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Sinnbus Records
Vö: 23.11.2007
Bandpage
Spielzeit: 38:52
Stil: Elektro-Pop
Bergauf/Bergab
Die fünf jungen Berliner liefern dem geneigten Rezensenten mit "It tends to flow from high to low" dermaßen viele Vorlagen, dass der Adressat abwägen muss, welche Flanke als erstes verwandelt werden soll.
I might be wrong: Wenn man sich einen Song- bzw. EP-Titel der famosen Radiohead als Bandnamen wählt, dann zeugt dieses nicht nur von Geschmack, sondern so befördert man auf diese Weise auch die zu erntenden Trauben ganz schön weit nach oben, in die Baumkronen des Popdschungels. Gleichzeitig offenbart der Bandname die Leidenschaft der Berliner für verzwickte elektrogeimpfte Popmelodien, verpackt in klassische Bandstrukturen.
Billerbeck (Lisa von): Die Stimme der Sängerin, sehr erinnernd an die umgarnenden Organe von Nina Persson oder Inga Humpe, zieht sich wie ein seidenweicher Faden, knotenfrei und fransenlos durch das 10 Tracks umfassende Album. Ob Lisa und ihre Crew jemals die gleichnamige beschauliche münsterländischen Kleinstadt Billerbeck inmitten der Baumberge gesehen haben, ist nicht überliefert, doch klingt "It tends to flow from high to low" deutlicher nach Beschaulichkeit, sonnenbeschienener Landschaft und unaufgeregter Nachbarschaft als nach großer böser Kapitale.
It tends to flow from high to low: Es hätte kaum ein passenderer Titel für das Erstlingswerk des Fünfers gefunden werden können. Das Album fließt, gluckert und plätschert mal fröhlich glitzernd vor sich hin, mal mäandert es nachdenklich und melancholisch aus den Boxen. Natürlich strömt es aber von oben nach unten. Dieses Album hebt nicht die Grundsätze der Schwerkraft aus den Angeln und schafft es auch nicht gegen die Topografie bergauf.
Schon der Opener "Always north" macht deutlich, dass sich besonders der kreative Output von "The Notwist" bei den Berlinern großer Beliebtheit erfreut. So klingen die pluckernden, klackernden oder auch dezent fiependen Elektroniksprenkel, als hätte Martin Gretschmann sie zusammen gewoben und auch Billerbecks zurückhaltende, melancholische und dezente Art zu singen, erinnert deutlich an Manuel Acher. Die folgende Single "Cold Comfort" sticht nicht aus dem Gesamtwerk heraus, unterstreicht aber sehr schön, dass auch den Weinheimern gegebene Talent von "I might be wrong", zuckersüße Klänge mit kühler Elektronik zu einem, vom melancholischen Gesang getragenem Ganzen zu vermengen. "Decor d'accord" hat wohl zumindest eine Nominierung für den Songtitel des Jahres verdient.
"Lightning stripes, then rain" gibt an vierter Position auf dem Album, diesem gerade im richtigen Augenblick eine Wendung in eine deutlich kühlere Richtung. Kurz bevor man Gefahr läuft sich im zuckersüßen Ganzen zu verfangen, wird der Song so zum Sympathieträger, übertroffen aber noch von "Paternoster Patrol". Dieser von einem zackigen Beat vorgestellte Track, zeigt die abwechslungsreichste Lisa von Billerbeck, deutet darüber hinaus eine wunderbare Klaviermelodie an und schafft es sogar Streicher unprätentiös einzuweben.
Eine eingängige und schöne Melodie fährt "Repeat Rewind" auf. Ein Song mit einem Titel, der gleichzeitig das kleine Manko der Platte verdeutlicht. Anstatt Melancholie, Würfelzucker und quirlige Beats in nahezu jedem Song zu vermengen und dem Album auf diese Weise einiger möglicher Wendungen und Kanten sowie so manchen Song der Chance einer eigenen Identität zu berauben, hätte man die durchaus wunderbaren und tragenden Themen der Musik von "I might be wrong" gerne etwas ungleichmäßiger dosieren können. Der kurvig über Hindernisse plätschernde Gebirgsbach ist ja schließlich auch viel spannender als ein immer gleichförmiger Mittellandkanal.
7 von 10 Punkten
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