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Kongh - David Johansson - Oktober 2007
"Es gibt einen guten Grund, warum diese Band nicht Godzilla oder Shreck heißt..."

Von Marcel Hass


Wer jetzt noch einen passenden Soundtrack für die dunkle Jahreszeit braucht, sollte sich mal die drei sympathischen Schweden zu Gemüte führen. Ähnlich wie ihr Namensgeber kommt auch ihr beachtliches Debüt daher: groß, haarig und missverstanden, oder so ähnlich. David Johansson (Sänger & Gitarrist) gab ausführlich Antworten über schwedischen Winterzauber und schlecht gelaunte Riesenaffen.




Zuerst einmal Glückwunsch zu eurem beeindruckenden Debütalbum.


Vielen Dank, Bruder. Freut mich, dass es dir gefällt.


Fangen wir mal am Anfang an. Gib uns doch mal eine Einführung zu der Entstehung von KONGH.


Es begann im Sommer 2004. Ich spielte damals schon ein paar Jahre in einer Rockband in meiner Heimatstadt Nässjö, als ich merkte, dass ich mich musikalisch von ihnen weg entwickelt hatte. Ich wollte etwas Schweres, Extremeres und Rifflastigeres spielen. Das einzige Problem war, dass ich dafür mehrere Musiker mit ähnlichen Visionen benötigte. Mit ein wenig unerwarteter Hilfe vom geliebten Internet, kam ich in Kontakt zu Thomas, einem Vollblut-Drummer aus der Nachbarstadt Vetlanda. Er wollte ebenso in einer echten Heavyband spielen und es stellte sich heraus, dass wir die gleichen Vorstellungen hatten,was ziemlich selten ist, dort wo wir leben - glaub mir. Am darauf folgenden Wochenende wir dann unser erstes aufregendes Bier und Jam-Treffen und es war besser als erwartet. Danach verbrachten wir immer mehr Wochenenden im Proberaum und veranstalteten einen Höllenlärm. Keine Songs, sondern endlose Jams in einer infernalen Lautstärke. Nach ungefähr sechs Monaten hatten wir 2 Songs geschrieben und langsam fanden wir einen eigenen und natürlichen Stil. Aber erst im Frühling 05, nachdem die Stücke "Turn into dust" und "Zihuatanejo" fühlten wir "es". Also entschieden wir, dieses Projekt ein Schritt weiter zu führen. Wir haben uns auf die Suche nach einen Bassisten gemacht und fanden letztendlich auch einen. Ich entschied mich dann auch die Vocals zu übernehmen. Bis dahin waren alle Songs rein instrumental. Mit einem vollständigen Line-Up begannen wir mehr zu proben und mehr an unseren Songs zu arbeiten, sodass wir Anfang 2006 den Schritt aus dem Dunklen wagten. Wir riefen unseren Freund, Peter Lundin an, der zufällig in einem phantastischen Studio in Vetlanda arbeitet und buchten uns ein paar Wochenenden, um unser erstes und einzigstes Demo aufzunehmen. Ein paar Monate später waren die Aufnahmen (4 Songs / 45 Minuten) fertig und wir waren mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Im Sommer 2006 haben wir das dann an alle möglichen Magazine Musik-Websites geschickt und den Leuten schien es wirklich zu gefallen. Es dauerte nicht lange und einige Indie-Labels zeigten ihr Interesse an der Veröffentlichung eines kompletten Albums. Unser Plan nach der Veröffentlichung des Demos war, dieses an alle möglichen Clubs und Venues zu schicken, damit wir so viele Gigs wie möglich spielen können und so mit etwas Glück einen guten Plattenvertrag zu kriegen. Aber aufgrund der guten Resonanz bekamen wir den Plattenvertrag eh. Wir entschieden uns für Trust No One Recordings, und anstelle ausführlich zu touren, schließen wir uns lieber im Proberaum ein, um neues Material zu schreiben. Anfang 2007 hatten wir dann genug zusammen, um wieder ins selbe "Teknikkompaniet"-Studio zu gehen. An den Wochenenden zwischen Januar bis April nahmen wir "Counting Heartbeats" auf und es wurde am 07.07.07 veröffentlicht. Die Verkaufszahlen sind großartig und die meisten Kritiken postiv, damit sind wir sehr glücklich. Diesen Sommer fangen wir an, auf regulärer Basis Konzerte zu geben und unser Hauptziel ist es, so viel wie möglich live zu spielen.


Und wie fühlt es sich an, wenn die eigene CD im Plattenladen steht?


Es fühlt sich natürlich großartig an. Wir haben wirklich hart daran gearbeitet, sowohl im Proberaum, als auch im Studio. Wir sind mit dem Resultat sehr glücklich und es sieht so aus, dass die Leute es annehmen.


Abgesehen davon, dass es die Namen eurer Songs sind, was bedeutet "Zihuatanejo" und was hat es mit "Megaprimatus" auf sich?


Die Titel spiegeln den Inhalt der Texte nicht wirklich wieder, dafür sind sie zu abstrakt. Aber ich versuchs mal...
"Megaprimatus" ist der wissenschaftliche Name der Spezies zu der King Kong gehört. Das ganze hat nicht wirklich was mit dem Songtext zu tun, aber wir dachten es würde gut zu der schweren Atmosphäre des Songs passen.
"Zihatanejo" ist eine Stadt in Mexico. Als ich die Lyrics hierzu schrieb, wurde ich beeinflusst von einem Film der diese Stadt als das Lebensziel eines Mannes porträtierte. In dem Lied geht es darum, nach seinen persönlichen Zielen zustreben, egal um was es sich dabei handelt.




Würdest du KONGH als eine Doom-Band bezeichnen ?


Nun, es gibt neuerdings eine Menge Sub-Genres im Doom. Manche Leute, die nur das klassische Zeug hören, würden das sicher verneinen, aber ich sage, wir sind eine Doomband.
Wir sind schon ziemlich progressiv und wir haben keine Angst, verschiedene Stile zu mischen - von Prog-Rock bis hin zu Death/Trash-Metal. Wir fokussieren uns auf eine extreme Schwere, fette Riffs und wir haben über alle dem einen langsamen, dunklen und doomigen Ausdruck.
Aber es stört mich nicht, wenn uns die Leute als alles mögliche, außer Doom bezeichnen. Es liegt halt im Auge des Betrachters.


Was denkst du denn über die aktuelle Doom / Sludge-Rock- Szene ?


In Schweden gibt's da nicht wirklich so was wie eine Szene, aber ich denke in der restlichen Welt kommen jederzeit viele coole, neuen Bands raus.


Dieses Genre, der epische und atmosphärischen Rockmusik scheint ja wirklich immer populäre zu werden. Was glaubst du, wo dran das liegt?


Ich persönlich bin es leid, Musik zu spielen, die nach jeder anderen Band klingt. Es nimmt dem kreativen prozess den ganzen Spaß. Rockmusik gibt es jetzt seit ungefähr 60 - 70 Jahren. Das sind abertausend Bands, die all die gleichen verdammten Songstrukturen nutzen. Ich denke, es ist an der Zeit, die Meinung darüber neu zu definieren, wie ein Song klingen könnte. Diese Art von Musik wird immer populärer, weil die Leute es leid sind, Songs zu hören, denen jegliche Tiefe fehlt.


Gibt es denn noch weitere Musikstile in die ihr intressiert seid, sie auszuprobieren? Abgesehen von Rock und Metal?


Ich denke der Kern der Band wird immer auf Rock/Metal basieren, aber wir haben uns keinerlei musikalische Grenzen gesetzt, die wir nicht überschreiten wollen.
Wir haben mit dem Schreibprozess für das nächste Album noch nicht angefangen, deshalb ist es schwer zu sagen, was jetzt folgen wird, aber erwarte etwas Neues und Frisches.


Was sind denn eure künstlerischen größten Einflüsse?
Mmmh, schwer zu sagen, welche Band oder welches Kunstwerk den größten Einfluss hat.


Wenn wir Musik machen, denken wir an solche Sachen nicht, aber ich nenne dir mal ein paar persönliche Favoriten.
Bands: YOB, Mastodon, Black Sabbath, Melvins, Necrophagist, Switchblade, Neurosis, High On Fire, Sleep, Buried At Sea,etc.
Movies: The Omen, Picnic at Hanging Rock, King Kong, The Innocents, iget, Mullholland Drive, A tale of two Sisters, A Clockwork Orange, Shining, Texas Chainsaw Massacre, The Shawshank Redemption, Time Machine, etc.


Was ist so besonders an Schweden - ich meine, wenn man sich Bands anhört wie Breach, Cult Of Luna, Switchblade und jetzt Kongh. Habt ihr da was im Grundwasser, das ihr diesen besonders dunklen und intensiven Sound habt?


Vielen Dank! Wir hören öfter, dass die Leute viel Gutes über die schwedische Musik sagen. Besonders wenn es um "diese" dunklen und atmosphärischen Sounds geht. Es ist ein wenig schwer zu beantworten, da ich nie woanders gelebt habe, aber ich denke, dass das Wetter und unser Klima einen großen Einfluss hat, mehr als in anderen Ländern. Mich persönlich inspirieren die schwedischen Wintern sehr. Es ist frostig kalt und total dunkel für fast 6 Monate. Ich möchte nicht sagen, dass ich es besonders liebe, weil es wirklich schrecklich sein kann. Aber auf der anderen Seite kann es auch sehr schön sein und es findet leicht einen Weg, in Kunst mit einzufließen. Aber vergiss nicht, dass auch eine Menge fröhliche und poppige Bands aus diesem Land kommen. Ich wette, die lieben den Schnee und finden keine Schönheit in der Dunkelheit.


So, ich hab gehört, ihr Jungs spielt auf dem kommenden Roadburn Festival in Tilburg. Ziemlich cool, nicht wahr?


Total! Es ist eine wahre Ehre auf dem Lin-Up vom Roadburn zu sein und es wird ein großes Vergnügen sein, dort zu spielen. Jeder von uns wollte dort seit ein paar Jahren hin, aber dieses Mal wird uns nichts davon abhalten können.


Wie ist deine Sicht der Dinge auf die Welt im Jahre 2007?


Viel Schönheit und viel Hasslichkeit gemeinsam in einem Kreislauf des Chaos.


Und womit verdient ihr euren Lebensunterhalt?


Ich arbeite in einem Handel für Musikinstrumente. Thomas studiert, um Audio-Ingenieur zu werden. Oskar arbeitet zur Zeit an einem schrecklichen Platz, wo Metall geschmolzen wird. Er wird sicherlich bald kündigen, ansonsten habe ich die Befürchtung, er könnte sich dort selbst verletzten. Diese Arbeitsstelle ist verdammt gefährlich.


Erzähl mir was über eurer Label Trust No One Recordings.


Es ist ein Ein-Mann-Label, welches von einem großen Typen namens Tim geleitet wird. Er ist Drummer bei Switchblade. Sie haben eine ganze Menge an coolen Veröffentlichungen in ihrem Katalog, einschließlich Khanate, Isis, Candlemass, Old Man Gloom und viele andere. Wir sind über die Zusammenarbeit sehr glücklich.


Von welchen Alben bist du denn zur Zeit am meisten besessen?


Wirklich besessen bin ich zur Zeit von einer Band namens Zombi. Es ist ein amerikanisches Prog-Rock Duo, das hauptsächlich mit Drums, Bass und einer massiven Ansammlung von Synthesizern arbeitet. Große, atmosphärische und wunderschöne Soundscapes. Ich höre all ihre Alben, aber wenn jemand die jetzt abchecken will, empfehle ich, mit ihrem letzten Opus "Surface to air"zu beginnen.


O.K., Zombi Check, wird gemacht. Hast du eine Kern-Philosophie, nach der du lebst?


Ich versuche täglich eine unabhängige Philosophie zu entwickeln, aber ich mach nicht wirklich Fortschritte.




Wenn Kongh zu einem Filmsoundtrack machen würden, zu welchem Streifen wäre das?


Dieser Andy Warhol Film, der ausschließlich einen schlafenden Typen im Bett zeigt und das sechs Stunden lang.


Was steht denn als nächstes bei euch an? Wie stehts mit Konzerten in Deutschland?


Unsere Pläne sind - wie gesagt - soviel wie möglich live zu spielen. Für das restliche Jahr werden wir auf ein paar schwedischen Festivals spielen, eine Skandinavische Tour mit Switchblade und eine Deutschlandtour mit Ocean Chief! - Genaueres bitte abchecken unter kongh.net oder tinnitus-Tourdaten. Ich hoffe euch dort zu sehen.


Ok. und was war nochmal dein Lieblingsmonster?


Lass es mich so sagen: Es gibt einen guten Grund, warum diese Band nicht Godzilla oder Shreck heißt...



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