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Behandlung

Was passiert bei der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 15:45:24

Chronischer Tinnitus ist verbreiteter als man vielleicht annimmt. Tatsächlich hören viele Menschen regelmäßig Ohrgeräusche, doch nur wenige von ihnen leiden ernsthaft unter ihren Symptomen: Die meisten hören nämlich einfach weg. Sie nehmen die Geräusche nicht ernst. Und genau das ist bei chronischem Tinnitus der richtige Weg: Betroffene müssen lernen, nicht hinzuhören. Erst im dritten und vierten Stadium der Tinnitus-Erkrankung wird das Ohrgeräusch als so stark empfunden, dass die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigt ist. Patienten, bei denen der Tinnitus derart stark ausgeprägt ist, brauchen eine Behandlung.

Bei diesen Menschen ist es nötig, nach einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten eine Habituationstherapie (Habituation = Gewöhnung) zu beginnen. Die älteste und gängigste Behandlungsform dieser Art ist die Tinnitus-Retraining-Therapie, kurz TRT. Sie wurde 1990 von Jastreboff und Hazell entwickelt. Eine Weiterentwicklung der TRT stellt die modifizierte Tinnitus-Retraining-Therapie dar.

Ablauf der Tinnitus-Retraining-Therapie

  • Am Anfang steht ausführlicher Ersttermin beim HNO-Arzt, der außer der Diagnostik ein umfassendes Beratungsgespräch beinhaltet, das über die komplexen Zusammenhänge der Hörverarbeitung aufklärt und dem Betroffenen gleich zu Beginn Mut machen und Ängste nehmen soll (direktives Counseling).
  • Geräuschtherapie mittels Anpassung eines Rauschgerätes (auch Tinnitus-Noiser oder Tinnitus-Masker genannt) oder bei Schwerhörigkeit und Tinnitus mittels Hörgerätversorgung.
  • Folgetermine mit direktivem Counseling, welche die Belastung durch den Tinnitus abfragen und weitere informative Beratung beinhaltet, anfangs monatlich, dann alle drei Monate mit einer Dauer von insgesamt bis zu zwei Jahren.
Diese Termine sollen den Betroffenen verständlich machen, wie die Hörverarbeitung im Gehirn und bei Tinnitus funktioniert. Denn nur wer wirklich versteht, woran er leidet, kann sich seiner Erkrankung stellen. Gerade bei Tinnitus spielt die Psyche eine große Rolle.

Hörgerät oder Rauschgerät bei Tinnitus?

Auch Schwerhörigkeit zählt zu den Ursachen von Tinnitus. Bei Schwerhörigkeit und Tinnitus empfiehlt sich die Anschaffung eines Hörgeräts. Ein Hörgerät ist für den Schwerhörigen wichtig, um die normale Kommunikation mit seiner Familie und Freunden zu erhalten oder den Genuss eines Konzertes zu ermöglichen. Das feine Hintergrundrauschen des Hörgeräts hilft, den Tinnitus abzuschwächen.

Hörgeräte gibt es wie viele. Das häufigste ist das HdO (Hinter-dem-Ohr getragene Gerät), ferner das IdO (Im-Ohr getragenes Gerät) oder teilimplantierte Hörgeräte. Wenn alles nichts hilft oder bei starker Schwerhörigkeit kann ein Cochlea-Implantat direkt in die Hörschnecke im Innenohr eingesetzt werden. Jedes Hörgerät bedarf der Gewöhnung bis man damit tatsächlich besser hören kann. Die Anpassung erfolgt durch den Hörgeräte-Akustiker. Teil- und Vollimplantaten werden operativ eingesetzt.

Einem Normalhörenden wird im Rahmen der TRT kein Hörgerät sondern ein Rauschgerät angepasst. Diese Geräte werden auch Rauschgenerator, Tinnitus-Noiser oder Tinnitus-Masker genannt. Sie geben ein breitbandiges Rauschen von sich, ein Rauschen in allen Tonhöhen, welches das Ohrgeräusch überdecken kann. Das Gerät hat die Form eines Hörgeräts und sollte so eingestellt werden, dass der Tinnitus gerade noch hörbar, also nicht völlig verdeckt ist. Dies kann die Tinnitus-Empfindung abschwächen und mithelfen, das Ohrgeräusch zu überhören. Besonders vor dem Einschlafen kann es hilfreich sein, dafür gibt es sogar spezielle „Bedside-Geräte“.

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Wie sind die Erfolgschancen der Tinnitus-Retraining-Therapie?

Neben der klassischen TRT haben sich neuere Habituationstherapien entwickelt. Die TRT ist in die Kritik geraten, da sie zu „direktiv“ mit dem Betroffenen umginge. Der vom Patient habe nicht die Möglichkeit, seine individuellen Erfahrungen und Konflikte anzusprechen, ist der häufigste Kritikpunkt. Psychosomatische Tinnitus-Patienten, deren Tinnitus Ausdruck einer gestörten Gefühlswelt ist, brauchen eine Psychotherapie zur Bewältigung. Bessere Therapieerfolge erzielt man heute mit einer Kombination verschiedener, sich ergänzender Therapieelemente. Dazu zählen: Bei einer Hörgeräteverordnung geben nach vier Wochen circa 60% der Betroffenen mit chronischem Leiden an Tinnitus eine deutliche Besserung an, 30% empfinden keine Wirkung auf den Tinnitus, jeder Zehnte hingegen berichtet sogar von einer Verschlimmerung.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Seit 1995 werden von den Krankenkassen die Kosten für die Retraining-Therapie mit Geräteanpassung übernommen, wenn sie vom HNO-Arzt verordnet wird. Doch nicht jedes Gerät wird gezahlt. Wie überall in der Welt der Elektronik gibt es preisgünstige und teurere Gerätevarianten. Will man Mittel- oder Luxusklasse, so muss man zuzahlen. Seit 2009 variieren die Festbeträge für Hörgeräte je nach gesetzlicher Krankenkasse. Zudem bestimmt der Grad der Schwerhörigkeit im Hörtest, ob die Kosten für das Hörgerät übernommen werden.   
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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin