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Behandlung

Entspannungsverfahren bei Tinnitus

Zuletzt aktualisiert am: 16.02.2016 12:21:57

Entspannung und körperlicher Ausgleich sind wichtige Bausteine einer effektiven Tinnitus-Therapie, sowohl beim akuten als auch beim chronischen Tinnitus. Das Ohrgeräusch geht allein durch das Entspannungsverfahren nicht weg. In der Stille oder während eines körperlichen Trainings kann es sogar vorübergehend lauter werden. Im entspannten Zustand kann man jedoch innere Ruhe und Ausgeglichenheit zurückgewinnen. Wenn sich der Betroffene auf die Anleitung und das Entspannen konzentriert, verlagert sich seine Achtsamkeit auf die körperliche Wahrnehmung, und das Ohrensausen kann leiser empfunden werden.

Entspannungsverfahren bauen Stress ab, verbessern den Schlaf und wirken regulierend auf Muskelspannung, Herz, Kreislauf, Atmung, Verdauung und Nervensystem – und darüber auch auf den Tinnitus.

  • Anspannung erhöht die ängstliche Fixierung auf den Tinnitus
  • Entspannung erhöht die Toleranz gegenüber dem Ohrgeräusch

Autogenes Training

Eine Form der Tiefenentspannung ist das Autogene Training, das sich aus der Hypnose entwickelt hat. Es stellt eine Selbsthypnose (Autosuggestion) dar. Autogenes Training sollte man unter Anleitung in einer Gruppe lernen. Dann kann man es für sich selbst daheim praktizieren, vor dem Einschlafen oder in besonders stressigen Situationen, wenn der Tinnitus lauter wird. In den Grundübungen lernt man mit einfachen Formulierungen die Körperwahrnehmung zu beeinflussen: „Mein Bein ist ganz schwer.“ „Mein Herz schlägt ruhig.“ Mein Atem fließt gleichmäßig.“ Man kann sich auch selbst sagen: „Ich bin frei von Stress.“, und später mit Imagination (positiven inneren Bildern) arbeiten.

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Progressive Muskelentspannung nach Jacobson

Die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) ist eine weitere bewährte Entspannungsmethode, die einfach zu erlernen ist. Systematisch spannt man jede Muskelgruppe einmal kurz an, um sie dann zu entspannen. Diese Technik fällt stark angespannten Menschen oft leichter als direkt in die Entspannung zu gehen. Welche Methode einem am meisten liegt, muss man für sich selbst herausfinden. Auch die Progressive Muskelentspannung kann man gut im Alltag praktizieren, um stressige Situationen zu überbrücken und das Ohrgeräusch auszublenden.

Biofeedback

Die Biofeedback Methode beruht darauf, eine Körperfunktion zu messen während ein Entspannungszustand eingeleitet wird. Dann wird dem Betroffenen eine direkte Rückmeldung über die Messgröße gegeben. Meist wird dazu die Muskelspannung aufgezeichnet. Das vermittelt dem betroffenen Menschen ein Gefühl dafür, dass auch scheinbar unbeeinflussbare Körperfunktionen beeinflussbar sind! Es erhöht das Vertrauen, dass auch der Tinnitus wieder leiser und beeinflussbar werden kann.

Meditation

Beim Meditieren geht es um das Erforschen des eigenen Bewusstseins. Die Meditation ist Bestandteil fernöstlicher Traditionen. Es geht ihr um die Betrachtung der eigenen Geistesarbeit, die als falsche Hörverarbeitung den chronischen Tinnitus in Gang halten kann. Die einfachste Form, die in eine tiefe innere Ruhe führt, ist die Atembetrachtung. Um nicht ganz in die Stille zu gehen, gibt es Meditationsformen mit Musik oder Klangschalen, die für eine Tinnitus-Behandlung hilfreich sein können.

Bewegungstherapien

Die (Wieder)aufnahme regelmäßiger körperlicher Bewegung sollte fester Bestandteil jeder Tinnitus-Behandlung sein. Sport und Bewegung können Depressionen reduzieren und Ängste abbauen die beim Leiden an Tinnitus auftreten können. Sport fördert nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch die Selbstsicherheit und baut Stress ab. Sport ist eine soziale Aktivität und kann Tinnitus Kranke aus dem Rückzug herausholen. Besonders bei Ausdauersportarten wie Nordic Walking oder Jogging werden Endorphine (Glückshormone) freigesetzt. Dreimal pro Woche mindestens eine halbe Stunde Ausdauersport wird allgemein empfohlen.

Yoga, Tai Chi/Qigong und Feldenkrais-Methode - auch diese Übungen arbeiten mit Bewegung. Anders als beim Sport geht es jedoch um geistige Entspannung über die körperliche Ebene der Bewegung. Yoga kommt aus der altindischen Philosophie und basiert auf einer Reihe von Stellungen (Asana), die mit dem Atemfluss geübt werden. Tai Chi/Qigong kommt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und stellt eine wertvolle Ergänzung zur Akupunktur und chinesischen Kräutermedizin dar. Ebenso wie die Feldenkrais-Methode arbeitet Tai Chi mit fließenden, sanften Körperbewegungen. Diese bewusste Form der Langsamkeit kann eine andere Körperwahrnehmung ermöglichen und einen besseren Umgang mit dem Tinnitus. 

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Tinnitus-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Morgana Hack, Ärztin und Autorin