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Festivalberichte

Summer Breeze Open Air 2009
12. - 15.08.2009 Dinkelsbühl

Von Philipp Schlee




Das kleine mittelfränkische Städtchen Dinkelsbühl ist bekannt für seine malerische Altstadt und als Station der romantischen Straße beliebte Pilgerstätte für Deutschland-Touristen. Doch seit 2006 das Summer Breeze Open Air aus dem 40 km entfernten Abtsgmünd in den Ort gezogen ist, hat Dinkelsbühl für vier Tage im Jahr eine weitere gewichtige Attraktion, die jedes Jahr mehr Headbanger und Schwarzkittel mit einem bunten, ausgewogenen Line-Up in die würtembergisch-bayerische Grenzregion zieht. Dieses Jahr dürften es weit über 30.000 Besucher gewesen sein, schon im Mai konnten die Veranstalter "Ausverkauft" melden. Kein Wunder, dass bereits am Mittwoch Abend, der als Warm Up Party eigentlich gar nicht offiziell zum Festival gehört, die Stimmung hervorragend ist und das Gelände aus allen Nähten zu platzen droht...

Mittwoch

Keine Ahnung, ob sich wirklich derart viele Old School-Death Metaller unter die diesjährige Summer Breeze-Besucherschaft gemischt haben oder ob es einfach nur an dem Mangel an Alternativen lag (die beiden Hauptbühnen wurden erst am Donnerstag Nachmittag eröffnet) - der Zuspruch, der den schwedischen Rumpel-Deathern Vomitory am Eröffnungsabend zu Teil wird, ist jedenfalls mehr als umwerfend und der Zuschauerraum vor der Zeltbühne bis auf den letzten Zentimenter gefüllt. Die Schweden selbst nehmen diese Tatsache wohlwollend zu Kenntnis, scheinen sich ansonsten allerdings herzlich wenig um die schweißtreibenden Rahmenbedingungen zu kümmern und knüppeln gewohnt cool ihr gnadenloses, mit vielen kleinen Genreklassikern wie Revelation Nausea, Chaos Fury und Blood Rapture gespicktes Liveset herunter. Allen Anwesenden gefällt es sichtlich, so dass schnell klar ist, dass sich die Skandinavier bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in die Gruppe der Gewinner dieses Festivals einreihen können.
(Philipp)

God Dethroned sind mittlerweile zu einer echten Death Metal-Institution geworden und haben sich - auch durch ihre unzähligen Live- und Festivalauftritte - eine mittlerweile beeindrucked große Fanbasis erarbeitet, die sich auch durch etwas schwächere Alben wie The Toxic Touch nicht beirren lässt. Dementsprechend ist der Auftritt der Mannen um Henri Sattler trotz einer leichten Lineup-Verschiebung durch den Ausfall von Cataract gut besucht. Auch die Stimmung passt und zu Genre-Klassikern wie Nihilism und Boiling Blood sowie neueren Bandhits wie Serpent King oder dem aktuellen Titeltrack Passiondale gibt es die ersten ernst zu nehmenden (Circle) Pits des Festivals zu verzeichnen. Kaum nachzuvollziehen ist es allerdings, dass ein Song wie Loyal to the Crown of God Dethroned, quasi DAS musikalische Aushängeschild der Band nicht gespielt wird. Sei's drum: Ein gelungener Auftritt.
(Nils)

Donnerstag

Den Status als eine der führenden Live-Bands der extremen Metalszene müssen sich die polnischen Urgesteine von Vader nach ihrer längeren Bühneabstinenz in diesem Festivalsommer wohl erst einmal wieder mühsam zurückerobern - wie sonst lässt sich erklären, dass sich die polnischen Urgesteine trotz eines druckfrischen Nuclear Blast Vertrags mit einem relativ undankbaren Nachmittags-Slot zwischen diversen No Name- und Retorten-Acts zufrieden geben müssen?! Und auch wenn die Stimmung nicht ganz so überkocht wie beim gestrigen Warm Up-Programm im Zelt, zeigen sich die Osteuropäer glücklich über den recht ordentlichen Zulauf vor der Mainstage und danken es mit einer relativ ungewöhnlichen Setlist, die recht wenig Stoff von der erfolgreichen Litany/Revelations-Ära bietet und stattdessen mit Tracks wie Sothis, Dark Age oder Black To The Blind den Schwerpunkt eher auf die ersten anderthalb Dekaden der mittlerweile mehr als 25-jährigen Bandgeschichte Vaders legt, um den Gig mit zwei überraschend jungen Tracks in Form des eingängigen This Is The War/Lead us!!!-Doppelpacks zu beschließen. Doch bei einer derart brutal und tight spielenden Band wie Vader ist die Setlist ja eigentlich eh Schnuppe, zumal sich Frontmann Peter auch bei seinen beiden neuen, noch recht jungen Mitstreitern darauf verlassen kann, dass jede Note sitzt und bis in die letzte Reihe jeden einigermaßen Todesblei-afinen Zuhörer wegblasen wird. Willkommen zurück, Jungs!
(Philipp)

Grand Magus sind seit ihrem letzten furiosen Album Iron Will wieder so richtig im Gespräch. Dass die Jungs auch live eine absolute Granate sind, zeigen sie auf dem Breeze auch trotz (oder gerade wegen?!) des miesen Wetters: Erstklassige Doom/Power Metal Granaten wie Like the Oar Strikes the Water, The Shadow Knows, der aktuelle Titeltrack oder dezent älteres Material wie Wolf's Return zünden ohne Probleme und die Anwesenden sind dementsprechend auch ziemlich begeistert. Die Schweden haben einen Groove, der einfach nicht zu ignorieren ist und dementsprechend ist der Anteil der kreisenden Matten zu recht früher Stunde schon äußerst hoch. Der kahlköpfige Sänger JB wirkt ob riesiger Sonnenbrille und entsprechendem Gepose zwar eher wie ein Rob Halford-Imitator, hat aber trotzdem alle Sympathien auf seiner Seite. Die Anwesenden lassen sich jedenfalls nicht vom konstanten Nieselregen beeindrucken und feiern ab, was es abzufeiern gilt. Starker Auftritt einer starken Band!
(Nils)

Was soll man noch zu Kreator sagen? Seit über 25 Jahren zieht Mille Petrozza mit seiner Gefolgschaft jetzt schon durch die Lande, die Ruhrpottler haben auf zwölf Studioalben mehr wegweisende Thrash-Granaten geschrieben als jede andere deutsche, wenn nicht europäische Thrash Metal Band und sind immer noch ganz vorne dabei. Die Kehrseite der Medaille ist: Man kennt Kreator-Gigs mittlerweile auswendig. Daran hat Uns-Mille natürlich den größten Anteil, sind seine immer gleichen Spielchen mit dem Publikum bei Klassikern wie Flag of Hate oder Extreme Aggression so redundant wie bei kaum einer anderen Band. Abgesehen davon sind Kreator in der jetzigen Formation nahe an der technischen Perfektion und wissen mittlerweile auch genau, wie man eine packende Bühnenshow auf die Beine stellt. Songs wie Phobia, Violent Revolution, Enemy of God oder Terrible Certainty sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben, so dass die geschätzten 25000 Leute selbstverständlich auch bei diesem Gig alles geben. Kreator sind zwar in die Jahre gekommen, warum man bei einem 90-Minuten Auftritt allerdings gleich zwei(!) Zugabepausen einbauen muss, kann man eigentlich nur mit einer inzwischen reichlich narzisstischen Grundhaltung erklären. Nichtsdestotrotz: Kreator sind und bleiben eine Live-Macht.
(Nils)

Ein Jahrzehnt lang hat sich der musikalische Tausendsassa und Anaal Nathrakh-Bandkopf Mick "Irrumator" Kenney erfolgreich geweigert, sein krachiges Projekt, das auf so unerbittliche Weise die Welten des Black Metals, des Grindcores und des Noise Rocks miteinander verbindet, auf die Bühne zu bringen. Nach dem Achtungserfolg des bereits fünften Albums In The Constellation Of The Black Widow hatte das um drei (Ex-)Kollegen aus Kenney's übrigen Nebenbeschäftigungen ergänzte infernalische Duo ein Einsehen und dürften mit ihrem 40-minütigen Höllenritt im sehr zur Freude des hauptamtlichen Benediction-Fronters und A.N.-Schreihalses Dave Hunt erstaunlich gut besuchten Partyzelt für manchen Hörsturz im Publikum gesorgt haben. Die melodischen, clean gesungenen Einsprengsel, die auf CD noch für kurze Verschnaufpausen sorgen, gehen im lauten, dreckigen Bühnensound der Briten fast komplett unter, so dass die ganze Angelegenheit live noch deutlich schwerer verdaulich ist als vor der heimischen Hifi-Anlage, aber dennoch erstaunlich gut funktioniert.
(Philipp)

Wenn es - vom ziemlich schwachen, von gesichtslosen Retortenbands dominierten (Nach-)Mittagsprogramm einmal abgesehen - etwas gibt, das man als negative Erinnerung vom Summer Breeze 2009 mitnehmen wird, dann sind es wohl die technischen Pannen, die sich wie ein roter Faden durch das Festival ziehen. Die nächsten Leidtragenden sind die US-amerikanischen Elite-Grinder Misery Index, bei deren Soundcheck sich bereits der Schlagzeugsound mit einem lauten Knall verabschiedet. Dieses Unglück kostet die Band ganze zehn Minuten Spielzeit und insbesondere Drummer Adam Jarvis sichtlich Nerven, bevor es mit dem Traitors-Intro We Never Come In Peace schließlich doch endlich losgehen kann. Immerhin acht Songs kann man im verkürzten Set noch unterbringen, wobei die Hälfte vom aktuellen Album stammt, was angesichts der Live-Durchschlagskraft des neueren Materials sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung ist. Doch auch junge Klassiker wie Retaliate und Conquistadores werden vom Publikum begeistert angenommen, lediglich die Circle-Pits fallen heute etwas zurückhaltender aus, als man es in den vergangenen Monaten bei Clubgigs der Amis sowie bei eher undergroundigeren Festivalauftritten erlebt hat. Jedenfalls haben Jason, Sparky & Co. mal wieder das Bestmögliche aus den Bedingungen gemacht und sich dabei beachtlich aus der Äffare gezogen.
(Philipp)

Katatonia verbindet mit dem Summer Breeze vor allem die Aufnahme des 2006er Auftritts für die Live-Scheibe Live Consternation. Der damalige Gig war großartig gelungen und zeigte die Band in absoluter Top-Verfassung. Von genau dieser sind Katatonia anno 2009 aber offensichtlich recht weit entfernt. Seltsam inhomogen wirkt die Band, dazu erwischt Jonas Renkse einen seiner vermutlich schlechteren Tage - der Gesang ist unsicher und mehrere Male ziemlich neben der Spur. Dass die Schweden hervorragende Songs in petto haben, wird aber auch mit einem durchwachsenen Gig überdeutlich - Soil's Song, Teargas oder Tonight's Music sind einfach toll. Abschließend gibt es mit dem hervorragenden Murder sogar noch etwas aus Katatonias Death Metal-Phase, allerdings kann auch das den etwas blutarmen Auftritt auch nicht retten. Schade.
(Nils)

Ein harter Brocken sind sie ja schon, die Jungs von Hate Eternal, insbesondere wenn man als Zuschauer schon anderthalb Festivaltage in den Knochen und mehrere Liter Bier im Bauch hat. Dies sieht das geschlossene Summer Breeze-Publikum scheinbar ähnlich und hat für Erik Rutan und seine Mannen heute Nacht im Großen und Ganzen nur Höflichkeitsapplaus übrig, was aber gerade nach den kraftraubenden Auftritten von Anaal Nathrakh und Misery Index wohl niemanden so wirklich überraschen dürfte. Dennoch bleiben im gewohnter Perfektion dargebotene Frickel-Blastbeat-Attacken wie Tombeau, Bringer Of Storms oder The Victorious Reign absolute Lehrstücke in Sachen technischen, hochkomplexen Death Metals, so dass auch dieser Auftritt von Hate Eternal seine Daseinsberechtigung auf dem nächtlichen Summer Breeze hat.
(Philipp)

Freitag

Schon auf den Wacken 2008 ist Peter Dolving, seines Zeichens Schreihals der Schweden-Thrasher The Haunted, mit so mancher Ansage beim Publikum angeeckt und auch heute scheint er sein neues Image als Bad Guy unter den Metal-Frontmännern pflegen zu wollen. So bekommt der eine oder andere Zuschauer, der nicht die von Herrn Dolving gewünschte Begeisterung für die zugegebenerweise im Allgemeinen wieder hervorragend funktionierenden Neo-Thrasher a la Trespass, Bury Your Dead und 99 zeigt, vom Dänen ein paar deutliche Worte zu hören, und auch sonst scheint der mit Rauschebart und wilder Fettfrisur mittlerweile wie eine Mischung aus Streetworker und australischem Ureinwohner aussehnde Herr nicht viel von platten Lobhudeleien auf sein Publikum zu halten. Immerhin wird die Befürchtung, dass es gleich für einige besonders Thrash-resistente Zuschauer von dem von der Bühne springenden P.D. ein paar auf die Nase gibt, schnell zerstreut. Stattdessen wird hier nur auf die Schnelle die größte Wall of Death des Festivals vom Fronter persönlich organisiert, was sich als äußerst effektive Art der Publikumsmotivation entpuppt. Doch nicht nur deshalb muss man den Auftritt der gewohnt spielfreudigen Schweden als Sieg auf ganzer Linie beurteilen, der im Dunkeln sicherlich noch besser funktioniert hätte. Lediglich von den ersten beiden längst als Genre-Meilensteine geltenden Longplayern hätte man ruhig ein paar Tracks mehr spielen können.
(Philipp)

Entombed sind längst Legende. Das sehen einige Tausend andere Leute genauso und bescheren den Mannen um LG Petrov einen gut besuchten Auftritt. Dass das definitiv die richtige Entscheidung ist, beweisen Entombed eindrucksvoll. When in Sodom, Damn Deal Done und der obligatorische Übersong Chief Rebel Angel machen heute jedenfalls wieder mächtig Spaß und mit LG als Ozzy des Death Metals haben Entombed einfach einen der coolsten des gesamten Genres in ihren Reihen. Die Setlist ist nett gemischt, kann auch mit alten Krachern wie Crawl punkten, kommt aber leider ohne Left Hand Path-Material aus. Ist zwar schade, aber Entombed überzeugen trotzdem auf ganzer Linie. Knallhart, aber herzlich. Großartig.
(Nils)

Das Summer Breeze hatte in den vergangen Jahren immer schon ein ausgewogenes und teilweise überraschendes Lineup zu bieten. Den diesjährigen Exoten mimen Life of Agony, die Anfang der 90er mit River Runs Red eins der besten Rock/Metal-Alben dieser Dekade abliefern konnten. Ob sich die Band um das Drogen-Wrack Keith Caputo allerdings vor einem überwiegend schwermetallischen Publikum behaupten würde, erschien vor dem Auftritt zumindest fraglich. Die New Yorker räumen aber in Windeseile alle Zweifel beiseite und liefern einen brillanten Gig ab, der quasi alle Hits enthält. Weil auch Caputo - in super schrägem Junkie-Outfit erinnert dieser an einen gealterten Kurt Cobain - in guter Verfassung ist, wird der Auftritt zu einer durchweg positiven Überraschung. Zwar ist die Schmacht dann doch etwas zu groß und Life of Agony danken 15 Minuten zu früh ab, aber auf diese Art und Weise sind Songs wie River Runs Red, Love to let you down oder Bad Seed einfach eine Klasse für sich. Eine tolle Abwechslung im Lineup und darüber hinaus auch noch eine Band, die nicht an jeder zweiten Steckdose spielt. So zieht ein Festival auch nicht beinharte Metaller und braucht sich dennoch nicht den Vorwurf gefallen lassen, sich dem Mainstream anzubiedern. Mehr davon!
(Nils)

Ein aussichtsreicher Kandidat für den Preis für die bodenständigste und sympathischste Band des ganzen Festivals ist wohl die US-Fusion-Metal-Legende Cynic. Wirkte man vor zwei Jahren auf der Wacken Party Stage noch ziemlich unsicher, nicht zuletzt auch aufgrund des damals noch vollkommen unbekannten neuen Materials, kann man heute auf der wesentlich intimeren Zeltbühne eine kleinen Triumphzug feiern. Ein großer Frontmann wird Bandkopf Paul Masvidal in diesem Leben schätzungsweise nicht mehr, doch den hat die allein mit diesem einzigartigen Sound in Verbindung mit ihrer bescheidenen Ausstrahlung punktende Band, die ihren Superstar am Schlagzeug Sean Reinert übrigens heute mal nicht in den Hintergrund sondern direkt an den linken Bühnenrand positioniert hat, auch gar nicht nötig. Als mutig, aber durchaus richtig stellt sich die Entscheidung heraus, bei der Gestaltung der Setlist ganz auf die etwas zugänglicheren Titel des neuen Albums Traced In Air zu setzen - lediglich auf die Focus-Übersongs Veil Of Maya, Celestial Voyage und den Rauswerfer How Could I kann man natürlich nicht verzichten. Und schließlich beweist ein mit Humor aufgenommener verpasster Einsatz von Mr. Masvidal bei Adam's Murmur, dass die Musiker dann doch von dieser Welt sind...
(Philipp)

Tomi Joutsen ist wirklich ein Tier. Hünenhaft groß, unfassbar lange Dreads, Tätowierungen überall. Schade, dass seine Band heute nicht so beeindruckend wirkt. Amorphis finden irgendwie nicht den richtigen Mix, das Songmaterial ähnelt sich einfach zu sehr und liegt schwerpunktmäßig leider nicht auf Meisterwerken wie Tales from a thousand lakes. Nicht einmal Black Winter Day schafft es in die Setlist - eigentlich eine Schande, bedenkt man die Extraklasse dieses Songs. Amorphis sind zwar deutlich bemüht und Teile des Publikums sind auch begeistert, aber so ganz will der Funke einfach nicht überspringen. Spätestens in der zweiten Gig-Hälfte ist die Luft raus. Da hilft auch die technische Präzision der gesamten Band nicht viel. Amorphis - so zumindest mein Eindruck - gewinnen heute nicht viele Fans dazu.
(Nils)

Samstag

Grave scheinen auf Festivals den (vor)mittäglichen Slot fest gebucht zu haben. Auch auf dem Summer Breeze werden Ola Lindgren und Konsorten als Aufweckkommando der ruppigeren Sorte benutzt und holzen schon zum Frühstücksbier Klassiker des gepflegten Schweden-Deaths raus. Mit den altbekannten Titeltrack-Hits Into the Grave, You'll never see und Soulless kann man jedenfalls wenig falsch machen. Ein wenig mehr Abwechslung wäre aber dann doch irgendwann nett, denn die drei Scheiben haben wirklich auch noch andere starke Brocken. Sei's drum: Grave sind einfach eine geile Band und so kompromisslose Death Metal Bands findet man ja bekanntermaßen auch nicht mehr so oft. Mal wieder überzeugend!
(Nils)

So schnell kann's gehen: Vor drei Jahren noch ein Geheimtipp für Freunde des gepflegten Heavy Rocks, heute schon Co-Headliner auf einem traditionsreichen Metalfestival mit über 30.000 Zuschauern - besser hätten die letzten Jahre für die Dänen von Volbeat wohl nicht laufen können. Dementsprechend selbstsicher feuert die Truppe ihr Feuerwerk an großen Rock/Metal-Gassenhauern in das schon vor den ersten Takten heißlaufende Publikum. Obwohl man mittlerweile jede Steckdose in Deutschland's Liveclubs und jeden Grashalm auf europäischen Festivalwiesen persönlich kennen sollte, schafft man es noch immer, die authentische Spielfreude und sympathische Bodenständigkeit zu vermitteln, die die Band in kurzer Zeit so groß gemacht hat - natürlich neben den Hits, von denen Volbeat ja mittlerweile einen ganzen Sack voll aufzubieten haben. Dass da nicht jeder Fanwunsch berücksichtigt werden kann, ist logisch, mit dem gesetzten Schwerpunkt auf das Zweitwerk Rock The Rebel - Metal The Devil macht das Quartett um den dauergrinsenden Dänen-Elvis Michael Poulsen allerdings auch definitiv nichts falsch. Bleibt unter'm Strich ein mehr als solider Auftritt eines verdienten Fast-Headliners, der durchweg glückliche Gesichter vor der Mainstage zurücklässt.
(Philipp)

Nichts gegen Volbeat, die sich ihre Daseinsberechtigung redlich verdient haben. Aber Voivod sind eine Musik-Legende, die in absoluter Pionier-Leistung die Facetten des Metal schon tief in den 80ern um viele Universen erweitert haben. Dementsprechend ist es enttäuschend, wie viele Kids von heute diese einmaligen Visionäre nicht zu würdigen wissen und nach dem Volbeat-Gig zu tausenden vom Gelände marschieren. Einige hundert bleiben dennoch, um einen der seltenen Voivod-Auftritte zu genießen und nachher wird niemand sagen, er sei auch nur ansatzweise enttäuscht worden. Mit VoiVod beginnend spielten sich die Kanadier in einen regelrechten Rausch, in den man als Zuhörer bei unvergleichlichen Perlen wie Tribal Convictions, The Unkown Knows oder Nothingface auch selbst nur verfallen kann. Snake ist unterwegs wie ein verrückter, zuckt in fast schon Monty Python-artiger Manier über die Bühne und macht den Voivod-Gig damit auch in optischer Hinsicht großartig. Als dann abschließend auch noch das fantastische Astronomy Domine zum Besten gegeben wird, verabschieden sich auch die Letzten in den musikalischen Äther. Ein unvergesslicher Auftritt einer nach wie vor visionären Band. Perfekt!
(Nils)

Die Headliner und Mainstage-Rauswerfer Opeth haben heute, um es vorsichtig ausdrücken, nicht ihren besten Tag erwischt. Bandkopf Akerfeldt geht sogar soweit, in einem anschließenden Presse-Statement von dem bis dato gruseligsten und peinlichsten Auftritt des aktuellen Opeth Line-Ups zu sprechen. Was war passiert? Los geht das Drama damit, dass bereits nach den ersten Takten des Openers Heir Aparrent der komplette Monitor von Gitarrist Fredrik Akesson ausfällt und die Band abbrechen muss. Da sich der Schaden offensichtlich nicht ohne weiteres beheben lässt, muss die anwesende Meute nach mehrminütiger Pause kurzerhand mit einer improvisierten Akustikversion des Thin Lizzy-Songs Soldier Of Fortune vertröstet werden, bevor es mit dem soundmäßig weiterhin mehr als dürftigen und von weiteren vorübergehenden Instrumenten-Ausfällen begleiteten Set weitergehen kann. So entfalten die dargebotenen unter normalen Verhältnissen echte Nummer-Sicher-Stücke aus dem Opeth-Reportoire wie Ghost Of Perdition, The Leper Affinity, Demon Of The Fall oder das abschließende The Drepery Falls heute nicht ganz die gewohnte Wirkung, wenngleich die gehandicapten Opeth noch immer mindestens so gut sind wie manch anderer potenzieller Headliner in optimaler Verfassung. Und so drücken heute die meisten Anwesenden ein Auge zu und zollen der Band und der Festival-Orga den gebührenden Respekt für den Abschluss eines insgesamt sehr gelungenen Festivals.
(Philipp)

Ein nettes, wohl durchmischtes Publikum, meist guter Bühnensound und eine tolle Bandauswahl - die unerfüllten Wünsche und Kritikpunkte sind eher kleiner Natur, und so wird sich das Summer Breeze auch in den nächsten Jahren einen Stammplatz in den Festival-Kalendern vieler Headbanger einnehmen. Wir kommen jedenfalls gerne wieder in das sonst so beschauliche Dinkelsbühl.

Vor Ort in Dinkelsbühl: Nils Pfaff und Philipp Schlee



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