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Wissenswertes

Was ist ein Hörsturz?

Zuletzt aktualisiert am: 16.11.2015 11:40:18

Meist tritt er zwischen dem 40. Und 60. Lebensjahr auf. Früher wurde er auch Managerkrankheit genannt, weil man ihn Stress und körperlicher Überbelastung in Verbindung brachte, doch seine genaue Ursache liegt bis heute im Dunkeln. Die Rede ist vom Hörsturz.

Per Definition ist ein Hörsturz ein einseitig auftretender, plötzlicher Hörverlust. Von einer Minute zur nächsten kommt es zum akuten Hörverlust, begleitet von einem dumpfen Gefühl von „Watte im Ohr“. Seine Symptome werden oft fehlgedeutet, denn leider steckt mehr dahinter als harmloser Ohrenschmalz im Gehörgang. In den meisten Fällen wird der Hörsturz von einem Tinnitus begleitet, denn ein Hörsturz kommt selten allein. So sehr man auch im Stress ist, die Symptome darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen und sofort ärztliche Hilfe suchen, damit kein bleibender Hörschaden mit Schwerhörigkeit und chronischem Tinnitus entsteht.

Diagnostik und Ursachenforschung bei Hörsturz

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt erstellt ein sogenanntes Tonschwellenaudiogramm, das die Hörfähigkeit des Betroffenen in einer Hörkurve sichtbar macht. Die Kurve wird einen sichtbaren Knick zeigen, die genauen Aufschluss gibt über die Tonhöhe (Frequenz) des Hörverlusts. Dabei zeichnet der HNO-Arzt zwei Hörkurven auf – eine Knochenleitungs- und eine Luftleitungskurve (siehe auch „Tonschwellenaudiogramm bei Tinnitus“). Beide Kurven weisen einen Einbruch nach unten auf. Tritt der Hörsturz im Bereich der tiefen Töne auf, wird er von einem tiefen Ohrgeräusch begleitet. Bei einem Verlust im Hochtonbereich wird auch der Tinnitus als hoher Pfeifton wahrgenommen.

Es gibt noch weitere Verbindungen zwischen Hörsturz und Tinnitus: Es ist der Medizin bis heute nicht gelungen, die genaue Ursache der beiden Gehörstörungen zu erklären. Früher nahm man eine Durchblutungsstörung des Innenohrs als primären Auslöser an. Diese sollte wie bei einem Herzinfarkt zu einer unzureichenden Versorgung der Hörschnecke mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen führen. Dadurch entstünde ein Schaden an den kleinen Haarzellen. Die Haarzellen in der Hörschnecke sind für die Umwandlung des mechanischen Schalls in einen akustischen Reiz zuständig. Doch die Theorie erwies sich in neueren Studien als nicht beweisbar.

Eine Ursache ist jedoch sehr häufig: der Stress. Von Hörsturz Betroffene stehen meist schon länger unter Dauerstress. Ein Hörsturz kann nach extremen Stresssituationen wie einem Langstreckenflug auf einer Geschäftsreise auftreten – ist der Hörsturz also doch eine typische Managerkrankheit? Die Krankheit wird von der Psychosomatik (Medizinische Wissenschaft von Psyche-Körper-Zusammenhängen) als Überforderungsreaktion gedeutet – da steckt viel Wahrheit dahinter, denn im gesunden Zustand können wir nicht einfach „weghören“. Ein Hörsturz kann eine mögliche Abschaltreaktion der Psyche darstellen.

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Operation oder Infusionstherapie? Behandlung von Hörsturz

Ganz weghören sollte man aber nicht: Ein Hörsturz mit plötzlich auftretender, einseitiger Ertaubung ist eine ernste Komplikation. Ursache hierfür ist ein Riss des runden Fensters, welches das Mittelohr mit dem mit Flüssigkeit gefüllten Innenohr verbindet. Hier ist rasches ärztliches Eingreifen erforderlich. Der Arzt führt eine Operation durch, in der die gerissene Stelle geflickt wird.

In den meisten Fällen ist die Therapie eines Hörsturzes jedoch lange nicht so dramatisch. Früher zahlten die Kassen viel für die Infusionstherapie mit durchblutungsfördernden Substanzen. Dazu zählt Hydroxyäthylstärke (HES). Eine Infusion ist die Gabe von Flüssigkeiten und Medikamenten über die Vene direkt in die Blutbahn. Da die Durchblutungsstörung als Hörsturz-Ursache nicht bewiesen ist, zahlen viele gesetzliche Kassen diese Behandlung heute nicht mehr. Dennoch kann eine Aufnahme in ein Krankenhaus zur Stressreduktion sinnvoll sein. In der Klinik wird neben den Infusionstherapien mit Entspannungsverfahren gearbeitet. Nimmt der HNO-Arzt eine Entzündung als Ursache an, so wird er eine Infusion mit Cortison zur Entzündungshemmung verordnen. Tabakrauchen sollte der Betroffene ganz meiden. Andere Auslöser wie eine Erkrankung der Halswirbelsäule müssen behandelt werden. Ganz ähnlich sieht die Therapie eines akuten Tinnitus aus.

Die Prognose bei Hörsturz ist zum Glück gut – in mehr als der Hälfte aller Fälle kommt es auch ohne Therapie zu spontaner Heilung. Nach einigen Tagen schon hört man wieder so gut wie vorher. Dabei ist die Heilungschance umso besser, je jünger der Betroffene ist und je tiefer der betroffene Tonbereich ist. Ein tiefes Brummen statt einem hohen Pfeifton im Ohr ist also ein günstiges Zeichen. Manchmal bleibt der Hörverlust jedoch bestehen, es kann auch zu wiederholten Hörstürzen kommen. Dann kommt der Hörsturz wirklich nicht allein: In vielen Fällen besteht gleichzeitig ein chronischer Tinnitus, der je nach Leidensdruck behandlungsbedürftig werden kann. Bei starker Schwerhörigkeit sollte ein Hörgerät angepasst werden.

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin