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Symptome und Diagnose

Symptome und Symptomverlauf bei Tinnitus

Morgana Hack, Ärztin
Zuletzt aktualisiert am: 01.10.2018
Dieser Text wurde nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern auf Richtigkeit überprüft.

Tinnitus aurium, das Pfeifen im Ohr, ist keine eigenständige Krankheit, sondern Begleitsymptom vielfältiger Ursachen. Dazu zählen verschiedene Krankheiten, aber auch seelische Belastungen. Jeder vierte Deutsche erlebt mindestens einmal in seinem Leben einen Tinnitus. Dabei handelt es sich um ein Ohrgeräusch, das vom Betroffenen gehört wird, jedoch von keiner äußeren Schallquelle ausgeht. Ein Tinnitus kann als Piepen, Ohrensausen, Zischen, Rauschen, Brummen oder Knacksen in Erscheinung treten. Beim sogenannten objektiven Tinnitus hören die Betroffenen ein pulssynchrones Rauschen im Rhythmus des eigenen Pulsschlags.

Das Ohrgeräusch kann als ganz hoher, mittelhoher oder tiefer Ton gehört werden. Tinnitus auf einem Ohr ist häufig, kann aber auch beidseitig gehört werden. Er kann verschwinden, wieder auftreten, oder Dauerton sein. Egal wie laut jemand „sein“ Ohrensausen hört: Mithilfe eines Hörtestes kann man feststellen, dass Tinnitus immer etwa gleichlaut auftritt: nicht lauter wie knirschender Schnee, sondern ungefähr so laut wie die Lüftung eines handelsüblichen Computers.

Ohrgeräusche sind nicht eingebildet

Wichtig zu wissen: Ein Tinnitus ist niemals eingebildet. Mittels Hörtest lässt er sich in Tonhöhe und Lautheit abbilden.

Es handelt sich dabei also nicht um eine akustische Halluzination psychotischen Ursprungs. Im Gegensatz zum relativ „primitiven“ Tinnitus, der vom Patienten als einfaches Pfeifen oder Ohrensausen gehört wird, sind die Symptome akustischer Halluzinationen weitaus plastischer. Dabei werden zum Beispiel Melodien, Kirchenglocken oder Stimmen „gehört“. In einer Psychose auftretende akustische Halluzinationen haben den Charakter einer Botschaft, zum Beispiel einer Stimme, die aus dem Radio zu einem spricht. Bei dieser Symptomatik handelt es sich keinesfalls um Tinnitus.

Akuter Tinnitus, subakuter Tinnitus, chronischer Tinnitus

Akuter Tinnitus: viele Menschen nehmen manchmal für Sekunden oder Minuten ein Klingeln im Ohr wahr. Der akute Tinnitus kann bis zu drei Monaten bestehen. Subakuter Tinnitus: hier dauern die Ohrgeräusche drei bis sechs Monate. Chronischer Tinnitus: ein Ohrensausen, dass länger als sechs Monate anhält wird als chronischer Tinnitus definiert. Diese Unterscheidung ist wichtig für die Behandlung des Tinnitus. Akuter Tinnitus benötigt eine andere Therapie als chronische Ohrgeräusche.

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Tinnitus mit und ohne Hörverlust

Tinnitus mit Hörverlust ist Begleitsymptom bei

  • Hörsturz
  • Schalltrauma – der Lärmschaden verursacht meist einen sehr hohen Piep- oder Pfeifton.
  • Zunehmender Schwerhörigkeit - der Tinnitus besteht in der Tonhöhe des Hörverlusts.
  • Morbus Ménière mit Tinnitus im Tieftonbereich und Drehschwindel; Ohrensausen und Schwindel können zusammen bei unterschiedlichen Krankheiten auftreten.

Tinnitus ohne Hörverlust tritt auf bei

  • Nackenverspannungen, Kiefergelenkverspannungen, nächtlichem Zähneknirschen
  • Schleudertrauma
  • Bluthochdruck
  • Stress, Einschlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Leistungsminderung
  • Depression, Angsterkrankung, Zwanghaftigkeit. Tinnitus kann Begleitsymptom oder Ursache für seelische Erkrankungen sein.

Tinnitus auf einem Ohr

Wird der Tinnitus nur auf einem Ohr gehört, so besteht häufig eine Hörstörung im selben Ohr. Hörsturz, Schwerhörigkeit auf einem Ohr, Morbus Ménière, Akustikusneurinom, eine einseitige Mittelohrentzündung und viele andere einseitige körperliche Krankheiten können für den Tinnitus auf einem Ohr verantwortlich sein. Bei beidseitig gehörtem Tinnitus besteht häufiger eine psychogene (seelische) Ursache.

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Tinnitus und Hyperakusis

Sehr häufig erleben Menschen mit Tinnitus eine Geräuschüberempfindlichkeit, die Hyperakusis. Sie kann bei Hörverlust oder Normalhörigkeit mit Tinnitus auftreten. Alltagsgeräusche wie Straßenlärm oder Kinderschreie werden stärker als normal gehört und als sehr quälend empfunden.

Wann sollte man bei Ohrgeräuschen einen Arzt aufsuchen?

  • Bei neu auftretendem Tinnitus, der mehrere Stunden oder Tage anhält
  • Bei Ohrensausen nach einem Schalltrauma (etwa nach einem lauten Knall oder Discobesuch)
  • Wenn Tinnitus und akuter Hörverlust auftritt.
  • Wenn es gleichzeitig zu Schwindel und Tinnitus kommt.
  • Wenn nach einer Mittelohrentzündung ein Ohrgeräusch wie Rauschen oder Piepen auftritt.
  • Leiden Sie schon länger an Ohrgeräuschen, so sollten Sie den Arztbesuch jetzt keinesfalls noch länger hinauszögern!
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