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Label: InsideOut
VÖ: 17.11.2006
Homepage: www.spocksbeard.com
Spielzeit: 67:04 min.
Genre: Prog Rock
Nach dem durchwachsenen "Feel Euphoria" und dem bereits deutlich besseren "Octane" nun also das dritte Album der post-Neal Morse Ära. Ich bin als langjähriger Hardcore-Fan der Band natürlich extrem gespannt.
Der Opener "On A Perfect Day" ist auch gleich äußerst vielversprechend geraten: alle Spock's Beard Markenzeichen vereint, ein absolut fesselnder Song und ein typischer Beard- Opener a la "Ballet Of The Impact". Nach dem folgenden jazzrockigen mega-Instrumental "Skeletons At The Feast" rechnet der Ersthörer sogar mit einem absoluten Meisterwerk der symphatischen Band aus Kalifornien. Leider kann dieses Level aber nicht ganz über die volle Spielzeit gehalten werden.
Der unvermeidliche Deep Purple Dampf-Rocker "Is This Love" ist diesmal zwar glücklicherweise nur 2:51 Minuten lang und könnte live durchaus seinen Reiz haben, auf Platte braucht sowas aber eigentlich kein Mensch, oder? Mit "All that's left" dann eine wundervolle Ballade, die leicht an spätere Toto erinnert. Herrlicher Refrain, nettes Arrangement. Sehr poppig, aber gut! Leider kommt danach der für mich erste wirkliche Tiefpunkt des Albums: das knapp 12minütige "With Your Kiss" zündet einfach nicht, es wirkt unausgereift und zusammengeklatscht. Und hier stört dann auch die sehr poppige Ausrichtung: der über fast 5 Minuten ausgewalzte Anfangsteil langweilt einfach. Danach eine Minute Solopart und ein völlig unmotivierter Übergang, dann eine etwas gezwungene Latin-Percussion Einlage ohne wirkliche Bindung zum Song. Nettes Gitarrenriff dann darunter, aber was sollen bitteschön die Manowar-"Hey!"s dazu? Ganz übel dann das schmalznasige und viel zu dünn gesungene Ende. Insgesamt einer der schlechtestkomponierten Spock's Beard Song überhaupt. Und es bleibt leider nicht der einzige Ausfall: auch "Hereafter" ist schwach. Eine kitschige und langatmige Ballade. Oh weh, ich muß es doch schreiben: hier wünscht man sich Neal Morse zurück, den Balladenmeister.
Der Mittelteil des Albums ansonsten durchaus gelungen:
"Sometimes They Stay, Sometimes They Go" ist ein netter Song, erinnert etwas an King's X, aber ohne den Groove der Texaner. "The Slow Crash Landing Man" ein hymnisch getragener Song, zwar ebenfalls nicht mit dem ganz großen Ohrwurmpotential, aber ein durchaus gut gemachter Song. Genau wie "Wherever Your Stand" - hätte der Track als Quotenrocker nicht gereicht? Frisch und mitreißend, dagegen stinkt "Is This Love" sowas von ab.. völlig geil Ryos manisches japanisches Gebrabbel im Mittelteil. Da bleibt kein Auge trocken.
Dann kommt der Longtrack. Und der reißt verdammt nochmal wirklich ALLES raus. Einen derart geilen Song haben Spock's Beard seit 6 Jahren nicht mehr abgeliefert!! 18 Minuten Hochgenuß, mit (echten) Bläsern, Sitarklängen, move-your-ass JazzFunk Grooves und hymnischen Momenten. Wenn ich heute jemandem die Band nahebringen wollen würde, würde ich ihm genau diesen Song zeigen. Wie göttlich diese Band doch in ihren besten Momenten sein kann.. das stellt sie auch beim Finalen "Rearranged" deutlich unter Beweis: ein wahrhaftes Grand Finale und bestimmt der absolute Live-Party-Kracher. Beste Komposition von Drumhocker-gegen-Mic-Tauscher Nick D'Virgilio bisher!
Was bleibt zu sagen? Das spielerische Level ist natürlich wieder atemberaubend, speziell die Gitarrenarbeit von Al Morse hat sich tatsächlich noch weiter verbessert - einfach unglaublich was der Mann aus seiner Klampfe rausholt. Die Produktion ist absolut over-the-top, vielleicht die beste die die Band je hatte. Der große Knackpunkt ist nur leider die Länge der CD, hier hat sich die Band einfach etwas übernommen. Eine CD mit der halben Spielzeit und nur den Krachern von diesem Album würde im 9er Bereich landen, leider wird das Gesamtniveau aber doch durch einzelne Songs etwas herabgezogen. Schade, aber die Hoffnung auf ein konstant gutes Album der "neuen" Spock's Beard sollte man nicht aufgeben - dass sie es eigentlich draufhaben beweisen sie hier oft genug, was fehlt ist aber eine eisenharte Qualitätskontrolle, vielleicht auch etwas weniger Demokratie und etwas mehr Durchsetzungsvermögen von den besseren Songwritern in der Band. "Spock's Beard" beinhaltet einige sehr starke und einige sehr schwache Kompositionen; auf jeden Fall werden einige Stücke von diesem Album dauerhaft in der Live Playlist der Band landen und das ist verdammt gut so.
8 / 10 Punkten
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