Anzeige
Anzeige
Behandlung

Infusionstherapie bei Tinnitus

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 15:51:15

Infusionen sind die Gabe von Medikamenten über die Vene. Diese Wirkstoffe können so über die Blutbahn an ihren Wirkungsort gelangen (zum Beispiel das Innenohr). Wie lange dauert die Infusion bei Tinnitus? Je nach Medikament dauert sie ein paar Minuten bis Stunden und wird über eine variable Anzahl von Tagen wiederholt.

Bei jedem neu auftretenden Tinnitus muss zunächst die Ursache geklärt werden, um die richtige Therapie zu planen. Die Behandlung mit Infusionen ist nur beim Hörsturz und beim akuten subjektiven Tinnitus aufgrund einer Schädigung im Innenohr sinnvoll. In den ersten sechs Wochen zeigt sich in der Regel, dass die Tinnitus-Infusion Wirksamkeit entfalten kann. Besteht das Ohrensausen mehr als drei Monate, sind Infusionen nicht mehr sinnvoll, da sie kein Behandlungsergebnis mehr erzielen.

Wichtig ist in jedem Fall: Infusionen sind nie die einzige Behandlung bei akutem Tinnitus. Die Aufklärung über die Entstehung von Ohrgeräuschen gleich im Erstgespräch mit dem HNO-Arzt und die Beratung im Umgang mit dem Ohrensausen, die dem Betroffenen Ängste nehmen, sind mindestens genauso wichtig. Das frühzeitige Erlernen von Entspannungsverfahren ist ein wichtiger Pfeiler in der Akutbehandlung. Tinnitus und Hörsturz haben zu Beginn eine hohe Spontanheilungsrate. Das bedeutet: Unternimmt man nichts (außer sich zu entspannen), erholt sich das Gehör und das Klingeln im Ohr verschwindet von allein. in den ersten 48 Stunden nach Auftreten des Ohrgeräuschs tritt diese positive Entwicklung in bis zu 70% der Fälle ein. Dagegen haben Infusionen oft keine höheren Heilungsraten. Dennoch haben bei manchen Patienten Infusionen bei Tinnitus Wirkung – das Ohrgeräusch verschwindet unter der Infusion, manchmal bleibt es ganz weg, manchmal kehrt es zurück und es entsteht ein chronischer Tinnitus.

Deshalb wird heute die Infusion bei akutem Hörsturz und Tinnitus kritisch betrachtet – die Forschung bemüht sich indes um neue Mittel zur Behandlung von Tinnitus. Viele Medikamente, ob alte oder neue, haben hohe und sehr unangenehme Nebenwirkungen für den Betroffenen. Zudem ist die Gabe von Medikamenten als Infusion teurer als andere Behandlungsformen. Muss so viel Wirkstoff durch die Blutbahn geleitet werden, mit allen Wirkungen und Nebenwirkungen auf andere Körperorgane, nur um ein paar Mikroliter Flüssigkeit in der Hörschnecke im Innenohr zu erreichen? Lohnt sich der Aufwand, und ist er wissenschaftlich gerechtfertigt? Das sollte im Einzelfall immer gründlich erwogen werden.

Wirkstoffe zur Tinnitus-Infusion

Entsprechend der Annahme, dass sowohl Hörsturz wie auch Tinnitus auf einer Durchblutungsstörung des Innenohrs beruhen, werden Substanzen als Infusion gegeben, die die Fließeigenschaften von Flüssigkeiten im Innenohr fördern. Das sind zum einen Hydroxyäthylstärke (HES), zum anderen Dextrane. Man geht heute jedoch nicht mehr von einer Durchblutungsstörung als Hauptursache für Tinnitus aus. Neuere Studien wiederlegen zudem die positiven Ergebnisse aus älteren Studien mit den beiden Wirkstoffen. Und sie haben Nebenwirkungen: HES kann über eine Einlagerung im Gewebe zu langanhaltendem Juckreiz führen, Dextrane können allergische Reaktionen provozieren. Zur Förderung der Durchblutung gibt man eine Pentoxyifyllin-Infusion (z.B. „Trental“). Tinnitus in einigen seiner Formen lässt sich damit manchmal positiv beeinflussen.

Da als Ursache für Tinnitus auch Entzündung durch Viren oder Autoimmunreaktionen in Frage kommen, gibt man in die Infusion bei Tinnitus Cortison zur Entzündungshemmung. Bei sehr starkem Tinnitus oder einem Lärmtraum mit Tinnitus verabreicht man Cortison, zum Beispiel als Prednisolon-Infusion. Nebenwirkungen muss man in Kauf nehmen. Doch nicht jeder reagiert auf die Infusion bei Tinnitus mit Nebenwirkungen. Vorsicht ist besonders bei Diabetikern (Zuckerkranken) geboten.

Kalziumantagonisten, die normalerweise bei Bluthochdruck und Herzkrankheiten Anwendung finden, können auch zur Infusion bei Tinnitus dienen.

Eine Lidocain Infusion bei Tinnitus wird als Testsubstanz in der Diagnose eingesetzt. Darunter verschwindet der Tinnitus zunächst, kehrt aber meist kurz darauf wieder, anscheinend aufgrund einer kurzfristigen Einwirkung auf die Hörbahn im Gehirn. Lidocain gehört zur selben Wirkstoffgruppe wie Procain, die wegen gefährlicher Nebenwirkungen selten zur Infusion bei Tinnitus eingesetzt werden. Zu den neuen Wirkstoffen gehören die Neurotransmitterantagonisten, die zur Infusion bei Tinnitus gerade erforscht werden.

Antioxidantien werden ebenfalls zur Infusion bei Tinnitus verwendet, da man davon ausgeht, dass die Haarzellen im Innenohr bei Tinnitus unter einem Sauerstoffmangel leiden, wie bei „oxidativem Stress“. Weniger der Vitamin C Infusion bei Tinnitus sondern dem Vitamin E kommt derzeit die größte Aufmerksamkeit zu. Überraschend gute Ergebnisse erhielt man auch mit der Gabe von Magnesium.

Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) – eine Alternative zur Infusion bei Tinnitus?

Aufgrund der Theorie des Sauerstoffmangels im Innenohr als Ursache für Tinnitus wurde die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) entwickelt. Dabei sitzt der Betroffene in einer Druckkammer. Langsam wird der Luftdruck in der Kammer erhöht, gleichzeitig atmet man über eine Maske reinen Sauerstoff ein. Dies erhöht den Sauerstoffgehalt im Gewebe. Immerhin ist dies das einzige Verfahren, das ohne Chemie den Sauerstoffgehalt im Gewebe nachweisbar erhöhen kann.
Anzeige

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Da die Studien zur Infusionstherapie bei Tinnitus keine guten Ergebnisse ergaben, sperren sich immer mehr gesetzliche Krankenkasse gegen eine Übernahme der Kosten für die Tinnitus-Infusion. Manchmal werden die Kosten übernommen, wenn die Infusionen mit Entspannungsverfahren und Beratung kombiniert werden. Stattfinden kann Behandlung ambulant, also außerhalb des Krankenhauses. Der Betroffene wählt einen Behandlungsort nahe seinem Wohnort und kommt jeden Tag zu den Infusionen. Kosten für eine stationäre Tinnitus Behandlung (also im Krankenhaus) werden nur in sehr schweren Fällen übernommen:
  • Wenn eine sehr lange Infusionstherapie nötig wird
  • Bei Schwindel durch Innenohrschädigung
  • Bei Vorerkrankungen wie Diabetes, die überwacht werden müssen
  • Wenn es zur psychischen Krise kommt
Weiterlesen
Mehr zum Thema
Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin