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| Blackmail - Aerial View | |
| Von Christian Bartlau | |
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City Slang
VÖ: 13.01.2006
Homepage
Spielzeit: 39:06
Stil: Indie-Rock
Jan Wigger ist eine dumme Sau. So deutlich muss man es ausdrücken, wenn ein Musikkritiker des Spiegel-Magazins nicht mehr zur neuen Blackmail-Scheibe zu sagen hat als: "Blackmail spielen hypnotischen, Sixties-informierten Indie-Rock mit Krach-Gitarren und fest integrierter Grundmelancholie." Zwei Artikel darüber feiert er The Strokes ab, ausschweifend. Nichts gegen die New Yorker, aber wenn eine Band das mittlerweile 5.Album herausbringt, und es schon wieder herausragend geraten ist, sollte man ihr mindestens genauso viel Aufmerksamkeit schenken wie jungen Hipstern.
Genug der Aufregung, hin zum neuen Werk der Koblenzer. Und das ist nun wirklich alles andere als aufgeregt. Nichts mehr zu spüren von der latenten Aggressivität, dieser offensiven Verteidigungshaltung des Vorgängers "Friend or Foe".
Blackmail wirken gelöst, unverkrampft, fernab von jeglichem Erwartungsdruck. Wie ein Alterswerk klingt "Aerial View" jedoch keineswegs. Sicher, die Entwicklung zu diesem Album scheint konsequent: Wo das Quartett auf "Bliss, Please" zusehends Popeinflüsse zuließ, entdeckte sie mit "Friend or Foe ?" die Eingängigkeit - heraus kommt durchdacht und kompakt arrangierter Indie-Rock mit dem Gespür für den Moment. Aber schon die Tatsache, dass Aydo Abay, Mario Matthias und die Gebrüder Ebelhäuser sich mit Andi Jung das erste Mal einen bandexternen Produzenten ins Boot holten zeigt, dass sie nicht einfach eine weitere Platte aufnehmen wollten. Und tatsächlich hat sich so einiges getan im Vergleich zu den Vorgängern
Ein wenig winden sich Blackmail im Opener "Electricido" noch - Sänger Aydo Abay bricht mit gequälter Stimme ab, die Gitarre kommt wieder, Schwebezustand ... bis "Moonpigs" einsetzt. Flirrende Gitarren, fordernder Gesang - und dann setzt im Refrain ein Männerchor ein, der in unfassbarer Beiläufigkeit den eigenen Kontrollverlust besingt:"By the way I'm out of control". Großes Gefühlskino.
Dem folgenden "Everyone safe" merkt man deutlich die Spuren an, die die Produktion des Ken-Albums bei Abay hinterlassen hat: aufgeräumter und zurückhaltender klangen Blackmail selten. Das schlägt sich auch im Moog-getragenen "Meddlesome" oder im wunderbaren, shoegazer-affinen "Me & my shadow" nieder.
Mit "Never forever" schleicht sich gar eine Quasi-Ballade ein, die zwar berührt, aber eben leider nicht an die leisen Glanzmomente der Koblenzer wie "A reptile for the Saint" von der 2001er "Bliss, Please" herankommt.
Das absolute Highlight der Platte, "Couldn't care less", ist ein weiterer Beweis, was für großartige Songschreiber die Koblenzer sind: die perfekte Mischung aus Härte und Zugänglichkeit, mit einem unglaublich mitreißenden Refrain -und plötzlich tauchen aus dem nichts Bläser auf und leiten den Song über in ein wohlfeiles Gitarrenoutro.
Überhaupt wird die neue Aufgeräumtheit am Spiel von Kurt Ebelhäuser deutlich - seine sonst so dominanten Gitarrenausbrüche sind spärlich gestreut und dadurch umso wirkungsvoller, wie etwa im Ebelhäuser-typischen Abgang von "Armory". Songdienlichkeit heißt das Zauberwort. Dem schwelgerischen Abschlusstrack "Soulblind" etwa verpasst er in der letzten Minute mit einem Solo noch das gewisse Etwas, um das Album schließlich per Bratgitarre kurzerhand abzuschießen. Härte nicht der Härte wegen, sondern als Understatement.
Auch wenn das für manchen Musikjournalisten nur eine Randbemerkung wert sein mag: Mit "Aerial View" haben Blackmail einmal mehr ihre Ausnahmestellung im deutschen Indie-Rock untermauert.
Wertung: 9/10
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