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Adam West - Steve, Jim, Mario, 20.10.2006
"Maybe we're old-fashioned."

Von Christian Bartlau



"Jake wird das Interview nicht machen - ist das okay für dich ?" Na klar ist das okay, sage ich und streiche in Gedanken fünf Fragen vom Zettel. Aber auch oder gerade ohne den Frontmann erweisen sich Adam West als äußerst angenehme Burschen, die nur ein bisschen Rock'Roll in die Welt heraustragen wollen.

Seit 2000 tourt ihr jedes Jahr mindestens fünf Wochen in Europa. Habt ihr ständig Sehnsucht nach Good Old Europe ?

Steve: Ja. Wir lieben es hier. Wir könnten in den Staaten touren, allerdings haben wir dort kein Label, also bekämen wir keine Unterstützung. Die Clubs hier behandeln die Bands auch viel besser, die Leute sind viel besser drauf. Es macht halt viel mehr Spaß als in den USA.

Warum ist die Situation für Bands wie euch so schwierig in den USA ?

Steve: Es gibt da sicher verschiedene Gründe. Es gibt halt so viele Bands. Wenn du dir New York anschaust, dann sagen die Leute: Warum sollte ich mir deine Band anschauen, ich könnte tausende von Bands sehen. Und es ist halt so,dass die Einstellung zu Musik und zum Leben ganz anders ist. In Europa schätzen die Leute Kunst viel mehr. In den Staaten schauen sie viel lieber Fernsehen. Das Leben vieler Amerikaner dreht sich hauptsächlich um Arbeit und Fernsehen. Europäer sind viel sozialer, sie gehen in Bars um Live-Musik zu sehen. Die Atmosphäre ist einfach viel besser.

Habt ihr zuhause in Washington keine Szene ?

Steve: Es gibt eine Szene, aber keine Rock-Szene. Eigentlich ist Adam West eine komplett untypische Band für DC. Es ist so, dass uns viele Leute von dort hassen - worauf ich sehr stolz bin.(lacht)

Also gibt es wirklich nur Dischord in DC ?

Steve: Ja, das ist wirklich so. Die Leute die in der Dischord-Szene drin sind, haben eine sehr elitäre Einstellung. Wenn du nicht machst, was sie machen, wollen sie nicht mal mit dir reden. Ich kriege das mit, ich gehe oft in Clubs und werde schief angeschaut, weil ich nicht wie ein typischer DC-Typ aussehe.

Ich verstehe das nicht ganz. Ihr passt zwar nicht komplett in das DIY-Ding, aber Jake hat sein eigenes Label, ihr stellt also was auf die Beine ...

Steve: Ach, weißt du - die sind einfach sehr intolerant. Die schauen auf dich herab wenn du nicht genau das tust, was die machen. Aber wir spielen Rock'n'Roll, das ist rebellische Musik, also ist uns das scheißegal. Und offensichtlich mögen uns auch viele Leute. Have a beer, have a good time - and if you don't like us, fuck you.

Wenn ich das richtig nachgezählt habe, dann ist das wohl das vierzehnte Band-Lineup seit der Gründung - ist es unmöglich konstant mit Jake zu arbeiten oder was ist das Problem ? (schallendes Gelächter)

Steve: Nein, eigentlich bin ich es, mit dem man schwer arbeiten kann. Es ist einfach so dass es in DC nicht viele Leute gibt die Rock'n'Roll spielen. Ich meine um Jim zu finden mussten wir in Richmond, Virginia suchen. Das ist zwei Stunden weit weg. Also mussten wir außerhalb von DC suchen um überhaupt einen guten Drummer zu finden ... ähm, einen großartigen Rock-Drummer.

Jim: Danke.

Steve: Wir hatten Mitglieder in Philadelphia, Baltimore ... aber manchmal haben wir auch Glück. Mario kommt sogar auch derselben Nachbarschaft.


Mario, du bist also "der Neue". Wie habt ihr euch getroffen ?

Mario: Ich kannte Jake zufällig aus ein paar Bars und so. Ich spiele in einer anderen Band, und die Jungs haben halt nach einem Ersatz für den alten Gitarristen gesucht. Jake fragte dann meine Band ob sie jemanden wüssten, und ich meinte: wie wärs mit mir ? Und es klappte dann gut.

Ich hab mich gefragt was für ein Typ man sein muss, um bei Adam West zu sein. Zuallererst einmal muss man wohl körperlich fit sein. Euer Tourplan ist geradezu mörderisch, 35 Termine hintereinander, fast ohne Pause.

Steve: Ich glaube, viel eher muss man psychisch krank sein. (Gelächter)
Im Ernst: wir haben ja zwei Tage in Schweden frei. Aber das war nicht unsere Schuld, schwedische Promoter sind einfach unfähig.(Gelächter)

Jim: Also letztes Jahr hatten wir wirklich keinen Tag frei.


Wie steht man das körperlich durch ?

Mario: Wenn man die Bühne betritt, dann ist da irgendwas, was all die Erschöpfung vom vorigen Tag pder der vorigen Nacht wegwischt. Es ist das erste Mal das ich so viele Shows hintereinander spiele. Aber da ist das Publikum, das dir Energie gibt, und jede verdammte Nacht, wenn wir auf der Bühne stehen, passiert es einfach.

Jim: Ich mag diese Herausforderung. Manchmal fühlst du dich den ganzen Tag wie Scheiße. Du denkst dir: Wie soll ich das schaffen ? Aber man kann sich dann auch ein paar Sachen beweisen, und das macht dann Spaß.


Würdet ihr euch als Live-Band bezeichnen ? Viele Leute sagen, dass ihr auf Platte zwar gut seid, aber live noch viel besser.

Steve: Ja, definitiv. Wir können diese Energie nicht im Studio einfangen, das ist einfach unmöglich. Aufnahmen machen Spaß, aber Konzerte sind einfach der beste Weg um uns zu hören und zu erleben.

Die zweite Voraussetzung die man wohl erfüllen muss, um in Adam West zu sein - man muss wohl ein echter Musikliebhaber sein. Ihr bringt alles auf Vinyl, meistens Coloured-Vinyl raus, und seid enttäuscht wenn das nicht klappt ...

Steve: Jake ist der große Plattensammler, deswegen ist er da so hinterher. Ich liebe es auch wenn wir etwas auf Vinyl veröffentlichen können. Glücklicherweise veröffentlichen People like you ... (das Label von Adam West, Anm. des Verfassers) auch alles auf Vinyl. Wir wollen auch unsere ersten ausverkauften Platten nochmal rausbringen, aber nicht auf CD, das ist nicht interessant.

Warum bevorzugt ihr Vinyl ?

Steve: Es klingt anders. Ich würde nicht mal sagen dass es besser klingt. Das digitale Recording hat sich ja qualitativ enorm verbessert. Ich weiß auch nicht ... maybe we're old-fashioned. We're old men. (lacht)

Jim: Schon die Größe und das Artwork machen so viel aus. Aber ehrlich, bevor ich bei Adam West war, hab ich darauf nicht so geachtet.

Steve: Für mich ist das Hören von Musik eine Erfahrung. Ich liebe es, dabei auch Linernotes zul esen und so. Und Vinyl ist größer. Wir sind Amerikaner. Größer ist besser.


Wo wir vom Artwork sprechen: tragt ihr dazu auch einen Teil bei oder macht Jake das allein ?

Steve: Beim letzten Album hat Jake das gemacht, aber normalerweise haben wir alle was zu sagen. Jake und ich haben manchmal verscheiden Ideen, für "Right On" zum Beispiel hatte er ein Artwork gemacht, ich konnte es nicht leiden - unsere Plattenfirma hat das Artwork dann angelehnt an meine Ideen überarbeitet. Jake hats dann auch so wie ich gesehen.(lacht)

Es würde in das Bild der authentischen Rock-Band passen, wenn ihr Vintage-Equipment benutzen würdet - ist dem so ?

Mario: Nicht unbedingt. Ich besitze zwar Vintage-Zeug, aber es ist nicht immer die beste Idee, das auch auf Tour zu benutzen. Bei den Aufnahmen ist das natürlich etwas anderes, da benutze ich es gern. Ich habe zwar eine Vintage-Gitarre mit, aber ich hab sie noch nicht ausgepackt. Die ist eher zur Sicherheit mit. Steve ist der Sammler.

Steve: Ja, ich sammle das Zeug. Ich nehme das aber auch nicht auf Tour mit. Der Bass, den ich live spiele, hat Vintage-Pick-Ups. Ich bin fast abhängig davon. Ich versuche meine Ausgaben auf dem Gebiet zu beschränken. Ich habe einfach zu viele Gitarren zu Hause. Ich versuche mein Geld für andere Sachen auszugeben - Motorräder zum Beispiel.

Jim: Ich kann einfach keine Vintage-Sachen benutzen weil ich alles zu schnell kaputt mache. Das Problem ist, dass du so alte Sachen nicht wieder heil bekommst, vor allem Becken nicht. Ich habe ein einziges Vintage-Becken an meinem Drumkit, und ich werde heuen wenn ich das kaputt gemacht habe . Und dann muss ich es mit dem Scheiß ersetzen, den sie heutzutage herstellen.

Steve: Wir haben außerdem einen Vintage-Sänger. (Gelächter)


Nehmt ihr digital oder analog auf ?

Steve:"Power to the People" wurde digital aufgenommen. Und vorher war es gemischt, nur die ersten beiden Platten waren komplett analog.

Ihr habt es auf eine wrklich beachtliche Diskographie gebracht. Wie muss man sich euren Arbeitsrhythmus vorstellen ?

Steve: Das ist eine gute Frage, das hat sich nämlich über die Jahre ziemlich geändert. Vor ein paar Jahren sind wir sehr schnell aufnehmen gegangen, teilweise nur einzelne Songs für eine Compilation oder so. In den letzten Jahren war das aber alles nicht mehr so hektisch. Aber sobald wir wieder zurück sind werden wir sofort wieder aufnehmen, vielleicht eine EP rausbringen. Es gibt da ein Label in den Staaten, das eine EP rausbringen würde.

Jim:"Power to the People" haben wir zum Beispiel in zwei Sessions gemacht. Einmal vier Tage und dann hatten wir schon zwei Drittel fertig, Jake hat dann noch eine Woche gemischt. Danach haben wir dann noch einen Block mit zwei Tagen gemacht, an denen wir den Rest gemacht haben. Es hat also zwar ziemlich lange gedauert, aber die eigentlichen Aufnahmen waren in kurzen Blocks verteilt.


Zurück zur Live-Situation. Wenn ihr so viele Konzerte hintereinander macht, verändert ihr die Setlist oft ?

Steve: In den letzten Jahren waren wir da ziemlich faul. Aber jetzt versuchen wir schon ein paar verschiedene Songs reinzuschmeißen. Wir einigen uns auf ein paar Songs die wir auf jeden Fall spielen, der Rest wird dann halt spontan gemacht.

Jim: Es ist meist so dass wir das erst kurz vor dem Konzert durchgehen, und dann machen wir noch ein paar Game-Time-Decisions.

Mario: Wir sind natürlich auf dieser Tour ein wenig limitiert, weil ich erstmal nur so 30 Songs lernen konnte. Es ist also nicht so dass wir aus einer endlosen Liste von Songs schöpfen könnten. Sorry, Guys ...

Jim: Nächstes Jahr werden wir also etwas variabler sein. Ich hoffe dass wir beim nächsten Mal zwei komplett verschiedene Sets haben.


Letzte Frage: Was hält euch bei dem enormen Tourstress im Tourbus wach ?

Steve: Ich habe keine CDs mit dieses Jahr. Wir hören hauptsächlich Jims Zeug. Und da ist viel Motörhead dabei.

Jim: Wir haben natürlich alle verschiedene Geschmäcker. Ich höre zum Beispiel viel Rancid, das können die anderen überhaupt nicht ausstehen. Aber auf Leatherface, Raging Slab und Alice Cooper können wir uns einigen.
Ich versuche halt immer ein wenig neuere Sachen reinzubringen, die ich auch zuhause höre. Ich weiß aber nicht ob die anderen das wirklich gut finden.(lacht)


Vielen Dank für das Gespräch.



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