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Reviews


Reino Ermitano - Brujas Del Mar
Von Thorsten Frahling

Label: Psychedoomelic Records
VÖ: 31.01.2006
Spielzeit: 59:05
Hompage

Huch, was ist denn das? Akustikgitarren und Flöten? Mittelalterlich-fölkische Melodien? Sollten Reino Ermitano nun auf dem Trendschiff angeheuert haben. Na, die fetten Riffs, mit denen sich diese Klanggebilde abwechseln stimmen wieder fröhlich, sie haben es immer noch. Außerdem war das nur ein Intro namens "La Corte"! Schön. Und dann folgen fette Doom Riffs, tiefergelegt und brutal. Brutal? Ja, die Jungs und das Mädel haben hörbar an Agressivität zugelegt. War das selbstbetitelte und -herausgebrachte Album noch weitaus weniger metallisch, mehr 70s Doom gepaart mit einigen einheimischen Einflüssen und Heavy/Psyche Rock Einschüben, so wird einem hier weitaus metallischer das Fressbrett verhauen. Schon beim eigentlichen Opener "Curandero De Una Realidad Incierta" überrascht Frontfrau Tanja auch noch mit keifigem Gesang, der zusätzlich noch mal durchs Effektgerät gejagt worden ist und somit durchaus irgendwie an die mächtigen und leider schon verblichenen YOB erinnert. Allerdings mehr vom Gesang als vom Riffing. Vielleicht noch ans Debüt der Oregon Metaller. Fein, fein. Auch "Vorágine" doomprügelt in eine musikalisch ähnliche Kerbe, Tanja verlässt sich hier aber hier auf ihren normalen, leicht rauen Gesang. "Elipses" kommt dann abermals mit dem irren Gesang an, die ruhigen, trippigen Mittelparts lassen erstmals auf die Vorliebe der Band für experimentellere Klamotten schließen, und die Riffs kriechen boshaft umher. Flöten werden ebenfalls wieder eingesetzt, diesmal weniger trendauffällig und man merkt richtig, wie die Band bemüht ist in dem Song Abwechselung zwischen zerstörerischen Riffs und Melodien zu schaffen. Ganz starkes Ding. "Alajpacha", rein instrumental, beginnt mit sirenenhaften Lauten bevor die Akustikgitarre, begleitet vom Bass, düstere Folklore spielt. Man fühlt sich fast versetzt an einen Strand irgendwo, wo es warm ist, man genießt den Sonnenuntergang während zwei Einheimische ihrer Melancholie auf den Instrumenten freien Lauf lassen. Und so beginnt dann auch "Crepescular" mit einer traurigen Mandolinenmelodie, die von der elektrischen Gitarre aufgenommen wird, wobei man merkt, wie doomig diese Melodie ist! Ja und dann bekommt man wieder Doom umme Ohren geblasen. Perfekter Ami-Doom. Irgendwo zwischen Griffin-Ära Pentagram, Penance und frühen Revelation. Ein Up-Tempo-Metal-Part lässt dann auch die Leute bangen, die den langsamen Rythmen eventuell weniger zugetan sind. Jawoll. Streckt euren Arm in die Höhe, ballt die Faust. Zeigefinger und kleinen Finger rausstrecken und dann nickt heftigst mit dem Kopf im Takt! Eine simpele Gesangsmelodie, mehr braucht "El Fauno" dann nicht um den geneigten Hörer in den Bann zuziehen. Der Track fängt erst heftigst doomend an, bekommt dann einen mehr 70s lastiges Riff verpasst. Ein fieses Metal-Riff bildet nur den Auftakt zu einem total abgedrehten Solo, bevor Akustikgitarren einsetzten und das Grundmotiv des Songs wieder aufgenommen wird. Endgeil der Track. "Hoy, La Tard" stürmt erst los, groovt sich dann aber schnell bei einem sabbatischen Riff ein. Doom pur, der vor allem von Tanjas leicht creepy Gesang noch das zusätzliche Stück Eigenständigkeit bekommt und am meisten an das Vorgängeralbum erinnert. "Oraculo" ist dann ein weiterer melancholischer A-Gitarren-Track. Kurz und gut. Hat man gerade noch die Ruhe, die dieser Track ausströmte genossen, so wird man von der heftigen Eruption der Band bei "Rosas Del Revés" schon wieder aus eben jener gerissen und in die Unterwelt zurück gezogen! A-Gitarren scheinen bei Reino Ermitano sehr beliebt zu sein. Auch "Ozeánia" beginnt mit diesem wunderbaren Instrument, derbe Riffs wechseln dann wieder zwischen derbstem Doom, 70s Pentagram/Sabbath Groove Doom und metallischen Ausbrüchen. Die A-Gitarre kehrt natürlich für ein melodisches Ende zurück, keine Angst! Die reine A-Gitarren-Nummer "Magdalena Del Mar" beschließt dann dieses wunderbare Album. Einzig (Pan??)Flöten unterstützen dabei noch Tanjas Gesang ein wenig.
Der Sound des Albums ist absolut top, die Aufmachung toll. Da die Peruaner alle Songs in ihrer Heimatsprache singen hat man sich glatt die Mühe gemacht alles, abgesehen von "Magdalena Del Ma"r, auch aufs Englische zu übersetzten und abzudrucken, damit wir armen ungebildeten Menschen wenigstens ein wenig von den Texten verstehen. Sehr nette Geste. Die Band hat sich hörbar entwickelt, den Stil etwas geändert. Sie sind metallischer geworden, etwas extremer vom Sound und Riffing her. Das steht ihnen aber sehr gut zu Gesicht.

8,5/10



Tinnitus Bewertungsskala:
0-2 Müll! 3-4 Gerade noch hörbar 5-6 Mittelmaß 7-8 Gut 9 Spitze 10 Perfekt
 


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