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Blackmail, Revolt
24.03.2006 Hamburg, Übel & Gefährlich

Von Christian Bartlau

Öffentliche Verkehrsmittel sind dein Freund, vor allem wenn in Hamburg mal wieder Dom ist. Stau und schlechte Stimmung also im Auto bei der Anfahrt, vor allem weil man unter Zeitdruck steht - für heute wurde die allseits unbeliebte Ansage "Achtung ! Frühkonzert !" gemacht. Schnell mal eben 4 Euronen für einen Parkplatz bezahlt, und ab geht's in den riesigen Betonbunker am Millerntor. Das Übel & Gefährlich offenbart sehr schnell einen besonderen Reiz, der Konzertraum ist nur per Aufzug oder Wendeltreppe zu erreichen.
Revolt aus Berlin beginnen pünktlich um 20 Uhr. Erwartungsgemäß haben sie es schwerer als noch gestern in ihrer Heimatstadt, trotzdem ernten sie zumindest in den ersten Reihen geneigtes Kopfnicken. Der dünne Sound und das zu distanzierte Bühnen-Acting verhindern, dass ihr wirklich interessanter Space-Rock, der in guten Momenten an Muse erinnert, auf positivere Reaktionen stößt. Immerhin gibt's am Merch-Stand gegen die Angabe einer E-Mail-Adresse eine Promo-CD und jede Menge Aufkleber, so geht gute PR.
So langsam füllt sich der Club, obwohl sich offensichtlich nicht bei allen die frühe Anfangszeit herumgesprochen hat. Schlussendlich warten etwa 450 Zuschauer im gut gefüllten Übel & Gefährlich auf Blackmail, die mit "Arial View" im Januar ein überaus ambitioniertes Werk vorlegten.
"Ich glaube wirklich dass der Horiziont sich mal erweitern muss für uns.", sagte Sänger Aydo Abay im Interview, und das untermauert der Vierer auch live.
Keine Spur von der oft unterstellten Arroganz, Abay gibt sich in seinen wenigen Ansagen handzahm und äußerst nett. Leider ist der Mischer anscheinend der grassierenden Krankheitswelle zum Opfer gefallen - was auch immer der Grund war, er hatte irgendwas auf den Ohren. Nur mit Mühe konnte man Kurt Ebelhäusers Gitarre vernehmen, was besonders bei den Up-Tempo-Krachern wie "Evon" oder "It could be yours" so etwas wie Hörgenuss unmöglich machte. Das hörte sich am Vortag im Postbahnhof zu Berlin noch ganz anders an.
Dessen ungeachtet spielt sich die Band ungeheuer präzise durch ein Set, das hauptsächlich aus Songs der letzten beiden Alben besteht. Eine Ausnahme bilden nur "Amelia" von der "Bliss, Please" und "Dental Research '72" vom fantastischen zweiten Longplayer "Science Fiction", welches den ersten Block beschliesst - nur Mario Matthias verweilt an den Drums und wiederholt den Beat minutenlang, bis die Gebrüder Ebelhäuser und Abay wieder zu ihm stoßen.
Die Koblenzer räumen mit den sicheren Hits "Ken I Die" und "Same Same" noch mal ordentlich ab und verleiten das bewegungsfreudige Publikum zu lauten "Zugabe"-Forderungen. Blackmail setzen zu einem Schlussfanal aus "Friend", "Foe" und Versatzstücken von "Images of Devils burn" von Kurt Ebelhäusers Zweitband Scumbucket an, und siehe da - der Mischer erwacht aus seinem Medikamentenrausch und zeigt sich von seiner humorigen Seite. Mitten im Song dreht er die Gitarre laut. So hätte es also klingen können. Was vom Autor mit heftigem Kopfschütteln und diversen geplatzten Adern quittiert wurde, interessierte das restliche Publikum anscheinend nicht wirklich. Blackmail wurden mit warmem Applaus verabschiedet, und schon kurze Zeit später wurden die Anwesenden von sehr bestimmt drein guckenden Ordnern auf den Ausgang verwiesen. Deutschland, deine Frühkonzerte.

Fotos: Michael Kellenbenz



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