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Reino Ermitano - Marcos Coifmann - August 2006
" Es geht um die Bestätigung deiner inneren Welt!"

Von Thorsten Frahling



Im Januar 2001 veröffentlichten PsycheDOOMelic Records "Brujas del Mar" der peruanischen Band Reino Ermitano. Im Februar hab ich dann ein Review zu der Scheibe gemacht und fand die so geil, dass ich sie mit einem Interview belohnen wollte. Also hab ich einfach Basser Marcos kontaktiert, der sich auch interessiert zeigte. Als ich dann einen Haufen Fragen per E-Mail geschickt hatte, tat sich erstmal nix. Auch auf weitere Anfragen kam nichts zurück. Doch im Doom mahlen die Mühlen noch langsamer als anderswo und so staunte ich nicht schlecht als ich Anfang des Monats August eine E-Mail von Marcos erhielt, in der er sich entschuldigte, mich ignoriert zu haben. Er war wohl auf einem längeren Urlaubstrip und hat die E-Mail jetzt erst entdeckt, sie dann aber auch recht zügig beantwortet. Also lest hier nun mehr über die Jungs und das Mädel.

Hey Marcos. Würdest du uns eventuell ein wenig über die bisherige Geschichte von Reino Ermitano aufklären?

Hey, Mann. Ja, wir haben uns vor fünf Jahren gegründet. Naka, unser Drummer und meine Wenigkeit waren vorher in einem ähnlichen Projekt namens Melquiades involviert. Tania und Henry (Vocals und Gitarre) haben vorher bei einer Heavy Rock Band namens Darken gespielt. Als wir uns als Reino Ermitano zusammentaten, brachten wir alle älteres Material mit, welches dann seinen Weg auf unser erstes Album gefunden hat. Wir fanden heraus, dass wir alle sehr kompatible Ziele hatten, was den Musikstil anging, den wir machen wollten und wir fingen dann direkt an neues Material auszuarbeiten und haben damit auch noch nicht aufgehört. Letztes Jahr (meiner Information nach war es allerdings Ende Jannuar 2006, also dieses Jahr, der Verf.) hat PsycheDOOMelic dann unser zweites Album, Brujas Del Mar herausgebracht und im Moment arbeiten wir am Material für das dritte Album. All das, während wir meist in Lima, der Hauptstadt Perus, in der wir leben, auftreten.

Da ich mal davon ausgehe, dass die meisten Leute, die das Mag lesen, des Spanischen nicht mächtig sind, könntest du eventuell verraten, was Reino Ermitano bedeutet?

Reino Ermitano bedeutet Königreich des Einsiedlers. Es ist eine Metapher, das Leben aus deiner eigenen Perspektive zu sehen und nach deinen eigenen Regeln zu leben, ohne auf den Konsens der Realität da draussen zu achten. Es geht darum, im eigenen Inneren frei zu und in der Lage zu sein, alle möglichen Reichtümer und Magie zu finden wo die Welt der Gesellschaft nur ordinäre Monotonie und Stumpsinnigkeit bietet. Es geht um die Bestätigung deiner inneren Welt!

Lass uns mal über das neue Album sprechen. Ein mörderisches Stück Heavy Music. Ihr seid noch heavier, mehr Metal geworden und die Einflüsse der 70er sind ein wenig zurück geschraubt worden. War das Absicht?

Dank dir. Heavier werden war keine bewusste Wahl, das kam wirklich davon, dass wir länger Zeit hatten miteinander zu musizieren und einander noch besser kennenzulernen, musikalisch, und ein wenig weiter zu gehen mit dem was wir machen wollten. Wie schon gesagt, einige der Songs der ersten CD hatten schon einige Jahre auf dem Buckel, während die zweite CD Stoff enthält, den wir in der letzen Periode unseres Lebens als Band geschrieben haben. Wir sind immer noch hauptsächlich im 70er Heavy Sound verwurzelt, aber das ist numal unsere aktuelle Herangehensweise an das, was wir machen wollten, der nächste Schritt, den die Musik gegangen ist. Was wir im Moment machen wird sogar noch heavier.

Manchmal erinnert mich Tanias Stimme ein wenig an Mike Scheidt von YOB. Besonders bei "Curandero..." und "Ellipses". Ihr grüßt ihn sogar in der Thanklist. Er muss bei euch mächtig Eindruck hinterlassen haben. Wie habt ihr ihn kennengelernt?

Tania hat Mike und Isamu von Yob persönlich auf einem Emissions From The Monolith Festival vor ein paar Jahren kennengelernt. Ich habe auch mit Mike telefoniert und wir haben uns E-Mails geschrieben. Er war sehr hilfreich bei einigen Fragen die ich hatte. Du siehst, es ist schwer Interesse von Medien im Ausland zu finden wenn deine Band nicht in der Lage ist zu touren und in einer anderen Sprache singt. Deswegen wollte ich die Wege der Labels, der Distribution und Touren in der nördlichen Hemisphere verstehen und Mike war so freundlich mir da einen Einblick zu verschaffen. Sehr cooler Typ. Und Yob ist eine der besten Doom Bands gewesen, die es jemals im Genre gab, wenn du mich fragst; die hatten mehr Tiefe als viele andere und wir stehen total auf ihre Scheiben.

Was hast du gedacht, als du gehörst hast, dass sie sich aufgelöst haben?

Es ist sehr traurig, dass sie sich aufgelöst haben. Ich denke, sie wurden von Release zu Release besser, aber eine Band kann nur so lange leben wie sie auch die Zeit hat zu leben und es ist viel besser aufzuhören, wenn du an der Spitze bist als Sub-Standard-Produkte abzuliefern, wie es bei so vielen Bands durch die Zeit hinweg passiert ist. Ich erwarte das Mikes neues Projekt seiner Arbeit in Yob gerecht wird, ohne Zweifel mit einigen neuen Elementen und unerwarteten Änderungen. Ich erahne schon das Middian töten und zerstören wird.

Wie wichtig ist es für euch in eurer Muttersprache zu singen?

Es ist wichtig für uns. Unsere Lyrics haben eine bestimmte Benutzung der Sprache, die schwer zu übersetzen ist und wir fühlen uns natürlich wohler mit Spanisch. Ausserdem spielen wir ja viel in unserem Heimatland und es hat da noch nie Sinn für mich gemacht ne Sprache zu nutzen, die kaum einer hier versteht. Wenn unsere Sprache nur in unserem Land gesprochen würde, dann hätten wir evtl. überlegt in Englisch zu singen aber es gibt durchaus eine Geschiche und Szene des Latin Heavy Rock, so dass es für uns mit dem Spanischen doch ganz angenehm ist. Wie in so vielen anderen Ländern sind wir mit Musik und Bands aufgewachsen bei denen Englisch gesungen wurde und es war kein Problem für uns. Ich sehe nicht, warum es jetzt andersherum eines sein sollte. Ich verstehe, dass wir mit Englisch evtl. ein größeres Publikum erreichen könnten, aber die Musik und die Lyrics sind die Hauptpriorität. Es macht nichts, wenn das nicht zu populär wird.

Ich bin sehr dankbar, dass ihr euch entschlossen habt, englische Übersetzungen eurer Songs im Booklet abzudrucken. Wessen Idee war das und warum gibt es keine Übersetzung von Magdalena del Mar?

Wir waren uns da alle irgendwie einig. Wir haben auch einige Übersetzungen für die erste Scheibe auf unserer Homepage, aber wir wollten diesmal dafür sorgen, dass die Leute sie einfacher bekommen. "Magdalena Del Mar" ist ein sehr persönlicher Song, den Tania über den Platz an dem sie lebt, eine Nachbarschaft in Lima, die nahe am Meer liegt, geschrieben hat und er ist sehr poetisch und enthält einige lokale Redewendungen, die bei einer Übersetzung wenig Sinn gemacht hätten. Also haben wir uns entschieden, es so zu lassen.

Haben eure Lyrics ein generelles Thema, ein bestimmtes Konzept oder deckt ihr ein weites Feld an Themen auf dem Album ab?

Es gibt viele Richtungen, die die Texte einschlagen aber es existiert ein gemeinsamer Blickwinkel, da wir Leidenschaften für einige verschiedenen Dinge teilen. Normalerweise tendieren die Lyrics zu Selbstbeobachtung, gehen aber auch bestimmte Dinge direkter an und haben einen mystischen Unterton. Die Songs auf diesem Album teilen eine Menge Referenzen an das Meer, welches immer eng mit unserem Leben verbunden war. Wir haben uns entschlossen da das Konzept zu verankern. Aber nicht alle Songs handeln davon.

Wie ist die Heavy Rock Szene in Peru? Ich kenn nur euch von da. Ist es hart an gescheite Gigs und ein gescheites Publikum zu kommen?

Es ist nicht einfach, es gibt kaum Doom oder wirkliche Heavy Bands hier. Es gibt zwar ne große Metal Szene aber es ist so, dass Doom hier oft als Ding wahrgenommen wird, was dem Gothic Metal näher ist und nicht als heavy, Sabbath-Pentagram-Vitus-Hellhammer-orientiert, so wie wir halt nunmal sind. Aber es gibt trotzdem eine kleine Historie von lokalen Heavy Bands, die unglücklicherweise noch nicht in der Lage waren, ihr Material zu veröffentlichen (das war vor dem Internet und CDs sogar noch härter, wie überall). Aber wir versuchen das hier gerade in den Griff zu bekommen und einige Dinge zu veröffentlichen.

Gibt es irgeneine großartige Doom oder Heavy Rock Band, die nur einen kleinen Schubs braucht, um vom lokalen Underground zum internationalen Underground zu kommen?

Hmm, die bekannste Band ist wohl Mazo, bei denen unser Drummer früher war und die es schon fast 20 Jahre lang gibt. Erstaunlicherweise werden sie aber erst jetzt ihre ersten beiden offiziellen Platten veröffentlichen. Heutzutage gibt es noch andere Bands wie Kranium (Doom Metal), La Ira De Dios (Heavy Psyche, die sind bei Nasoni unter Vertrag und sollten im September in Europa touren), Caballo De Plomo (Doom), El Viejo (Heavy Rock); Espritu De Hierro (Heavy Rock) und noch einige andere. Und es gibt natürlich ne Menge Thrash/Black/Death Metal Bands die schon einiges veröffentlicht haben wie Hades oder Mortem.

Wie ist es in Peru zu leben? Was ist gut und was ist mies an eurem Land?

Es ist kompliziert. Wir lieben unser Land sehr und ich liebe meine Stadt. Wie auch immer, es gibt hier viel Ungerechtigkeit, zu große Unterschiede zwischen arm und reich, zu viel Armut und Mangel an Arbeit und Möglichkeiten. Es wird langsam besser, zumindest in makroökonomischer Sicht, aber es ist noch ein langer Weg bis die Gefahren, die Korruption und die Armut beseitigt sind. Abgesehen von diesen Problemen ist Peru ein wunderschönes Land, reich an Kultur mit einer großen, geschichtlichen Vergangenheit und vielen unleugbar magischen Orten. Die Sierras, unsere Hochländer muss man sich ansehen und die Vertiefung in die Überbleibsel der prä-spanischen Kulturen wie den Inca kann an sich eine lebensverändernde Erfahrung sein!

Auch heute noch sind Frauen in Heavy Rock Bands nicht alltäglich, auch wenn es meiner Meinung nach in den letzten Jahren besser geworden ist. Würdest du das kommentieren und sagen, was es für Reino Ermitano bedeutet, eine Sängerin zu haben.

Wir haben und das nie "ausgesucht". Tania war einfach dabei, als wir uns zusammengetan haben, sie mochte dieselben Dinge, hatte dieselbe Leidenschaft und das Verlangen, wie der Rest von uns und ihr Stil passt zur Musik, also war das nie ein Thema für uns. Ich glaube, dass Frauen im Rock und Metal nicht die gleiche Behandlung wie Männer erfahren. Die Kritik an ihnen ist meist härter, das Publikum manchmal um einiges aggressiver ihnen gegenüber. Ich weiß nicht, ich habe Reino Ermitano nie betrachtet als würden wir als "Sängerin-Band" definiert. Für uns ist das einfach nur ein Teil des Ganzen, aber einige Leute kommen da wohl nicht drüber hinweg. Ehrlich, das ist nicht unsere Angelegenheit, wir zielen nicht darauf ab jemandem zu gefallen. Es gibt immer Vorurteile in den Köpfen bestimmter Menschen, aber das ist deren Problem.

Wie geht es eurem Drummer? Ich hörte, er hatten einen Unfall.

Unser Drummer ist ausgeraubt worden. Er ist an nem gefährlichen Fleck in der Stadt vom Fahrrad geschubst worden und hat sich die Schulter in vier Teile gebrochen. Er ist operiert worden und hat ein paar Nägel und Aluminium Stäbe eingesetzt bekommen. Er ist jetzt auf dem Weg vollständiger Genesung und spielt auch schon wieder. Er interessiert sich sehr für natürliche Medizin und Coca Mehl half ihm die Schulter in Rekordzeit wieder zusammenzulöten. Sogar die Ärzte waren erstaunt. Er ist zwar noch nicht wieder 100% fit, aber bald. Er ist ein tougher Typ!

Was sind eure Pläne für die nächste Zukunft? Habt ihr schon neues Material geschrieben?

Wir sind schon halb durch mit dem Songwriting für unsere dritte Veröffentlichung und hoffen noch vor Ende des Jahres mit den Aufnahmen beginnen zu können. Wir sind glücklich mit dem Weg, den dieses Projekt einschlägt und konzentrieren uns hauptsächlich darauf. Aber wir halten die Türen offen für Tourmöglichkeiten im Ausland. So zum Auftakt quasi spielen wir Ende des Jahres ein Doom Festival in Santiago de Chile mit den Argentiniern Dragonauta, Chiles Electrozombies und einigen anderen Bands von da. Wir freuen uns da schon sehr drauf.

Ich glaube, das wäre es soweit. Danke für deine Zeit. Ist noch irgendetwas zu sagen?

Danke für das Interview. Hoffentlich können wir mal da touren wo du lebst. Keep it heavy and doom on, brothers.



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