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Behandlung

Tinnitus bei Kindern: Ursachen und Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 15:50:31

Ohrgeräusche treten bei Kindern häufiger auf als vermutet. Neuere wie ältere Studien ergeben ähnliche Zahlen: Ein Drittel aller befragten Kinder gab an, schon mal ein Ohrensausen erfahren zu haben. Ein Viertel der von Tinnitus betroffenen Kinder hat Hörprobleme. Ohrgeräusche können bei Kindern wie auch bei den Erwachsenen ganz unterschiedliche Ursachen haben. Die Mittelohrentzündung oder der Paukenerguss ist ein häufiges und bekanntes Problem beim Kind. Ein akuter Infekt im Ohr kann nicht nur Ohrenschmerzen auslösen, er kann auch zu Ohrensausen führen. Rechtzeitig erkannt und gezielt behandelt, verschwinden Ohrenschmerzen und Tinnitus rasch wieder.

Die Eltern sind gefordert

Auch das Innenohr kann betroffen sein. Wenn das Kind über Ohrgeräusche klagt, kann dies manchmal das erste Symptom einer beginnenden Schwerhörigkeit sein. Hier sollten die Eltern hellhörig werden. Eine weitere Gefahrenquelle für das Gehör von Heranwachsenden ist Lärm. Jugendliche drehen die Stereoanlage am liebsten laut auf und hören ihre Lieblingsmusik über Kopfhörer. Der erste Discobesuch, die ersten Partys – ihr Leben gewinnt buchstäblich an Lautstärke. Doch zu laute Musik ist eine gefährliche Quelle für ein akutes oder chronisches Schalltrauma, das Tinnitus auslösen kann. Auch hier sind die Eltern gefordert. Sie sollten vorbeugend eingreifen und die Kinder über einen möglichen Gehörschaden durch Lärm aufklären. Denn bei der Hälfte aller Jugendlichen mit Tinnitus ist ein Lärmschaden Ursache für das Ohrgeräusch.

Der Einfluss der Eltern ist wichtig: So geben die Kinder von Eltern mit Tinnitus häufiger an, selbst unter Ohrgeräuschen zu leiden. Überbesorgte Eltern können eine falsche Hörverarbeitung bei Kindern auslösen, indem sie ihre eigene Ängstlichkeit auf das Kind übertragen, das vielleicht nur vorübergehend Tinnitus wahrnimmt, sich aber aufgrund der Besorgnis der Mutter darauf fixiert. Dadurch erhöht sich die Gefahr beim Kinde, dass aus der akuten Symptomatik ein chronischer Tinnitus erwächst.

Beim gesunden, normal hörenden Kind ist ein Ohrgeräusch oft Ausdruck einer Überforderung, zum Beispiel in der Schule. Auch Probleme in der Familie oder Missbrauchserfahrungen können sich als Tinnitus äußern, wenn das Kind keine andere Möglichkeit findet, um auf seine Notlage aufmerksam zu machen. Hält sich das Kind oft die Ohren zu und toleriert keine Geräusche, kann zusätzlich eine Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) bestehen. Das ist ein ernstzunehmender Hinweis auf eine Störung in der zentralen Hörbahn im Gehirn. Bei verhaltensauffälligen Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) kann dies vorkommen und bedarf dringend einer umfassenderen Behandlung.

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Tinnitusdiagnostik bei Kindern

Die Diagnose verläuft im Grunde ähnlich wie beim Erwachsenen. Da Kinder häufig Probleme mit der Belüftung des Mittelohrs haben, sind Ohrmikroskopie und Betrachtung des Nasen-Rachenraums sehr wichtig. Die Tympanometrie misst die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells. Als Hörtest wird bei größeren Kindern und Jugendlichen als Hörtest ein Tonschwellenaudiogramm durchgeführt.

Da dies aber die aktive Mitarbeit der Kinder erfordert, werden bei den Kleineren stattdessen die sogenannten otoakustischen Emissionen gemessen. Dabei werden kleine Klicks in das Ohr gesendet, die die Haarzellen im Innenohr in Schwingung versetzen, die wiederum Schall entsenden. Diese Schwingungen werden nun auf umgekehrtem Weg über das Mittelohr ins Außenohr gesendet und dabei mit einem kleinen Mikrofon aufgefangen.

So lässt sich schon bei Babys eine Innenohrschwerhörigkeit messen. Deshalb wird dieser Hörtest auch als Neugeborenen-Screening zur Untersuchung der Hörfähigkeit eingesetzt. Das Gespräch des Arztes mit dem Kind und den Eltern ist ebenso wichtig wie die Untersuchungen und wird mit Blick auf die Krankengeschichte und die Situation in Familie und Schule geführt.

Besonderheiten in der Behandlung von Kindern mit Tinnitus

Nach der Diagnostik bei Tinnitus muss geklärt werden, ob eine Behandlung überhaupt nötig ist. Wie stark ist der Leidensdruck des Kindes? Steht die Besorgnis der Eltern etwa im Vordergrund, sucht man vielleicht bloß Erklärungen für schlechte schulische Leistungen? Die Beratung der Kinder, aber auch die Aufklärung der Eltern gehört zu den Grundlagen der Behandlung.

Eine Infusion mit Wirkstoffen wie HES zur Durchblutungsförderung oder Cortison zur Entzündungshemmung wird bei Kindern nur in begründeten Fällen durchgeführt. Etwa nach einem Schalltrauma oder einem plötzlichem Hörverlust, bei dem eine Innenohrschädigung nachweisbar ist. Man möchte schließlich unnötige Nebenwirkungen, die Infusionen bei Tinnitus häufig mit sich bringen, für Kinder vermeiden.

Wird eine Infusion vom Arzt nicht zwingend verordnet, kann die Homöopathie eine  sanfte Alternative für die Behandlung von Kindern mit Tinnitus darstellen. Das Gehör von Kindern und Jugendlichen befindet sich noch in der Entwicklung. Fehler in der Hörverarbeitung wie Tinnitus werden schneller korrigiert als bei Erwachsenen. Deshalb ist eine Gehörschulung bei Kindern zur Unterstützung wichtig und sinnvoll. Das Spielen eines Instruments und Musikhören in angemessener Lautstärke schulen das Gehör. Manchmal muss der Kinderpsychologe mit ins Spiel gebracht werden. Überforderung und größere familiäre Konflikte, Gewalt und Missbrauch gehören in psychotherapeutisch geschulte Hände. Oft genügt es jedoch schon, den Eltern die Angst vor dem Tinnitus des Kindes zu nehmen. 

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin