Anzeige
Anzeige
Symptome und Diagnose

Was ist ein Tonschwellenaudiogramm?

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 15:40:07

Das Tonschwellenaudiogramm ist in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde die Basisuntersuchung zur Feststellung von Hörverlust und Schwerhörigkeit. Es erfasst schon geringe Hörverluste und bildet die Grundlage zur Bestimmung, ob jemand ein Hörgerät benötigt. Tinnitus kann man im Tonschwellenaudiogramm nicht direkt sehen. Da Tinnitus sehr oft mit zunehmender Schwerhörigkeit oder akutem Hörverlust (siehe auch: Was ist ein HörsturzTinnitus und Schalltrauma) einhergeht, ist das Tonschwellenaudiogramm auch Basisuntersuchung und Hörtest bei Tinnitus.

Da es sich dabei um einen subjektiven Hörtest handelt, erfordert er die Mitarbeit des Patienten. Es wird ermittelt, wie laut die Töne unterschiedlicher Tonhöhen sein müssen, um gerade noch gehört zu werden. Das Tonschwellenaudiogramm dient der Ursachenfindung – unterschiedliche Kurvenverläufe deuten auf unterschiedliche Ursachen für die Entwicklung einer Schwerhörigkeit hin. Man kann damit eine Schallleitungsstörung (Mittelohrschwerhörigkeit) von einer Schallempfindungsstörung (Innenohrschwerhörigkeit) unterscheiden.

Der Hörtest wird mit einer speziellen Apparatur in einer schallisolierten Hörtestkabine durchgeführt. Der Betroffene sitzt auf einem Stuhl und bekommt Kopfhörer aufgesetzt. Die Ohren werden einzeln getestet. Der HNO-Arzt (oder die Praxisassistenz) spielt über den Kopfhörer jeweils einen Ton einer bestimmten Frequenz in das Ohr des Betroffenen, erst ganz leise und dann zunehmend lauter. Sobald er den Ton hört, gibt der Untersuchte per Knopfdruck Rückmeldung. Konzentration und gute Mitarbeit sind dabei sehr wichtig! Dies wird solange mit Tönen unterschiedlicher Frequenzen wiederholt, bis alle Tonhöhen (Frequenzen) erfasst wurden und in der Diagrammdarstellung eine „Hörkurve“ ergeben. Im Anschluss wird die Untersuchung für das andere Ohr durchgeführt. Dies ergibt die Luftleitungskurve und damit die Untersuchung einer möglichen Mittelohrschwerhörigkeit (Schallleitungsstörung).

Danach bekommt der Untersuchte einen Knochenleitungshörer zur Messung der Knochenleitungskurve und Untersuchung einer möglichen Innenohrschwerhörigkeit (Schallempfindungsstörung). Dieser Hörer wird auf dem Knochen hinter dem jeweiligen Ohr aufgesetzt, das andere Ohr wird mit einem Kopfhörer abgedichtet, so dass es nicht mithören kann.

Der HNO-Arzt sollte sich Zeit nehmen, seinem Patienten das Diagramm zu erklären und es ihm am besten als Ausdruck mit nach Hause geben. Es bildet das rechte Ohr links ab und das linke Ohr rechts, zeigt also die Sicht des Arztes. Auf der horizontalen Achse ist die Frequenz, also die unterschiedlichen Tonhöhen von ganz tief beginnend bei 0,25 Kilohertz bis ganz hoch bei 8 Kilohertz abgebildet. Die vertikale Achse zeigt die Lautstärke des Tons in Dezibel (Schalldruckpegel) an.

Je lauter die Signalstärke, desto tiefer sinkt die Kurve: Je größer der Kurveneinbruch, desto schlechter ist das Hörvermögen. Es wird deshalb im Tonschwellenaudiogramm bei Schwerhörigkeit vom „Absinken der Hörschwelle“ gesprochen. Je gesünder das Gehör ist, desto höher verlaufen die Kurven. 

Bei normalem Hörvermögen sieht man die Luftleitungskurve (obere Kurve) und Knochenleitungskurve (untere Kurve) parallel und ganz oben verlaufend. Das entspricht der Abbildung für das linke Ohr.

Bei Schwerhörigkeit sind unterschiedliche Kurvenverläufe möglich. Beispielhaft ist hier das rechte Ohr abgebildet mit Knick nach unten in beiden Kurven im Hochtonbereich. Dies ist eine typische Abbildung für Hörverlust nach Schalltrauma. Klagt der Betroffene über Tinnitus als einen hohen Ton, den man in der Abbildung nicht sieht, so ist es sehr wahrscheinlich, dass das Ohrgeräusch durch das akute Schalltrauma ausgelöst wurde.

Anzeige

Bestimmung und Lautheit von Tinnitus

Es gibt Möglichkeiten, die Tonhöhe und die Lautheit des Tinnitus im Tonschwellenaudiogramm abzubilden. Dies ist allerdings nur möglich, wenn das Ohrgeräusch als Ton und nicht als Rauschen vernommen wird.

Bei Tinnitus auf einem Ohr werden für die Tinnitusbestimmung auf dem betroffenen Ohr Töne unterschiedlicher Frequenz über einen Kopfhörer eingespielt, bis die Tonhöhe mit dem Tinnitus übereinstimmt. Bei beidseitigem Tinnitus wird dies für beide Ohren gemacht. Für den Betroffenen kann dies eine unangenehme Prozedur sein, vor allem wenn gleichzeitig Tinnitus und Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit) besteht.

Zur Bestimmung der Tinnitus-Lautheit wird ein breitbandiges Rauschen auf dem betroffenen Ohr solange lauter aufgedreht, bis das Ohrgeräusch verdeckt ist. Nun hat man Frequenz (Tonhöhe) und Lautstärke des Tinnitus ermittelt. Dieser Punkt wird im Tonschwellenaudiogramm eingezeichnet. Sehr oft stimmt er mit dem Bereich des Hörverlusts überein, also dort wo man das Absinken der Hörschwelle sieht.

Interessanterweise ist der Tinnitus nie lauter als 5 bis 15 Dezibel über seiner Hörschwelle (die Lautstärke, bei der der Betroffene den Ton gerade noch hört). Unser Atemgeräusch liegt bei 20 Dezibel, die Lüftung eines PC bei 15 Dezibel. Egal wie laut der Betroffene sein Ohrgeräusch empfindet, es ist nicht laut! Wir hören Wichtiges lauter, Unwichtiges leiser. Unsere Hörverarbeitung ist emotional beeinflusst. Lernen Sie, den Tinnitus zu ignorieren. Denn Ihr Gehirn hat die Fähigkeit, Geräusche herauszufiltern. Wenn Sie ihr Atemgeräusch herausfiltern können, dann können Sie auch lernen, das Ohrgeräusch auszublenden.

Weiterlesen
Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin