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Wissenswertes

Aktuell: 17. Tinnitussymposium der Charité

Zuletzt aktualisiert am: 26.05.2017 17:01:48

Stille Nacht, heilige Nacht? Für viele Menschen bleibt dies auch in der Vorweihnachtszeit nicht mehr als ein frommer Wunsch. Allein in Deutschland leiden Millionen Patienten unter Hörstörungen, davon rund ein Drittel von ihnen an Tinnitus, den rätselhaften, teils chronischen Geräuschen im Ohr. Anfang Dezember versammelte sich die internationale Prominenz der Tinnitusforschung im Rahmen des 17. Tinnitussymposiums zum Erkenntnisaustausch aus medizinischer Forschung und therapeutischer Praxis im Kaiserin-Friedrich-Haus der Berliner Charité.

Worum geht’s beim Tinnitussymposium?

Der alljährliche Kongress bietet Tinnitusexperten aus aller Welt ein Forum zur wissenschaftlichen Kommunikation und dient der Präsentation dessen, was aktuell in der Forschung diskutiert wird. Das Symposium wurde in diesem Jahr erstmals in Zusammenarbeit des im HNO-Fachbereich der Charité ansässigen Tinnituszentrums mit der Deutschen Tinnitus-Stiftung Charité organisiert.  

Bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Veranstaltung gaben unter anderem die Direktorin des Tinnituszentrums Prof. Birgit Mazurek und der Geschäftsführer der Tinnitus-Stiftung Dr. Kurt Anschütz Einblick in die zentralen Themen des diesjährigen Symposiums. Verstärkt im Fokus der Forschungsarbeit stehen derzeit aktuelle Entwicklungen im Bereich Mittelohrtransplantation und Hörgerätetechnologie, alternative pharmakologische Interventionsmöglichkeiten, neue evidenzbasierte Therapieformen sowie Auswirkungen psychologischer Faktoren auf das Entstehen von Tinnitus.

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Tinnitus lässt sich nicht einfach „wegtherapieren“

Die Zahl der Patienten mit Hörschäden sehen die Ärzte stetig steigend, dabei sind die genauen Ursachen von Tinnitus im Speziellen noch immer nicht eindeutig geklärt, die Behandlung ist seit jeher schwierig. Ein Zusammenhang mit psychischen Einflüssen wie Stress ist indes unstrittig, der biologische „Anteil“ der Krankheit wird derzeit intensiv erforscht. Tinnitus, fasst Psychosomatik-Facharzt Professor Rose zusammen, ist keine Erkrankung, die entweder psychisch oder somatisch begründet ist.

Bislang, und das ist wichtig zu wissen, kennt man bei chronisch dekompensiertem Tinnitus also keinen seelischen oder körperlichen Defekt, der sich einfach wegtherapieren oder herausoperieren ließe. Von dekompensiert spricht man dann, wenn der Leidensdruck des Patienten so groß ist, dass er sich in seinem beruflichen und sozialen Alltag stark eingeschränkt fühlt. Frühere singuläre Therapieansätze, die etwa mithilfe von Infusionen den Blutfluss im Innenohr verbessern sollten, gelten heute als wenig erfolgsversprechend, so die Mediziner.

Individuelle, ganzheitliche Therapiekonzepte können helfen

Vielmehr setzt man heute vor allem auf enges Zusammenarbeiten zwischen Arzt und Patienten, auf umfassende Diagnostik und fortlaufende Betreuung. Vielversprechend zeigt sich der multimodale Ansatz: Das sind individuelle, ganzheitliche Therapiekonzepte, die ganz unterschiedliche Behandlungsmethoden wie Hörtherapie, Tinnitus-Retraining, physikalische Therapien wie Massagen, Entspannungsübungen und Psychotherapie miteinander verbinden.

Gute Erfolge sind sichtbar, jedoch wird der Tinnitus in den wenigsten Fällen vollständig geheilt. Der Ansatz möchte dabei nicht den Aus-Knopf für das Ohrgeräusch finden, denn einen solchen scheint es nicht zu geben. Vielmehr geht es um den langfristigen Effekt und die Unterstützung der Anpassungsleistung des Patienten: Darum, mithilfe verschiedener Bewältigungsstrategien den Tinnitus aus dem Bewusstsein zu verdrängen –  seine Lautstärke sozusagen langsam leiser zu drehen. Aktuelle kombinatorische Therapien können also durchaus helfen und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessern. Hier ist allerdings nicht nur aufgrund der aufwändigen Diagnostik Geduld gefragt. Auch kann es ein bisschen dauern, bis die richtigen Therapieelemente gefunden, optimiert und verinnerlicht wurden, bevor sich Besserung einstellt.

Die intensive Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient ist grundlegend. Auch aus diesem Grund wird bei derzeit oft aggressiv beworbenen Smartphone-Apps zur Tinnitustherapie von den Anwesenden, gelinde gesagt, Skepsis angemahnt. Hier wird etwa versprochen, sich durch Herausfiltern der eigenen Tinnitusfrequenz beim Hören seiner Lieblingsmusik den Tinnitus sozusagen „abtrainieren“ zu können. Dies sei ein pauschales Werbeversprechen und weder als seriös zu betrachten noch stelle es einen neuartigen Ansatz dar. Ganz normale Musik, so die Mediziner, funktioniere therapeutisch im Grunde ebenso gut.   

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