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Behandlung

Musiktherapie: Vielversprechende Behandlungsoption bei Tinnitus

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 15:47:28

Hirnforscher weist nach – Tinnitus ist durch Musiktherapie positiv beeinflussbar

Tinnitus ist eine Erkrankung, die eine erhebliche Belastung für Betroffene darstellen kann. Forscher sind verschiedenen Therapieansätzen auf der Spur, wobei sich die Musiktherapie als besonders vielversprechend erwiesen hat. Sie kann durch den Umbau von Nervenverbindungen im Gehirn das unangenehme Ohrgeräusch bei Tinnitus deutlich reduzieren oder sogar verschwinden lassen. Selbst drei Jahre nach Anwendung der Therapie ist der Effekt noch nachweisbar.

An der Universität des Saarlandes beschäftigt sich eine Gruppe von Wissenschaftlern um den Hirnforscher Christoph Krick damit herauszufinden, warum die Musiktherapie bei Tinnitus wirksam ist. Die Behandlung wurde von Forschern aus Heidelberg entwickelt und beruht auf dem Prinzip, die störenden Geräusche im Ohr sozusagen mit anderen Tönen zu überschreiben. Bei 80 Prozent der behandelten Patienten war der Tinnitus im Anschluss deutlich gelindert, acht Prozent berichteten, dass das lästige Ohrgeräusch komplett verschwunden sei.

Musiktherapie verändert Struktur des Gehirns

Das Forscherteam nutzte die Magnetresonanztomografie (MRT), um die Struktur des Gehirns zu untersuchen. Schon nach fünf Tagen Musiktherapie waren Veränderungen nachweisbar. Im Rahmen des Tinnitus werden Nervenverbindungen im Gehirn abgebaut, die durch die Stimulation in der Therapie neu organisiert werden. Das Gehör wird trainiert und überträgt die Fortschritte unerwartet schnell auf die Hirnzellen.

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Wie funktioniert Musiktherapie?

Die sogenannte Neuro-Musiktherapie, die am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM) in Heidelberg entwickelt wurde, hat das Ziel, die durch den Tinnitus entstandene Fehlregulation im Gehirn wieder zu normalisieren. „Die Tinnitus-Patienten können über das Nachsummen und Singen von Grundtönen zur meist höheren Tinnitus-Frequenz den fehlenden Ton im Gehirn rekonstruieren“, erklärt der Hirnforscher Christoph Krick. „Das Anstimmen der Untertöne des eigenen Phantomtons erscheint den Patienten anfangs eher schwierig, gelingt dann aber an jedem Therapietag besser.“ Techniken zur intensiven Entspannung gehören ebenfalls zum Therapieplan. Die Forscher bewerten die Behandlung regelmäßig und passen sie den Ergebnissen an. In der hier beschriebenen Studie wurde der Erfolg der Therapie über den kurzen Zeitraum von sieben Tagen beurteilt.

Der Erfolg ist bleibend

Neben dem raschen Eintritt des Behandlungserfolges zeigt sich dieser auch dauerhaft. Die Umbauvorgänge im Gehirn sind drei Jahre später immer noch im MRT nachweisbar. Dass tatsächlich die Musiktherapie verantwortlich für die Besserung der Symptome ist, wiesen die Wissenschaftler anhand einer Kontrollgruppe nach. Gesunde Studienteilnehmer wurden ebenfalls mit der Kombination aus Musik- und Entspannungstherapie behandelt. „Bisher war man davon ausgegangen, dass Lernfortschritte nur die Aktivitäten im Gehirn verändern, also quasi eine neue Software aufspielen. Wir konnten jedoch nachweisen, dass schon nach wenigen Tagen die Denkzellen, die den Höreindruck verarbeiten, nachgewachsen sind. Es wurde sozusagen die Festplatte des Gehirns umgebaut, und zwar dauerhaft“, sagt Krick. In der Kontrollgruppe konnten die Forscher ebenfalls eine Veränderung des Gehirns beobachten. Sie spielte sich in den Gehirnregionen ab, die sich mit Entspannung und der Verarbeitung von Stress beschäftigen.    

Quelle: Christoph M. Krick, Miriam Grapp, et al., Cortical reorganization in recent-onset tinnitus patients by the Heidelberg Model of Music Therapy. Front. Neurosci., 19 February 2015 | doi: 10.3389/fnins.2015.00049

 

Information zur Studie:
Titel: Cortical reorganization in recent-onset tinnitus patients by the Heidelberg Model of Music Therapy Autoren: Christoph M. Krick, Miriam Grapp, Jonas Daneshvar-Talebi, Wolfgang Reith, Peter K. Plinkert and Hans Volker Bolay Jahr: 2015
Dauer: 1 Woche
Durchführendes Institut: Neurozentrum der Universität des Saarlandes mit dem Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg Studiendesign: Fall-Kontroll-Studie Teilnehmerzahl: 63 Probanden
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Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin