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Reviews


Celan - Halo
Von Thomas Ernst



Exile On Mainstream / Southern
VÖ: 24.04.2009
TheirSpace
Spielzeit: 50:18
Stil: Noise Rock, Experimentell


Was kann man von einer wahren Allstargroup wie Celan erwarten, nachdem man die Zutatenliste ihrer Zusammensetzung durchgeht? Einiges! Da hätten wir zunächst mal mit Chris von Unsane und Niko von Oxbow an beiden Gitarren zwei Schwergewichte des US-Underground, ergänzt werden sie durch die Rhythmusgruppe der leider viel zu früh verblichenen flu.ID-Kracher aus Chemnitz City, namentlich Phil (Bass) und Xavi (Trommeln). Also alle Zeichen auf Noise Rock? Halt, da fehlt noch einer! Der Mann mit dem ehrwürdigen Namen Ari Benjamin Meyers, seines Zeichens Klassikspezialist und -Komponist , welcher mit seinem Redux Orchedtra u.a. bereits für die Einstürzenden Neubauten tätig gewesen ist. Ok, einmal kräftig umrühren, zwei Wochen ins Studio schmeißen, und nun auf "Play" drücken:
Die Maschine fährt hoch. Dunkle Industrial Soundcapes schimmern - erinnert ein wenig an den Beginn von Kill All Hippies von Primal Scream. Leider auch nur als 45sekündiges Intro. Dann ohne Luft zu holen: Kinder(ab)gesang, Noise-Rock-Keule! A Thousand Charms könnte so auch von ein wenig zahmeren Unsane stammen. All This And Everything dann ist ein einziger Brecher, ein Mordsding von einem Song. Kann ich nicht anders beschreiben als: GEIL. Und so geht es direkt weiter mit dem nächsten Track. Über- und gegeneinander gezwirbelte Gitarrenlinien geben One Minute den letzten Kick, dazu schön abgehangen eingestreute Drumfills, nur um den Schleudergang sogleich erneut zu starten. Bei der nächsten Trommelumdrehung kommt erstmals der Weichspüler zum Einsatz. Allerdings ein verdammt nochmal lässiger. Chris croont mit rauchig zurückgenommener Stimme, Phil stapelt Bassflanken zu groovigen Beats, dazu gesellen sich Samples von u.a. fahrenden Zügen und ja, ein Piano. Endlich.
Doch sogleich wird mit Weigh Tag wieder zum Inferno geblasen, nun scheinen alle Elemente in Höchstgeschwindigkeit zusammenzuarbeiten. Die Erholung folgt auf dem Fuße. Washing Machine verspricht Mitgefühl und Reinigung an einem gebeutelten Sonntag Frühmorgen nach extremem Ressourcenverbrauch in der (feierlichen) Nacht zuvor. Es folgen in Train Of Thought eine Melange aus harschem Noise und Sprachsamples vom Namensgeber des Jim Jonestown Massacre, bevor die Band wie ein Haufen kontaminierter Zirkusaffen gehörig den Rummelplatz aufmischt und das Spiel von vorne beginnt. It's Low wird wieder seinem Namen gerecht und bringt, zumindest etwas, Ruhe und Abgeklärtheit rein, Wait and See drückt dann noch ein letztes Mal aufs Gaspedal, bevor das abschließende Lunchbox endgültig besänftigende Ruhe bringt. 12 Minuten lang. Zunächst nur getragen vom Klavier und spärlichen Samples, nach sieben Minuten setzen Bass, Schlagzeug und Bombast ein, die das Baby genüsslich zu Ende schaukeln.
Insgesamt vielleicht also etwas unausgegoren und nicht alle Möglichkeiten genutzt, in Anbetracht der kurzen Zeit der Aufnahme jedoch höchst beeindruckend. Bleibt also spannend, wie die Band sich auf ihrer Tour im Herbst live präsentiert und ob die klassischen, elektronischen und "avantgardistischen" beim angedachten zweiten Album und verlängertem Studioaufenthalt weiter ausgebaut werden.
Freunde genannter Kapellen sollten aber auf jeden Fall nicht so lange warten und an Halo, wenn auch keine grundlegende Erleuchtung, mehr als Gefallen finden.

8,5 von 10 Punkten



Tinnitus Bewertungsskala:
0-2 Müll! 3-4 Gerade noch hörbar 5-6 Mittelmaß 7-8 Gut 9 Spitze 10 Perfekt
 


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