahe 100% der Fälle liegt die subjektive Form vor: Der Schall existiert nicht wirklich, das Ohrgeräusch ist vielmehr Ausdruck einer veränderten Hörverarbeitung. Praktisch alle Krankheiten des Gehörs und im Bereich der Hörbahn im Gehirn, viele Medikamente und Gifte, Krankheiten innerer Organe, Funktionsstörungen von Halswirbelsäule und Kiefer, Stress und seelische Konflikte können einen Tinnitus verursachen. Kein Wunder, dass der Betroffene sich seinem Tinnitus oft hilflos ausgeliefert fühlt und verzweifelt nach einer Erklärung sucht. Eine Aufklärung über die mögliche Ursache kann schon sehr hilfreich sein.

Krankheiten im Ohr und Gehirn als Ursache des Tinnitus

Tinnitus kann durch Krankheiten im Außenohr wie einem Pfropf aus Ohrenschmalz oder einer Entzündung des Gehörgangs verursacht werden. Eine Mittelohrentzündung, eine Tubenfunktionsstörung mit fehlender Belüftung des Mittelohrs oder eine Otosklerose (Verknöcherung des Steigbügels im Mittelohr) können durch eine Veränderung der Schallwahrnehmung akuten Tinnitus verursachen. Im Innenohr führen Hörsturz, Schalltrauma und Schwerhörigkeit zu Tinnitus als Begleitsymptom. Mehr als 90% aller Patienten mit chronischem Tinnitus sind schwerhörig. Andererseits leiden viele Schwerhörige nicht unter Tinnitus, beide Krankheitsbilder bedingen einander also nicht. Eine weitere Erkrankung des Innenohrs ist Morbus Ménière. Sie kann anfallartig zu Schwindel, Hörstörungen und tieftönigem Tinnitus führen, also einem Brummen im Ohr. Auch das Akustikusneurinom, eine Geschwulst des Hörnervs, kann Ohrgeräusche verursachen. Ein Schädel-Hirn Trauma, etwa durch einen harten Schlag auf den Kopf, kann Tinnitus auslösen. Viel zu oft befürchtet jedoch äußerst selten entstehen Hirntumore im Bereich der Hörbahn, die ebenso wie Multiple Sklerose Ohrgeräusche verursachen können.

Tinnitus durch innere Krankheiten und Medikamente

Wichtig zu wissen: Einige Medikamente können mit ihren Nebenwirkungen Tinnitus auslösen. Dazu gehören:

  • das bekannte Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Diuretika (Entwässerungsmittel)
  • Aminoglykoside (eine bestimmte Gruppe von Antibiotika, Mittel gegen Bakterien)
  • Chinin (ein altes Malariamittel)
  • Trizyklische Antidepressiva (Medikamente gegen Depression)
  • Beta-Blocker (Blutdrucksenker)
  • Anti-Baby-Pille.

Selbstverursachtes Leid und Ohrgeräusche erfährt so mancher durch Tabakrauchen oder Rauschdrogen wie Kokain und Heroin. Zu den inneren Krankheiten, die das Auftreten von Ohrensausen bedingen, gehören die Autoimmunkrankheiten Lupus erythematodes, Wegener Granulomatose und die Autoimmun-Innenohrschwerhörigkeit. Dabei greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe an. Auch das Innenohr kann davon betroffen sein. Daneben verursachen manchmal Virusinfektionen wie Röteln oder Masern, oder eine Hirnhautentzündung durch Bakterien eine Innenohrschädigung mit Tinnitus. Herz-Kreislauf-Krankheiten mit Durchblutungsstörungen, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder eine Nierenschwäche – auch sie können manchmal zu Ohrgeräuschen führen, denn das Gehör ist sehr empfindlich gegenüber allen Veränderungen.

Funktionsstörungen von Halswirbelsäule und Kiefer

Nicht immer sind Probleme mit der Halswirbelsäule und dem Kiefer ursächlich für einen bestehenden Tinnitus. Dies wird von den Betroffenen häufiger angenommen als es belegt werden kann. Doch gibt es durchaus dokumentierte Fälle, in denen Funktionsstörungen der Halswirbel und Kiefergelenke Ohrgeräusche verursachen. Nächtliches Zähneknirschen ist Ausdruck von Stress und sollte als Warnsignal gesehen werden: Überlastung im beruflichen und sozialen Alltag und fehlende Entspannung stehen häufig im Zusammenhang mit einem Tinnitus.

Tinnitus durch Stress und psychische Ursachen

Bei Menschen mit Tinnitus ohne Schwerhörigkeit steht die seelische Ursache im Vordergrund. Stress kann über veränderte Hormonausschüttung auch zu Durchblutungsstörung und Sauerstoffmangel im Innenohr führen. Im Rahmen vom Burnout-Syndrom und Depressionen tritt Tinnitus häufiger auf. Die Psychosomatik geht davon aus, dass das Ohrgeräusch einen somatischen (körperlichen) Ausdruck eines psychischen (seelischen) Konflikts darstellt.

 

Tinnitus-Ursachen im Überblick: