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Bon Iver, das ist so ein kleines Phänomen. Eine Ausnahmeerscheinung unserer Zeit. Sicher, es hat hier und da immer seine Auswirkungen, wenn Künstler oder Bands außerhalb des Mainstreams sich plötzlich geballt in den Feuilletons da draußen wiederfinden, und ungeahnten Zuspruch finden. Aber das bleibt dann oft im Rahmen.
Aber was ist bitteschön passiert, das dieser symphytische, bärtige Kauz, der mitten in der Wildnis in einer Holzhütte zurückgezogen ein wunderschönes, intimes Folkalbum aufgenommen hat, plötzlich in die Grosse Freiheit 36 verlegt werden muss, und selbst diese am Ende ausverkauft ist? Entweder hat da jemand den Zahn der Zeit getroffen, oder Medien und Mundpropaganda haben ihr übriges getan.
Nun, hinterher ist man immer schlauer, und es dürft eine Mischung von beidem sein. Denn in dieser ausverkauften Grossen Freiheit konnte man eindeutig beobachten, wer wegen der schönen Musik da war, und wer irgendwo gelesen hat, dass man das sich gefälligst anzusehen hat, wegen Kultur und so. Und darunter sollte dann auch leider das Konzert leiden. Die Band machte gar nix falsch. Die Songs wunderschön und ergreifend gespielt, und Justin himself eine echte Persönlichkeit auf der Bühne, der mit seiner verschrobenen Stimme unter die Haut geht. Aber der Funke sollte eben nicht immer so richtig überspringen. Dieser oft sehr ruhige, intime Sound wirkte ein wenig deplatziert, verhallte oft im großen Raum, und überall das ignorante Geschwätz zufällig anwesender Neon Abonnenten. Das nervt, besonders bei derartiger Musik, da darf man auch mal den Musiknazi raushängen lassen.
Wer das Glück hatte die Jungs (Justin stellt Bon Iver auf der Bühne übrigens betont als Band vor) im letzten Jahr noch im Knust zu sehen, berichtet dann auch entsprechend von einer ganz anderen Erfahrung. So bleibt ein wirklich gutes Konzert, das besonders in den schwungvollen Momenten seine Höhepunkte hatte (inkl. eines tollen Talk Talk Covers, vom Schlagzeuger gesungen), Skinny Love oder Blood Bank von der aktuellen EP. Trotzdem ist es fast schon ein wenig Schade, das man derart schnell so gross geworden ist. Für die Band natürlich schön, und es ist ihnen auch auf jeden Fall zu gönnen, für die Betrachter ist das aber eher nicht so toll. Das möge man bitte nicht falsch verstehen, keiner Band sei der Erfolg vergönnt, und es ist lächerlich nerdig-kleinlich alles zu verdammen, sobald es breite Beachtung findet - es geht dabei ja nicht um das persönliche Gefühl der Exklusivität. Es gibt schlicht und einfach eben Sachen, die in kleinen Rahmen wesentlich besser funktionieren. Der frühe Bob Dylan hat ja auch besser in verrauchte Kaffehäuser und auf kleine Folk Festivals gepasst. Später im Stadion - da ist er dann wohl auch besser mit der Rock-Nummer gefahren. Mal sehen wie es weiter geht, mit Bon Iver.
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