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Behandlung

Lernen, bewusst zu hören: Hörtherapie bei Tinnitus

Zuletzt aktualisiert am: 16.02.2016 12:24:39

Die Hörtherapie ist eine der neueren Behandlungsformen, die bei chronischem Tinnitus zum Einsatz kommen. Sie wurde an der Klinik Bad Arolsen entwickelt und kommt bei Tinnitus, Geräuschempfindlichkeit und Hörverlust zum Einsatz. Seitdem wird sie aufgrund der positiven Ergebnisse und guter Akzeptanz der Patienten in vielen Kliniken und Zentren zur Behandlung des chronischen Tinnitus integriert.

Lernen, bewusst zu hören

Der Ansatz der Hörtherapie besteht darin, das bewusste Hören zu schulen. Eine solche Hörschulung kennt man vielleicht aus der professionellen Musikerausbildung oder der musikalischen Früherziehung. Auch als erwachsener Mensch kann man von ihr profitieren: Wenn man an Schwerhörigkeit leidet oder an Hörsturz oder Tinnitus erkrankt ist, kann die Hörtherapie helfen, das Gehör neu zu schulen und dem Normalzustand wieder anzunähern. Verzerrte Klänge können sich normalisieren, das Hören wird wieder zum Genuss. 

Bei chronischem Tinnitus ist die Aufmerksamkeit ständig auf das Ohrgeräusch gerichtet und angstvoll darauf fixiert. Mithilfe von Konzentrationsübungen lernt man in der Hörtherapie die Aufmerksamkeit auf andere Sinneswahrnehmungen zu lenken, zum Beispiel andere Höreindrücke oder auch auf den Tastsinn. Auf diese Weise wird die Filterfunktion des Gehörs reaktiviert und es fällt leichter, das Ohrgeräusch auszublenden. 

Übungen aus der Hörtherapie

  1. Aufmerksam hören: Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Blätterrauschen in den Bäumen, Hören Sie auf das Geräusch Ihrer Schritte oder die Vogelstimmen im Park.
  2. Mit geschlossenen Augen hören und wahrnehmen: Schließen Sie die Augen und nehmen Sie den Untergrund wahr, auf dem Sie sitzen oder stehen. Lassen Sie sich von einer Person der Sie vertrauen blind führen und ertasten Sie Ihre Umgebung, den Baum, die Blätter, riechen Sie die Blumen oder schmecken Sie die salzige Luft am Meer.
  3. Richtungshören: Hören Sie mit geschlossenen Augen aus welcher Richtung die Geräusche kommen, vor den Lautsprechern, im Straßencafé oder folgen Sie dem Klang des Wassers in einem Bachlauf.
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Musiktherapie als Element der Hörtherapie

Bewusstes Musikhören kann die Hörtherapie sinnvoll ergänzen. Tatsächlich gibt es mit der von der Musikpsychologin Anette Cramer entwickelten Tinnituszentrierten Musiktherapie (TIM) eine spezielle Therapieform, die mit Geräuschen, Klang und Musik arbeitet, um Geräuschüberempfindlichkeit und Tinnitus zu behandeln. Auch hier ist die Grundidee, das bewusste Hören zu trainieren und die auditive Wahrnehmung vom Tinnitus wegzulenken. Mithilfe von Entspannungsverfahren unter Einsatz von sanfter, angenehmer Musik soll der Patient lernen, sozusagen auf Abruf in einen Entspannungsmodus zu schalten, wenn der Tinnitus ihn plagt. Die TIM lässt sich mit einem individuellen Hörtrainingsprogramm auf CD bequem zuhause durchführen.

Ein anderes musiktherapeutisches Angebot findet sich am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg. Das Heidelberger Modell ermutigt den Betroffenen, mithilfe seiner Stimme oder einem einfachen Instrument Musik zu improvisieren und so einen dem Tinnitus ähnlichen Anreiz für das Gehör zu entwickeln. Dabei wird der musikalische Hintergrund des Betroffenen berücksichtigt, jeder kann entsprechend seinem musikalischen Können und derzeitigem Hörvermögen mitmachen. Nach und nach löst sich der Betroffene dadurch vom Tinnitus und wendet sich zur Musik hin.

Der positive Einfluss von Musiktherapie bei Tinnitus ist Wissenschaftlich nachgewiesen. Tatsächlich scheint diese Form der Tinnitusbehandlung die Gehirnstruktur nachhaltig zu verändern

Erfolgschancen und Kostenübernahme der Hörtherapie

Die Hörtherapie ist natürlich nie die alleinige Behandlung bei chronischem Tinnitus, kann aber ein wichtiges Element im Rahmen der Tinnitusbewältigung darstellen. Führt man sie gezielt zusammen mit Beratung, Aufklärung, Entspannungsverfahren, dem Einsatz von Hör- oder Rauschgeräten und möglicherweise einer Psychotherapie durch, so kann sie gute Ergebnisse erzielen. Beim chronischen Tinnitus verschwindet das Ohrgeräusch jedoch meist nicht völlig, sondern kann lediglich leiser werden. Patienten können lernen, mit ihrem Ohrgeräusch zu leben. Schwerhörige mit Tinnitus nehmen die Anpassung eines Hörgeräts wesentlich besser an, wenn gleichzeitig eine Hörtherapie durchgeführt wird.

Ob die Hörtherapie ambulant oder stationär im Rahmen eines Aufenthalts in einer Tinnitus-Klinik stattfindet, entscheidet der behandelnde Arzt bzw. das Therapeuten-Team zusammen mit dem Betroffenen anhand des Schweregrades des Tinnitus. Für eine Kostenübernahme in der Klinik oder Kurklinik muss ein Antrag bei der Krankenkasse oder der Rentenversicherung eingereicht werden.

Jeder Betroffene kann sich indes auch selbst helfen. Die Hörtherapie wird auch in Selbsthilfegruppen geübt. Die Deutsche Tinnitus-Liga (www.tinnitus-liga.de) hat ein Verzeichnis von Selbsthilfegruppen in Ihrer Region.

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin