Communic - Oddleif Stensland - März 2005
Die Erfüllung eines Traums

Von Philipp Schlee

Abgesehen von einem Samplerbeitrag im "Heavy oder was...?!"-Magazin und einem Review im Rock Hard Magazin hat man die Norweger COMMUNIC hierzulande wenig bis gar nicht mitbekommen. Das änderte sich aber recht schnell mit der Veröffentlichung des Debutalbums "Conspiracy In Mind", das die Grenzen zwischen Power, Thrash und Progressive Metal einreißt und bei vielen Metal-Postillen eingeschlagen ist wie eine Bombe. Grund genug für ein ausführlicheres Interview mit Bandkopf Oddleif Stensland.

Hi Oddleif! Erzähl unseren Lesern zu Beginn doch bitte etwas über die Geschichte von COMMUNIC und über die Bandmitglieder.

Unsere Band kommt aus dem südlichsten Zipfel Norwegens. Als Band wurde COMMUNIC im Ärz 2003 aus der Taufe gehoben, aber wir alle waren zu dem Zeitpunkt bereits seit 10 Jahren in verschiedenen Bands und Projekten im Underground aktiv. Es ist eine ziemlich lange Geschichte. Um es kurz zu machen: Ich habe eines Tages Tor Atle gefragt, ob er an einem gemeinsamen Sideproject interessiert wäre und wir haben angefangen, meine Ideen ein wenig weiter zu spinnen. Wir dachten, dass sich das Ganze sehr cool anhört und so fragten wir Erik, mit dem ich bereits mehrfach in verschiedenen Projekten zu tun hatte, ob er bereit wäre, den Bass in der neuen Band zu bedienen. Er willigte ein und COMMUNIC waren geboren. Wir begannen damit, Material für unser "Pro" Demo zusammenzustellen und zeichneten drei Songs auf, um das Potential der Band zu demonstrieren. Direkt nach der Veröffentlichung des Demos unterzeichneten wir einen Management Deal mit dem dänischen "Intromental Management" und kurz danach unterschrieben wir beim hoch geachteten Label Nuclear Blast. Ich verließ meine anderen Bands, um mich voll auf COMMUNIC konzentrieren zu können.

Ihr habt gerade euer erste Album "Conspiracy In Mind" veröffentlicht. Das Pressefeedback war zum allergrößten Teil begeistert. Wie zufrieden seid ihr selbst mit dem Ergebnis? Und wie fühlt es sich an, das "nächste große Ding" in der Metalszene zu sein?

Ja, bis jetzt war das alles ziemlich aufregend. Mit dem entgültigen Resultat bin ich zufrieden, es gibt nur ein paar Kleinigkeiten, die man noch etwas überarbeiten könnte, aber ich bin halt ziemlich pingelig, wenn es um die Details geht. Die Produktion ist sehr heavy, aber auch glasklar, so dass du alle Details raushörst oder sie zumindest mit der Zeit entdecken wirst, wenn du in das Album hineinwächst. Ich weiß nicht, ob wir das "next big thing" sind, das sollen andere beurteilen - wir versuchen einfach, uns auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren, mit denen wir in diesen Tagen konfrontiert werden.

Es gibt zwei Namen, die immer wieder genannt werden, wenn es darum geht, den Sound von COMMUNIC zu beschreiben: NEVERMORE und SANCTUARY. Was denkst du über diesen Vergleich? Und welche anderen Einflüssen sind deiner Meinung nach die wichtigsten für COMMUNIC?

Ich denke, die Liste der Einflüsse ist äußerst lang. Die Musik von COMMUNIC ist eine Mischung der beteiligten Musiker und wir haben nie versucht, uns auf einen bestimmten Stil zu beschränken.
Ich habe das Gefühl, dass wir so ziemlich unseren eigenen Stil gefunden haben. Unser Drummer Tor Atle hört in erster Linie modernen, brutalen und extremen Metal, immer auf der Suche nach dem perfekten Groove. Erik am Bass ist der totale MANOWAR Freak, der viel mit Akkorden und ungewöhnlichen Elementen rumspielt. Ich interessiere mich vor allem für den Prog und Metal der späten 80er und frühen 90er. Ich bin ein großer Fan von Arjen Lucassen und seinen Werken, und höre alles von KING DIAMOND, FATES WARNING, MEGADETH, QUEENSRYCHE, TESTAMENT, SANCTUARY, ACCEPT, DEATH und vieles mehr. Ich glaube, dass du in der Musik von COMMUNIC einen Mix aus dem allen findest. Wir haben sicherlich keine Angst, unsere musikalischen Grenzen zu erforschen.


Ihr arbeitet momentan mit Nuclear Blast zusammen, einem der größten Namen im Metal Business. Wie ist der Kontakt zustande gekommen und wir zufrieden seit ihr mit der Unterstützung durch das Label?

Die Sache ist, dass ich diesmal alles von einem anderen Winkel aus angehen wollte und es hat sich herausgestellt, dass dies der richtige Ansatz für uns war. Wir haben es auf die "harte Weise" probiert, über den Underground und über zahlreiche Konzete auf lokaler Ebene in diversen Bands, aber es hat nicht funktionert. Es hat uns einfach nicht weitergebracht... Wir wussten, dass wir einige coole Songs haben und wollte schnellstmöglich ein professionelles Demo mit der bestmöglichen Produktion machen, das das Potential der Band und des Materials deutlich werden lässt. Die Idee war, dieses Demo eben nicht an allen und jeden zu schicken, also machten wir nur 100 Kopien. Der nächste Schritt war, ein geeignetes Management zu finden, und das fanden wir in der erwähnten dänischen Firma Intromental direkt nach der Fertigstellung des Demos. Wir standen bereits in Kontakt mit Nuclear Blast, die das Demo sehr mochten, aber zusammen mit Intromental gingen wir alle Labels an, die wir auf unserer Liste hatten, um einen Vertrag zu bekommen. Ebenfalls zur gleichen Zeit fand das Demo seinen Weg zum Rock Hard, die es in einem Review zum "Demo des Monats" erklärten und gleichzeitig landete auch ein Song auf dem Sampler des Heavy, oder was...?!-Magazins. Ich denke, einige Labels hat das zusätzlich auf uns aufmerksam gemacht und so hatten bereits kurz nach der Veröffentlichung ziemlich viele Leute ein Auge auf uns geworfen, von denen einige an der Zusammenarbeit interessiert waren. Die entgültige Entscheidung hieß Nuclear Blast und ich könnte damit nicht glücklicher sein. Es mag so aussehen, also wären wir ganz plötzlich aus dem Nichts gekommen, aber wir sind schon seit vielen Jahren in diversen Bands im Underground unterwegs, verteilen unsere Demos und so weiter. Vielleicht hatten wir diesmal einfach das nötigen Quentchen Glück...
NuclearBlast haben bereits einen tollen Job für uns gemacht. Wir sind eine ziemlich neue und junge Band auf diesem Label, aber es ist bekannt dass sie viel Mühe in die Promotion für ihre Bands stecken und sie auf Tour schicken, deshalb ist es so etwas wie die Erfüllung eines Traums, unser Debut auf die Massen loslassen zu können.


Um welche Themen geht es in euren Lyrics? Könntest du dir vorstellen, einmal ein Konzeptalbum zu schreiben, wie es ja einige Progressive Metal Acts tun?

Nun, es ist kein sehr fröhliches Album und es gibt kein fröhliches Ende... Ich habe keine festen Regeln wenn es um das Schreiben von Lyrics geht, aber alles, was mir in alltäglichen Situationen begegnet, könnte als Inspiration für einen Songtext enden. Einige der Texte entstehen aus meinen persönliches Problemen oder aus Dingen, die mich im Alltag irritieren. Manche Inputs liefern die Nachrichten und die aktuellen Probleme der Welt sowie Themen aus dem Bereich der modernen Technologien. Auch der Ozean und der Mond inspieren mich beim Verfassen der Lyrics, ebenso die Komplexität des Universums und wie klein wir Menschen sind, wenn man das gesamte Bild betrachtet. Es gibt kein übergeodnetes Konzept, das die Songs miteinander verbindet, also ist es kein Konzeptalbum. Es sind eher kleine Geschichten, die für sich selbst stehen. Aber vielleicht wird es eines Tages ein Konzeptalbum von uns geben, wer weiß?

Hast du einen Lieblingssong auf "Conspiracy In Mind"?

Mein Lieblingssong wechselt von zeit zu Zeit, aber es ist ein enges Rennen zwischen "They Feed On Our Fear" und "Silence Surrounds", den beiden längsten Songs auf dem Album. Vorallem deshalb, weil sie live sehr interessant zu spielen sind und all deine Konzentration verlangen, um das korrekte Zusammenspiel und das Timing beizubehalten.

Welches sind deine persönlichen Lieblingsbands? Hörst du auch mal Musik abseits des Metals?

Ich habe viele persönliche Favouriten. DEAD SOUL TRIBE sind großartig. Auch das letzte SAXON-Album habe ich viel gehört. Aber am liebsten habe ich es, wenn ich mich tief in meine Sammlung älterer Sachen eingraben kann. Ich bemühe mich, auch neue Sachen anzuchecken, aber es gibt in diesen Tagen so viele neue Veröffentlichungen, dass es schwer ist, am Ball zu bleiben.

Im April geht ihr zusammen mit GRAVEWORM und ENSIFERUM auf Tour. Glaubst du, dass das ein passendes Package ist? Ich meine, der Sound der beiden anderen Bands unterschiedet sich ziemlich stark von COMMUNIC...

Diese Zusammenstellung ist schon etwas merkwürdig, aber ich freue mich wirklich auf diese Tour. Es wird eine tolle Chance für die Leute sein, drei total unterschiedliche Bands auf der gleichen Bühne zu sehen und so vielleicht etwas neues für sich zu entdecken.

Ihr werdet außerdem auf dem diesjährigen Rock Hard Festival spielen. Was denkst du im Allgemeinen über Metal-Festivals? Habt ihr vor, noch anderen Open Air in diesem Sommer zu spielen?

Das Rock Hard Festival wird einfach fantastisch. Es ist wirklich eine Ehre, dieses Festival zu spielen. Ich genieße es, auf Sommerfestivals zu sein und diese Überdosis Metal an nur einem Wochenende zu bekommen. Bis jetzt haben wir nur dieses eine "große" Festival auf dem Kalender, aber vielleicht wird es noch einige mehr geben, die bis jetzt noch nicht bestätigt sind.

Was sind eure Pläne für die nahe Zukunft? Habt ihr bereits mit dem Songwriting für das nächste Album angefangen? Und hast du schon eine Ahnung, was wir davon erwarten können?

Nach diesem Sommer werden wir uns auf das neue Album konzentrieren. Wir haben schon einige Songs fertig und auch bereits viele weitere Ideen. Es scheint als ob wir den Weg des Debuts fortsetzen werden, aber ich denke, dass unser eigener Stil mehr denn je in den Vordergrund rücken und sich weiter ausdefinieren wird. Wenn alles nach Plan verläuft wird das zweite Album irgendwann Anfang 2006 erscheinen, das hängt aber noch davon ab, wie viele Live-Jobs wir demnächst angeboten bekommen werden. Warten wir ab, wie es sich entwickelt...

Das war's schon! Vielen Dank für deine Zeit und Mühe. Irgendwelche letzten Worte?

Ich danke dir vielmals für das Interview und den Support.
Checkt unser Album an und verpasst uns auf keinen Fall auf der nächsten Tour.


Weise Worte! Mehr Infos über die Band gibt es auf http://www.communic.org/.



Zurück