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Behandlung

Tinnitus im Alter: Ursachen und Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 07.12.2016 11:22:57

Tinnitus kennt kein Alter. Wenn das Ohr anfängt, Geräusche zu machen, kann der Patient drei oder 93 Jahre alt sein. Doch es ist in jedem Alter eine Belastung, wenn es plötzlich rauscht, pfeift oder zischt – und nicht mehr aufhört. Die meisten Menschen erfahren in ihrem Leben mindestens einmal Ohrgeräusche. Besonders durch Lärmbelastungen wie Konzerte, Silvesterknaller oder Schuss-Lärm kann das Geräusch provoziert werden. Oft ist es nach wenigen Tagen wieder weg, für manche jedoch bleibt der Tinnitus. Wenn sie nicht mehr weggehen und über 6 Monate bestehen, ist es ein chronischer Tinnitus, hier gibt es nur wenige Möglichkeiten gibt. Ärzte raten vor allem zu einer: Weghören.

Wodurch wird Tinnitus im Alter ausgelöst?

Egal in welchem Alter er auftritt – Tinnitus hat eine Vielzahl an Ursachen und kann aus den unterschiedlichsten Gründen heraus entstehen. Zunächst einmal lässt die natürliche Leistungsfähigkeit des Gehörs ab dem 50. Lebensjahr ganz automatisch nach. Der Hörnerv altert, die Haar-Zellen im Innenohr leiden an Verschleiß. Bemerkbar macht sich das durch eine reguläre altersbedingte Schwerhörigkeit, manchmal kann dabei aber auch ein Tinnitus entstehen. Wenn einzelne Haarzellen im Ohr absterben beispielsweise, versucht die betroffene Hörbahn diesen fehlenden Eindruck zu kompensieren, in dem sie die Geräusche empfindlicher aufnimmt. Bei der „Lauter gedrehten“ Hörbahn kommen nun nicht mehr nur objektive, sondern möglicherweise auch subjektive Geräusche an, die nicht mehr aufhören wollen.

Die Lärmbelastung des Alltags, körperliche und muskuläre Veränderungen wirken sich ebenfalls auf das Gehör aus, so dass hier objektive oder subjektive Ohrgeräusche entstehen können. Ein objektiver Tinnitus ist dabei äußerst selten: Bei dieser Form existiert der Schall im Kopf tatsächlich, wird beispielsweise durch einen muskulären Krampf, Gefäßverengungen oder Bluthochdruck ausgelöst. Beim subjektiven Tinnitus hingegen existiert der Schall nicht wirklich, auch wenn es unzweifelhaft so ist, dass der Patient diesen wahrnimmt. Tinnitus ist dabei keine eigene Krankheit, wie vielfach angenommen. Vielmehr handelt es sich um eine Folge oder eine Begleiterscheinung vieler anderer Faktoren oder Krankheiten im Körper. Auch Medikamente können Auslöser sein oder die Entstehung begünstigen.

Welche Folgen hat Tinnitus im Alter?

Tinnitus ist in jedem Alter eine Belastung. Wenn ältere Menschen einen Tinnitus bekommen, kann das dazu führen, dass sie sich aus dem sozialen Leben zurückziehen, immer öfter zu Hause bleiben und es zu weiteren Problemen wie Unkonzentriertheit oder Schwindel kommt. Das sollten Verwandte und Freunde beobachten und wenn nötig eingreifen.

Zwei Prozent aller Patienten mit chronischem Tinnitus leiden enorm unter ihren Ohrgeräuschen und ziehen sich aufgrund dieses Leidensdrucks enorm zurück. Besonders älteren Leuten kann es unangenehm sein, wenn sie nicht mehr richtig hören und durch ihren Tinnitus schwerhörig werden, obwohl sie vorher ein gutes Gehör hatten. Diese Entwicklung ist jedoch beinahe normal – knapp 90 Prozent der Patienten mit chronischem Tinnitus sind schwerhörig. Das ist kein Grund sich zu schämen oder zurück zu ziehen, wenn es auch bei vielen Patienten automatisch dazu kommt. Besonders dann ist es wichtig, dass Freunde und Bekannte den Betroffenen weiterhin ermuntern, am Sozialleben teilzunehmen und vor die Tür zu gehen. 

Wenn es zu ernstzunehmenden Schwierigkeiten kommt und Patienten neben den Ohrgeräuschen auch Schwindelanfälle und Gleichgewichtsstörungen bekommen, ist ein Arztbesuch in keinem Fall aufzuschieben, um keine Stürze und damit mehr Ängste oder schwere Verletzungen zu provozieren. Bei älteren Menschen ist die Angst nach einem Sturz besonders hoch, weswegen gerade bei Schwindel Hilfe gesucht und vor allem die Wohnung von Stolperfallen befreit werden sollte. Auch Unkonzentriertheit tritt oft mit dem Tinnitus auf – eine weitere Gefahrenquelle, die bei Betroffenen beobachtet werden sollte.

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Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Da die Ursachen für Tinnitus ganz unterschiedlich sind, kann keine pauschale Handlungsempfehlung ausgesprochen werden. Besonders bei subjektivem Tinnitus sind die ersten Maßnahmen Entspannungsverfahren oder die Gabe von leichter Medizin, wie Ginkgo biloba, der in vielen Fällen ein recht gutes Ergebnis zeigt. Zeigt das keine Wirkung, kann eine weitere Diagnostik des Krankheitsstadiums helfen, die richtige Therapie zu finden.

  • Tinnitus-Retraining-Therapie: Hier folgt auf die Diagnostik und das Eingehen auf den Patienten die Anpassung eines technischen Geräts – bei Schwerhörigen ein Hörgerät, bei Normalhörenden ein Tinnitus-Noiser oder auch Tinnitus-Masker, der zusätzlich zum Geräusch ein Rauschen einspielt. Das hilft gegen die komplette Stille und unterstützt außerdem beim Verdrängen des eigentlichen Tinnitus Geräuschs. Nach einiger Zeit gibt ein Kontrolltermin Aufschluss über den Status des Patienten.
  • Infusionstherapie: Durch das Geben von Infusionen kann im akuten Stadium (den ersten sechs Wochen) die Fließgeschwindigkeit der Flüssigkeit im Innenohr erhöht werden, um die Funktionalität zu verbessern. Ist der Tinnitus auf eine Entzündung zurückzuführen, wird Cortison verabreicht, das die Entzündung abklingen lassen soll und auf diese Weise eine Verbesserung herbeiführen kann.
  • Hörtherapie: Bei der Hörtherapie wird das Gehör durch Klang, Geräusche und Musik neu geschult, um das bewusste Hören zu erlernen, mithilfe dessen dann das oft als störend empfundene Ohrgeräusch ausgeblendet werden soll. Die Konzentration, die besonders bei chronischem Tinnitus oft nur noch auf das spezifische Pfeifen oder Rauschen gerichtet ist, wird davon wieder weggeführt und das Gehör so wieder in einen Normalitäts-ähnlichen Zustand gebracht.
  • Musiktherapie: Musik kann helfen, das Gehirn neu zu ordnen, neue Strukturen zu erstellen und Hörzellen nachwachsen zu lassen – das bewiesen Forscher an der Universität des Saarlandes, wo Tinnitus Patienten während der Therapie regelmäßig im MRT untersucht wurden. Die Patienten werden dabei angeleitet spezielle Töne anzustimmen und zu singen, was dafür sorgt, dass das Gehirn den fehlenden, durch den Tinnitus überlagerten Ton rekonstruiert. Der Therapie-Ansatz scheint nachhaltig zu helfen, so wiesen die in der Studie untersuchten Patienten auch nach drei Jahren noch den Effekt der Therapie auf.
  • Psychotherapie: Da der Tinnitus vielschichtige Ursachen haben kann, hilft auch Psychotherapie auf dem Weg zu Besserung. Das Ohrgeräusch wird im Gespräch mit dem Therapeuten umgedeutet, die Fixierung auf den Ton weggelenkt und mögliche Problematiken und Traumata aufgearbeitet. Teilweise äußern sich auch ungelöste Konflikte und Überforderung über körperliche Beschwerden – besonders da kann die Psychosomatische Untersuchung helfen und die Probleme aufarbeiten.
  • Akupunktur: Akupunktur als Therapieform der Traditionellen Chinesischen Medizin rückt den Mensch als Ganzen in den Fokus – es wird also nicht speziell am Tinnitus gearbeitet, sondern ähnlich wie bei der Psychotherapie geschaut, wo der tatsächliche „Knoten“ sitzt. Über die Akupunktur kann dann der gesamte Mensch behandelt werden, die Selbstheilungskräfte werden aktiviert und der Energiefluss kann wieder reibungslos stattfinden. Wichtig ist dabei, einen erfahrenen, guten Akupunkteur zu haben, der vorher eine eigene Diagnose stellt und diese zu behandeln weiß.

All das können Maßnahmen und Ansätze sein, die den Patienten das Leben erleichtern und es möglich machen, das Ohrgeräusch auszublenden. Auch technische Lösungen wie sogenannte Noiser, die dem Ohrgeräusch durch Beimischung eines weiteren konstanten Geräuschs die Dominanz nehmen, oder Hörgeräte bei Hörverlust, können bei einem chronischen Tinnitus ebenfalls zu einer Besserung der Situation führen und Betroffene zurück zum Weg eines „normalen“ Lebens führen.

Hier finden Sie eine Sendung zum Hören des NDR zur Diagnose und Behandlung des Tinnitus.

Wodurch kann eine Besserung eintreten?

Eine Besserung des Ohrgeräuschs kann genauso vielschichtig ablaufen, wie die Ursachen für den Tinnitus. Die meisten Therapien zielen vor allem darauf ab, das Geräusch auszublenden, dem Piepsen, Rauschen oder Pfeifen seine Schärfe zu nehmen und es stattdessen als „netten Begleiter“ anzusehen. Rauschgeräusche können in Meeresrauschen gewandelt werden, das Pfeifen vielleicht mit einer positiven Erinnerung verbunden werden. Die Therapieansätze sind komplex und müssen individuell auf den Patienten abgestimmt sein. Das Wichtigste auf dem Weg dahin ist ein einfühlsamer Arzt und ein verständnisvolles Umfeld, das dem Betroffenen nicht das Gefühl gibt, dass seine Ohrgeräusche der Einbildung entstammen. Da es nicht immer eine gesicherte Diagnostik für das Ohrgeräusch kommt, haben manche Patienten von sich aus das Gefühl, sie würden „spinnen“. An dieser Stelle ist es wichtig, ihnen diese Angst zu nehmen, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie mit dem Problem ernstgenommen und vor allem nicht alleine sind.

Bei anhaltenden Geräuschen und einer Erschwerung des Alltags können technische Hilfsmittel das Leben erleichtern. Die bereits erwähnten Noiser oder Hörgerät gehören dazu, aber auch die Installation einer lauteren Türklingel oder die Anschaffung von Kopfhörern für den Fernseher können Abhilfe schaffen. Hat beispielsweise der Lebensgefährte noch ein vollständig intaktes Gehör, kann so der Streit um die Lautstärke des Programms unterbunden werden. 

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