|
Ich hab mich ja schon öfter beschwert, dass die nordwestliche Region Deutschlands wohl nicht so die Hochburg für gute Musik ist. Dennoch kann man froh sein, dass zumindest gelegentlich mal gute Bands diese Region besuchen. Freudig überrascht war ich, als doch so ca. 10-20 Nasen mehr als von mir erwartet in den Bastard Club gekommen waren, um The Deep Blue und Lord Vicar zu sehen. Interessant auch, dass da diverse Kuttenmetaller den Weg gefunden hatten. Natürlich waren immer noch nicht wirklich viele Leute da, aber da es mal wieder ein Konzert auf der Barbühne war, war es vor dem Tresen durchaus gut gefüllt.
Ja, die Barbühne - die Gesangsanlage ist nun mal nicht die beste, und wenn man dann wie The Deep Blue die Amps voll aufdreht, aber nur ins Micro haucht, dann ist der Gesang im besten Fall ein Hintergrundsound, manchmal aber auch quasi gar nicht vorhanden. Der Gitarrist der Band, dessen Gesang in ruhigen Momenten durchaus mal zu hören und auch gar nicht so schlecht war, wirkte allerdings auch immer irgendwie recht schüchtern, sobald sich sein Mund dem Micro näherte. Musikalisch gab das Trio allerdings Stoff, wenn auch nicht sonderlich schnell. Musikalisch lag man irgendwo zwischen sabbathisch ausgerichtetem Doom und Stoner, und erinnerte damit an Glanztaten aus der Zeit, in der die Sons Of Otis, Electric Wizard oder Sleep anfingen, die Slo-Mo Gemeinde zu begeistern. Das Publikum nahm den Sound dankbar auf, und sogar die Jungs mit den Old School Metal Patches nickten mit den Köpfen und klatschten artig.
Lord Vicar war dann wohl auch der Grund warum die meisten gekommen waren. Bei einer so hochkarätigen Besetzung sollte man auch davon ausgehen, dass das zumindest ein paar Leute anspricht. Peter Inverted hatte von seiner alten Bands nicht nur den Hang zu längeren Songs mitgebracht, sondern auch den Hang, nicht sonderlich tight auf der Bühne zu sein. Ähnlich wie bei Reverend Bizarre merkte man, das mit Üben bei der Band nicht viel war. Allerdings sind die Mitglieder von Lord Vicar über England, Schweden und Finnland verstreut, und dies war erst ihr zweiter Gig auf der Tour, und ich glaube überhaupt, weswegen man den Jungs das Ganze durchaus nachsehen kann. Und aufgrund häufigen Augenkontakts hielten sich die Schnitzer auch wirklich in Grenzen. Lord Chritus allerdings musste öfter mal seine Texte vom Blatt ablesen, was ich schon etwas irritierend fand. Ansonsten poste der Ex-Sänger von Count Raven, Saint Vitus und Terra Firma aber wie ein Großer und sang, obwohl man hören konnte dass seine Stimme etwas gealtert war, sehr gut. Die Setlist bestand aus den Songs der 7" Single die damals auf I Hate Records erschienen war und dem aktuellen Album abzüglich Funeral Pyre, den die Jungs aufgrund des Arrangements nicht reproduzieren konnten, wie mir Drummer Milly verriet. Dass das Material von Lord Vicar eine ordentliche Portion headbangkompatibler Riffs und Tempi besitzt, machte die Sache zu einem kurzweiligen Livevergnügen. Ausserdem spielte das Quartett noch Plague Of Man von Saint Vitus, womit man dann auch noch der Vergangenheit von Chritus Tribut zollte.
|
|