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Bella Union
VÖ: 30.04.2010
MySpace
Spielzeit: 51:14
Stil: Soft-Rock
Wer eine Band wie Midlake in seinem Rücken weiß, dem braucht nicht Angst und Bange zu werden. So einer verdient es auch, selbst mit Verspätung gehört, rezensiert und gelobpreist zu werden. Und das nicht allein wegen Midlake. (Obwohl der Midlake-Bonus auch seinen Beitrag zum Wohlgefallen beiträgt, keine Frage.) Denn John Grant vermag sich auf eigenen Meriten zu betten, auf seiner Vergangenheit bei den halbwegs bekannten Czars und auf seine Gegenwart als Songwriter mit allerhand Eigen- und Schrägheiten in seinen Texten, einer traurig sonoren Crooner-Stimme und Songs, die pathetisch bis melancholisch bis schräg bis augenzwinkernd bis komisch daherkommen, immer aber in einem Rockmusik-Kontext auftreten, der in den 70ern gewachsen ist und keine Scheu vor Flöten und männlichen Gefühlen hat. Siehe Midlake. Damit sind auch die Schimpfwörter erwähnt, die einem Zyniker nun über die abgestumpften Lippen gleiten müssten: Jethro Tull und Fleetwood Mac. (Der moderne Popzeitgeist besitzt Ignoranz genug für derlei Stigmatisierungen, ich vermute, in spätestens zehn Jahren wird das Schaffen beider Bands wieder erschlossen und gefeiert. Die Relativität des Wertes allgemeiner Geschmacksurteile...)
Die Verweise des androgyn gespenstisch verhuschten Covers reichen dabei doch viel weiter zurück als David Bowie, aber: Nicht um den allseits bekannten Prinzen und dessen Umgang mit seinem Vater und König geht es, sondern um die Queen Of Denmark. Aber die eigentliche Hauptperson ist doch "nur" John Grant selbst, sein aus Zweifeln, Unsicherheiten, Drogen, Homosexualität und den Problemen, die daraus für eine religiöse und repressive Familie und Umgebung entstanden (siehe besonders: JC Hates Faggots- "Jesus hates his homo son/ we told you that, when you were young"), aus einer Band, in der er sich nie heimisch fühlte, aus gescheiterter Liebe und Suizidalfantasien, aber auch musikalischer Versiertheit und Wille wie Können zum großen Pop-Song entstandenes Selbst. Dazu kommen noch die schonungslos tiefen und introspektiven Texte, die aber andererseits auch gern mit Witz und Fantasymetaphern aufwarten können. Etwa im getragenen Breitwandrocker Sigourney Weaver, in dem ein Gefühl der Desintegration mit Bezügen zu Fantasyfilmen eben jener Sigourney Weaver (und Aliens) und auch Winona Ryders (und Vampire) und Planeten (Jupiter) gekonnt, abseitig und ohrwurmig ausgedrückt wird. I Wanna Go To Marz: Süße Streicher und zärtliche Melancholie, der Tindersticks würdig und mit traumwandlerischem Flötensolo. Selbstzweifel, die sich in Arroganz flüchten, im pianobarschunkeligen Chicken Bones: "I don't care, what I know/ Because I can't be wrong." Das beatlesk pianostampfige Silver Platter Club mit niedlichen Bläsern, in dem Grant über Normalität und den von ihr ausgehenden Sog aus Sehnsucht und Verachtung sinniert. Caramel dagegen könnte von Antony stammen. Leopard And Lamb steigert sich in triumphales Sehnen voller Chöre und Streicher hinein.
Die Bandbreite vom Solodebüt John Grants ist enorm, gekonnt, kauzig und nicht frei von Fehlern (die gruftige Frauenstimme in TC And The Honeybear hätte nicht unbedingt not getan), aber stimmig und ebenso wenig frei von Schönheiten. Denn hier versucht einer, der in seinem Innersten wie Äußersten nicht ferner vom Mainstream angesiedelt sein kann, sich an der Erzeugung einer Mainstream-Rockplatte, wodurch die Mischung aus Ecken und Kanten und aus runden Gefälligkeiten ziemlich wunderbar und wirksam geraten ist. Und Midlake spielen mit.
8 von 10 Punkten
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