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Zum mittlerweile 19. Mal ging das Wacken anno 2008 über die Bühne und, so viel steht wohl fest, es war mal wieder das größte seiner Art. Offiziell gut 75000 Leute machten das norddeutsche Metal-Mekka endgültig zur medialen Großveranstaltung, was sicherlich nicht nur Gutes hat. Das Ende der Fahnenstange ist in Bezug auf die Besucheranzahl jedenfalls erreicht, und was die Preise angeht hoffentlich auch. Die Angereisten ließen sich den Spaß wie jedes Jahr aber von nichts und niemandem vermiesen und da das Wetter relativ gut mitspielte und es auch in Sachen Organisation nur wenig zu bemängeln gab, war das diesjährige W:O:A wieder eine sehr sehr große, sehr sehr laute Party. Und auch das hochkarätige Line-Up hielt größtenteils, was es versprach...
Mittwoch
Bereits einen Tag vor offiziellem Festivalbeginn kann man wie auch in den letzten Jahren schon die ersten Bands begutachten, die die vielen tausend früh Angereisten bespaßen sollen. Genau dieses machen Metakilla, eine waschechte Metallica-Coverband, auch prima. Klassiker wie "Blackened", "Creeping Death", "Seek and Destroy" oder "One" werden jedenfalls von so vielen Leuten abgefeiert, dass nicht nur das Zelt, sondern auch der Platz vor den Eingängen von Leuten übervölkert war. Ein netter Gig und ein gelunges "...and tribute for all". (Nils)
Anschließend gibt sich ein Künstler die Ehre, der seit einigen Jahren nicht mehr vom Wacken wegzudenken ist und der kurioserweise dennoch rein gar nichts mit Metal im eigentlichen Sinn zu tun hat. Klar: Die Rede ist von Mambo Kurt. Auch den gefühlten 48384. Auftritt wollen sich noch locker 2000 Metaller ansehen und werden auch dieses Mal nicht enttäuscht. Auch wenn die Masche mittlerweile absolut vorhersehbar ist, kann man sich Mambo's Charme mit 8-10 Bier nur schwer entziehen. Ein buntes Potpourri aus Pop/Rock/Metal-Klassikern, veredelt durch die Heimorgel und mal als Polka, Walzer oder Polonaise-Beat dargeboten, begeistert die meisten Anwesenden. Als aber Kurt's äußerst attraktive "Assistentin" Jessica auf die Bühne geholt wird und den uralten Depeche Mode-Klassiker "I just can't get enough" zum Besten gibt, bricht das Eis auch bei den letzten Nörglern. Die langen und ausdauernden "Ausziehn! Ausziehn!"-Rufe werden leider nicht in die Tat umgesetzt, aber immerhin darf sich Mambo Kurt noch auf der Bühne über ein ganz besonderes Geschenk seiner Begleitung freuen: Einen von Jessica eigens getragenen goldenen Schlüpfer. Wenn das mal nichts ist... (Nils)
Donnerstag
Normalerweise gilt die "Night to remember" nicht gerade als Headliner-Tag, doch mit Iron Maiden gibt es dieses Jahr den am meisten erwarteten Gig des gesamten Festivals. Den ganzen Tag über kann man die Vorfreude auf diesen spektakulär angekündigten und für Deutschland 2008 exklusiven Auftritt spüren. Um einigermaßen sinnvolle Plätze zu ergattern, muss man allerdings schon früh auf dem Festivalgelände sein und sich gezwungenermaßen Vorbands angucken. Bei Lauren Harris gibt's immerhin viel für die Optik (dass der gute Steve SO hübsche Nachfahren hinbekommen kann...) aber wenig für's Gehör. Der ziemlich schlicht gestrickte Hardrock geht meist völlig am Publikum vorbei und so bleibt der Eindruck, dass der Papa ein gutes Wörtchen für den Auftritt seiner Tochter eingelegt hat. (Nils)
Dass Australier ein richtig gutes Händchen für hervorragenden Rock'n'Roll haben, weiß man nicht nur von Bands wie AC/DC oder Rose Tattoo. Airbourne stehen genau in dieser Tradition und sind mit ihrem starken Debüt "Runnin' Wild" weltweit mächtig eingeschlagen. Und die Jungs können auch auf der Bühne vollends überzeugen: Hits wie "Stand Up For Rock'n'Roll", "Too Much, Too Young, Too Fast" oder "Blackjack" sind wie geschaffen für Gigs und räumen im Publikum dementsprechend amtlich ab. Fronter Joel O'Keeffe sorgt für zusätliche Begeisterung als er samt Explorer die Bühne erklimmt und im Gerüst verhakt aus knapp zehn Metern Höhe weiterspielt. Die Meute ist in jedem Fall begeistert... So lässt man sich gerne musikalisch aufwärmen. (Nils)
Der nächste Gig sorgte schon seit seiner Ankündigung für Unbehagen bei mir. Avenged Sevenfold sind genau eine dieser mittlerweile unzählbaren amerikanischen Rock/Metal-Bands, die orientierungs- und stillos durch die Gegend wurschteln und dann auch noch in regelmäßigen Abständen als die Rettung harter Musik glorifiziert werden. Genau diese Einstellung können die Kalifornier auch genau bestätigen: Völlig kopflos gibt's ein wüstes Kuddelmuddel aus Power Metal, Glam Rock, Metalcore, stumpfem Ami-College-Punk und allerlei anderen Verirrungen. Es gibt Bands, die auch aus den absurdesten Genre-Mischungen gute Songs machen können, aber Avenged Sevenfold gehören sicherlich nicht in diese Kategorie. Beschissene Songs und eine unsympathische Band, die auch optisch gar nicht zum Wacken passt. Wenn man sich dann überlegt, dass so etwas direkt vor Iron Maiden und damit vor zig Tausenden Leuten spielen darf, dann braucht man kein paranoider Konspirations-Nerd zu sein, um zu merken, dass Bands von großen Labels nun mal einfach das nötige Kleingeld haben, um angenehme Slots für ihren Auftritt zu organisieren... (Nils)
Der Vorfreude auf Iron Maiden kann das aber keinen Abbruch tun und nach langen zwei Stunden Warten eröffnen die Urgesteine ihren Gig zunächst mit der legendären Churchill-Rede von "Live After Death" und dann originalgetreu mit "Aces High". Da sich das Publikum allerdings schon stark vor den Bühnen komprimiert hat, gibt es mit Einsetzen der ersten Note ein übelstes Geschiebe und Gedränge, Menschen stolpern über andere Menschen und die Situation scheint für einige Zeit völlig außer Kontrolle zu geraten. Vielen Anwesenden steht verständlicherweise die Panik in den Augen und die Ordner am Graben haben alle Hände voll damit zu tun, flüchtende Crowdsurfer aus der Menge zu fischen. Dass es bei der Größe des Wacken Open Airs keinen Wellenbrecher gibt, ist aus meiner Sicht grob fahrlässig. Ich bin kein großer Freund dieser Teile, aber ab einer gewissen Menschenmenge machen sie einfach Sinn. Zurück zur Musik: Ganz im Sinne des Gig-Mottos "Somewhere Back in Time" feuern Iron Maiden einen 80er-Hit nach dem anderen in die grenzenlos begeisterte Menge. "2 Minutes to Midnight", "Revelations", "Wasted Years", "Can I Play with Madness", das brillante "Rime Of The Ancient Mariner" - die Songs stimmen, der Sound stimmt und die eisernen Jungfrauen geben sich extrem spielfreudig. Mit "Moonchild" und dem fantastischen "Powerslave" gibt es auch mal seltener Gespieltes und mit "The Trooper", "Fear Of The Dark", "Run To The Hills" und natürlich "Number of the Beast" die obligatorischen und unverzichtbaren Perlen. Ich persönlich hätte zwar den einen oder anderen dieser Songs gerne gegen fast schon unterschätzte Klassiker wie "Children Of The Damned", "Caught Somewhere in Time", "Sanctuary" oder neuere Hits a la "Brave New World" getauscht, aber man kann nicht Alles haben. Maiden machen unter'm Strich aber alles richtig, was man so richtig machen kann und entlassen ca. 70000 vollends zufriedene Kopfschüttler in die Wackener Nacht. (Nils)
Freitag
So kennt man das vom Wacken: Völlig verkatert aus dem Zelt klettern, verdutzt auf die Uhr und die Running Order gucken, schnell ein Bier gefrühstückt und eins für den Weg mitgenommen und auf zur Black Stage gehechtet, um endgültig in den Festivaltag zu starten. In diesem Jahr sind Grave der freitägliche Wachmacher - und mal im Ernst: Brecher wie "You'll Never See", "Into the Grave", "Soulless" (jaja, Titelsongs waren angesagt), "Turning Black" oder das extrem heftige "Burn" sind zig Mal effektiver als ein halbes Dutzend Tassen Wackener Kaffee. Abgesehen von diesen mehr oder weniger alten Klassikern geben Meister Lindgren und Konsorten auch noch Kostproben vom neuen Album "Dominion VIII", die sich fast nahtlos in die souverän vorgetragene Darbietung einreihen. Guten Morgen! (Nils)
Nach dem extrem lauten und streckenweise leider etwas rumpeligen Aufwärmprogramm der schwedischen Kollegen kann sich im Anschluss die Prog-Death-Legende Cynic auf der Party-Stage über einen wesentlich differenzierten (vielleicht aber auch ein wenig zu leisen) Klang freuen. Der ist bei der vielschichtigen Mucke der Amis auch bitter nötig, gehört die nach über zehn Jahren Pause vor kurzem wiedervereinte Truppe doch noch immer zu dem Anspruchsvollsten, was sowohl die Death Metal-Szene als auch das diesjährige Wacken-Billing zu bieten hat. Daneben sorgt auch das sich weiter verschlechternde Wetter dafür, dass Cynic wohl nicht zu den großen Publikumsmagneten dieses Festivals gezählt werden dürfen. Die relativ wenigen Anwesenden werden es allerdings dennoch nicht bereut haben, schließlich bietet die Band eine beeindruckende Demonstration der noch immer ziemlich einmaligen Fähigkeiten der beteiligten Musiker - allen voran natürlich Frontmann Paul Masvidal und sein ehemaliger Death- und Aeon Spoke-Kollege Sean Reinert. Große Entertainer sind die Bandmitglieder dagegen freilich nicht, so dass man was die Kommunikation mit dem Publikum betrifft eher phlegmatisch und fast schüchtern wirkt. Dafür hat man mit "Focus" natürlich ein echtes Meisterwerk im Gepäck, welches heute fast vollständig und in der Reihenfolge der Album-Trackliste Eingang ins Live-Programm findet und dabei durch ein paar Stücke des im Oktober erscheinenden neuen Cynic-Albums "Traced In Air" aufgelockert wird. Mit dem obergenialen "Focus"-Rauswerfer "How Could I" beendet die Band folgerichtig einen ungewöhnlichen aber tollen Auftritt, der nicht unbedingt für ausgelassene Feierstimmung, dafür aber für viele offene Münder und große musikalische Momente gesorgt hat. (Philipp)
Am Nachmittag feiern The Rotted, das death'n'rollige Nachfolgeprojekt der britischen Grindcore-Rüpel Gorerotted, ihre deutsche Festival-Premiere und gleichzeitig die Verabschiedung ihres Bassisten Wilson. Doch nach melancholischer Abschiedsstimmung ist im gut besuchten WET Stage-Zelt wenig zu spüren. Stattdessen werden die brutalen Kracher a la "Nothing But A Nosebleed" oder "The Body Tree" von der aktuellen Rotted-Langrille "Get Dead Or Die Trying" sowie natürlich auch ein paar alte Gorerotted-Brecher der Marke "Only Tools And Corpses" mit heftigen Moshpits begleitet. Ein toller Gig der Engländer, der mal wieder eindrucksvoll belegt, dass zum einen auch extreme und undergroundige Acts gut auf dem Wacken funktionieren und dass zum anderen ein nachmittäglicher Slot in dem im Vergleich zu den Open Air-Bühnen wesentlich familiäreren Festzelt für eine aufstrebende Band nicht unbedingt ein Nachteil sein muss - zumal die heute etwas instabilen Wetterverhältnisse definitiv ein Argument für eine überdachte Location sind. (Philipp)
Opeth sind nicht erst seit gestern die beste progressive Extrem-Metal Band dieses Planeten, aber dennoch ist es erstaunlich, welchen Popularitätsschub die Schweden seit dem vorletzten Album "Ghost Reveries" erfahren haben. Ein Grund sind sicherlich die ausgiebigen und qualitativ höchstwertigen Gigs, die sich mittlerweile auch zur Wacken-Organisation durchgesprochen haben. So haben die Mannen um Mastermind Mikael Akerfeldt einen deutlich angenehmeren Slot als noch vor zwei Jahren. Opeth jedenfalls demonstrieren mit einem erinnerungswürdigen Gig auch auf dem Wacken ihre absolute Ausnahmestellung in der harten Musikszene. Wer so vertrackte Songs wie "Demon Of The Fall", "The Baying Of The Hounds", "Master's Apprentices", "Heir Apparent", "Wreath" und "The Drapery Falls" derart abgezockt und trotzdem leidenschaftlich spielen kann, ist einfach unantastbar. Darüberhinaus ist auch Mikael Akerfeld immer noch obersympathisch und wirkt mit seinem intelligenten und charmanten Zynismus nach wie vor kein bisschen abgedroschen. Glücklicherweise erwischen Opeth auch noch einen astreinen Sound und müssen so als einer der absolut stärksten Acts des diesjährigen W:O:As gezählt werden. Brillant! (Nils)
Welche Band wäre besser geeignetet, etwas nostalgisches Old-School-Death-Metal-Feeling auf eine 80.000-Besucher-Mammutveranstaltung wie dem Wacken Open Air zu zaubern, als Massacre? Kein Wunder, dass sich nicht wenige Besucher das Treiben auf der Party-Stage anschauen und -hören wollen, zumal dies der vorerst (oder gar endgültig?) letzte Gig der Florida-Legende sein soll. Doch von Wehmut und Nostalgie ist nichts zu spüren, stattdessen präsentiert man sich gewohnt unbekümmert und bodenständig. Dabei glänzt insbesondere der in einem etwas albernen Helloween-Skelettkostüm auf der Bühne erscheinende und sich selbst als "coolsten Opa der Welt" feiernde Frontmann Kam Lee mit seinen dreckigen Witzen, die u.a. auch mal zu Lasten eines sich nach Kam's Aufforderung tatsächlich entblößenden weiblichen Zuschauers gehen. Aber auch die beiden Six Feet Under-Recken Steve Swanson und Terry Butler scheinen äußerst gut drauf zu sein und setzen gemeinsam mit Nasty Savage-Trommler Curtis Beeson dem kopflastigen Sound der zeitgleich spielenden Opeth die stampfen Grooves und eingängigen Riffs wahrer Genreklassiker wie "Dawn Of Eternity", "Biohazard" und natürlich "From Beyond" entgegen, die das Publikum standesgemäß mit einer odentlichen Portion "good friendly violent fun" feiert und sich dabei zufrieden im Schlamm suhlt. Eine äußerst gelungene Zeitreise in die frühen 90er, die das kultige Quintett gerne noch einmal wiederholen darf... (Philipp)
So viel man auch jedes Jahr über die Running Order schimpft: Im Falle von The Haunted haben Uns-Hübner & Co. alles richtig gemacht. Eine derart heiße Band eben nicht nachmittags auf einer der Hauptbühnen zu verbraten, sondern zum Mini-Headliner auf der Party Stage zu machen, ist das Klügste, was man tun kann. Aber vielleicht konnten die Björlers durch ihren Doppelauftritt mit At The Gates da ja auch ein Wörtchen mitreden... Wie dem auch sei: The Haunted beweisen, dass sie der Spielzeit absolut würdig sind. Zwar liegt der Fokus heute deutlich auf neuerem Material, aber "No Compromise", "99", "Abysmal", "The Flood" oder "The Medication" sind einfach starke Nummern, die jeden Gig bereichern. Trotzdem darf man mäkeln, dass ein derartiges Kracheralbum wie "One Kill Wonder" ziemlich abgespeist wird und man (soweit ich mich korrekt erinnere) nur "DOA" bewundern darf - einen Übersong wie "Godpuppet" außen vor zu lassen, sollte eigentlich unter Strafe gestellt werden. Dass Peter Dölving nach wie vor ein streitbarer Zeitgenosse ist und diesen Status durch seine teilweise hinrissigen Ansagen auch nicht ändern wird, ist ebenfalls erwähnenswert. Alles in allem liefern The Haunted aber einen großartigen, energiegeladenen Gig mit cooler Lichtshow und fettem Sound, an den man sich noch länger positiv erinnern wird. (Nils)
Dem Lob an die Billing-Verantwortlichen kann man sich bezüglich des The Haunted Gigs sicherlich anschließen, dafür greift man bei der Auswahl des heutigen Black Stage-Headliners meiner Meinung nach gehörig ins Klo: Gorgoroth mögen eine ganz passable Black Metal-Underground-Krachcombo sein, aber ihren späten Slot auf einer der beiden Hauptbühne dürften die Norweger weniger den musikalischen Qualitäten als vielmehr einem albernen medialen Kleinkrieg sowie der angeblich ach so provokativen Bühnenshow, die von den meisten Anwesenden im Gegensatz zu dem medienwirksamen Polen-Gig vor ein paar Jahren hier und heute lediglich mit einem müden Schulterzucken gewürdigt wird, zu verdanken haben. Dann doch lieber ehrlichen Auffe-Fresse-Thrash - und vielleicht doch noch ein paar wenige Stunden Schlaf... (Philipp)
Samstag
Eine so einflussreiche und verdiente Band wie Exodus um 12 Uhr morgens auf die Bühne zu schicken, ist aus meiner Sicht schlicht und ergreifend respektlos. Zum Glück fiel irgendwo irgendwas aus und Gary Holt und Anhang werden zumindest einige Stunden weiter in den Tag geschoben. Dass die Bay-Area Legende genau wie The Haunted am Vortag die Party Stage headlinen hätten können, beweist die große Anzahl der Thrash-Fans vor der Hauptbühne. Kein Wunder, denn Exodus haben noch kein einziges schlechtes Album veröffentlicht und die drei bärenstarken letzten Alben können viele neue Fans ziehen. Nach drei Takten haben die Kalifornier dann auch schon den Gig in der Tasche: Wer einen Auftritt mit "Bonded by Blood" eröffnet, hat automatisch gewonnen. Danach folgt Großartiges auf Großartiges - "A Lesson in Violence", "Strike Of The Beast" oder "War Is My Shepard". Auch die neuen Songs "Funeral Hymn" und "Children Of A Worthless God" kommen hervorragend an. Spätestens beim hammerharten "Deathamphetamine" tobt dann auch der größte Circle Pit des gesamten Festivals, der mindestens die Hälfte des Konzerts bestehen bleibt. Kein Wunder, denn wenn man von einer Frontmaschine wie Rob Dukes angeschrien wird, sich doch endlich zu bewegen, helfen keine Widerworte. Schade nur, dass speziell der Gitarrensound doch etwas matschig ist und sich die tollen Gitarrenduelle der neueren Songs etwas im Soundbrei verlieren. Nichtsdestotrotz liefern Exodus einen ganz herausragenden Gig ab und das obwohl nicht mal eigentlich unverzichtbare Klassiker wie "Toxic Waltz" oder "Fabulous Disaster" auf der Setlist standen. (Nils)
Man mag von Hatebreed halten was man will, aber die Jungs haben sich ihren nachmittäglichen Slot auf dem Wacken genauso verdient wie manche Power Metal-Kombo. Genügend Metalcore-Afficionados gibt es hier sowieso und so durfte es auch niemanden ernsthaft überraschen, dass sich viele Tausende vor einer der Hauptbühnen eingefunden haben, um die Amis um Front-Brüllwürfel Jamey Jasta gebührend abzufeiern. Obwohl Hatebreed den gesamten Set über leichte bis mittelschwere Soundprobleme haben, beweisen sie ziemlich locker, dass fiese Hardcore-Stampfer wie "Tear It Down", "This Is It", "Live For This" oder "Perseverance" anno 2008 ganz hervorragend bei den Wacken-Pilgern ankommen - und die Begeisterten haben ganz bestimmt nicht alle kurze Haare. (Nils)
Kurze Haare haben dagegen übrigens mittlerweile sämtliche Mitglieder der als nächstes spielenden Schweden-Death-Urgesteine Evocation. Leider finden sich hierzu - wohl vor allem aufgrund des zeitgleich stattfindenden, diversen Augenzeugenberichte nach aber eher unspektakulär verlaufenden Obituary-Auftritts - nur ein paar Unentwegte vor der WET Stage ein, die ihrem Namen angesichts der riesigen Pfütze in der Mitte des Zeltes alle Ehre macht. Das geringe Publikumsinteresse stört die Skandinavier allerdings kaum, zumal die intime Atmosphäre gut zum old-schooligen Schwedenstahl der sympathischen und trotz der langen Pause von 15 Jahren noch äußerst frisch und hungrig wirkenden Band passt. Das scheinen auch die anwesenden Zuschauer so zu sehen, die die Songs der Frühneunziger-Demos ebenso dankbar feiern wie die Stücke des tollen Comeback-Albums "Tales From The Tomb" und die vorgestellten Vertreter des demnächst erscheinenden Zweitwerks "Dead Calm Chaos". Ein cooler Auftritt, der Evocation mit Sicherheit den einen oder anderen neuen Anhänger beschert haben dürfte. (Philipp)
Wer hätte das vor einem knappen Jahr noch für möglich gehalten?! Nach Jahren der Dementis, angeblicher Funkstille und mal mehr, mal weniger sinnvollen musikalischen "Neuorientierungen" ihrer Mitglieder hat es die britische Death/Grind-Institution Carcass nun also doch endlich geschafft, sich wieder zusammen zu raufen - wenn auch zunächst erstmal nur für eine ausgedehnte Welttournee. Eine dementsprechend große Spannung liegt in der Luft über der gut besuchten Black Stage, bevor die Engländer dann tatsächlich pünktlich die von Rauchschwaden eingehüllte Bühne betreten. Im Mittelpunkt der Performance steht der mittlerweile ein wenig wie Motörhead-Lemmy's unehelicher Sohn aussehende Jeff Walker, der die Massen mit seinem furztrockenen britischen Humor zu begeistern weiß. Die eher introvertierten, aber nicht minder sympathischen Kollegen Bill Steer und Michael Amott konzentrieren sich derweil lieber auf ihre Instrumente, während hinter'm Schlagzeug Daniel Erlandsson, normalerweise bei Arch Enemy aktiv, Platz genommen hat. Carcass präsentieren bei leider nicht 100%ig perfektem Live-Sound einen bunten Streifzug durch ihre relativ kurze, aber an Highlights umso reichere Diskographie, wobei der Schwerpunkt deutlich auf den Genre-Meilensteinen "Necroticism" und "Heartwork" liegt. Doch mit Songs wie "Reek of Putrefaction", "Pyosisified (Rotten To The Gore)" oder "Exhume To Consume" werden auch beinharte Old-School-Fans zumindest ein wenig besänftigt. Bei "Incarnate Solvent Abuse" hüpft Arch Enemy-Frontlady Angela Gossow auf die Bühne und grunzt fleißig mit, was als exklusives Bonbon für die deutschen Fans gedacht ist, allerdings nicht überall gut ankommt. Zumindest kann Jeff die kritischen Stimmen mit seiner wahrscheinlich nicht 100%ig ernst gemeinten Klarstellung "I still hate Arch Enemy" wieder auf seine Seite ziehen. Einen noch wesentlich intensiveren Moment dürfen die Anwesenden allerdings erleben, als bei der Vorstellung der Bandmitglieder plötzlich Original-Drummer Ken Ower hinter'm Kit auftaucht und ein kurzes Solo zum Besten gibt. Im Anschluss kommt der von seiner Krankheit schwer gezeichnete Brite sogar noch für ein paar herzliche Worte ans Mikro, was gigantische Ovationen und sicherlich auch die eine oder andere Träne der Rührung nach sich zieht. Schließlich stellt Ken seinen Ersatz Erlandsson als "neuen Carcass-Drummer" vor, was von Mr. Walker nur mit einem knappen "Well, he's just stoned!" kommentiert wird. Mit dem abschließenden Über-Hit "Heartwork" wird noch einmal ein großer Moshpit entfacht, bevor die Fans mit "See you again after the next 15 years!" in den späten Abend entlassen werden - doch das wird man nach diesem grandiosen Triumphzug wohl hoffentlich mal wieder nur ironisch gemeint haben. (Philipp)
Gleich nach dem hervorragenden Carcass-Gig wird es auf der Wacken Black Stage Zeit für die nächste große, langerwartete Reunion einer Death Metal-Legende. At The Gates, die Vorbilder einer ganzen Generation Melodic Death-, Death/Thrash- und Metalcore-Acts, haben den diesjährigen Festivalsommer zum Anlass genommen, nach zwölf Jahren Bühnenabstinenz mal wieder ein paar Gigs zu zocken. Die Schweden um Frontsau Tomas "Tomppa" Lindberg, der sich inzwischen wieder eine amtliche Matte gezüchtet hat, scheinen sich dabei durchaus bewusst zu sein, dass die Fans trotz diverser hervorragender Death Metal-Alben, die man in den frühen Jahren aufgenommen hat, vor allem die Songs des Jahrhundertwerks "Slaughter Of The Soul" erwarten. So wird im Folgenden das komplette Album berücksichtigt und ohne große Umschweife gleich mit dem grandiosen Titeltrack losgelegt, womit man schon zu Beginn den Mob zum kollektiven Ausrasten bringt und auch einen kurzen Regenschauer vergessen lässt. Glücklicherweise erlaubt es die recht großzügig bemessene Spielzeit von 75 Minuten, von den anderen Alben der Band sowie der Debut-EP "Gardens Of Grief" zumindest jeweils einen Song spielen zu können. Dabei tun die Schweden das, was sie am Besten können - statt mit langatmigen Ansagen oder albernen Posen zu nerven, wird einfach mit einem fiesen Grinsen im Gesicht und viel Spaß in den Backen eine gute Stunde Vollgas gegeben - so einfach kann Metal manchmal sein. Somit können sich auch At The Gates locker in die Liste der Bands einreihen, die den hohen Erwartungen der Wacken-Besucher absolut gerecht geworden sind. Bleibt also auch hier zu hoffen, dass dies nicht die auf den Bandshirts angekündigte "Suicidal Final Tour" war. (Philipp)
Angesichts des zeitgleich stattfindenden Headliner-Gigs der finnischen Chartstürmer Nightwish überrascht es doch ein wenig, dass sich zu so später Stunde noch derart viele Zuschauer im Festzelt vor der WET Stage einfinden, zumal hier gerade die als absoluter Geheimtipp gehandelten Soundtüftler von Dream Of An Opium Eater am Werk sind. Killing Joke-Drummer Ben Calvert und Enslaved-Gitarrist Ivar Bjørnson fabrizieren zusammen mit zwei weiteren Saiteninstrumentalisten eine wenig eingängige Mischung aus doomigem und leicht extremem Metal sowie progressivem Post Rock, dazu werden exklusiv für die Band produzierte, eher subtil gehaltene Kurzfilme an die Wand geworfen - auf Gesang oder Ansagen wird dafür vollständig verzichtet. Sicherlich eine nicht unspannende Angelegenheit, die allerdings aufgrund der fortgeschrittenen Auftrittszeit sowie des entsprechenden Alkoholspiegels an den meisten Zuschauern so ziemlich vorbeigegegangen sein wird. Vor allem in der intimen Clubsituation dürften D.o.a.O.E. dagegen noch wesentlich besser funktionieren. (Philipp)
Kreator sind live eine Macht! Das ist keine Neuigkeit und dementsprechend wäre ein schwacher Auftritt der Pott-Legende auch eine echte Enttäuschung gewesen. Aber wenn man ein Konzert mit Songs wie "Violent Revolution", "Pleasure To Kill" und "Enemy of God" eröffnen kann, braucht man sich eigentlich schon keine Gedanken mehr zu machen. "People Of The Lie", das unverzichtbare "Extreme Aggression", "Phobia", ... - die Liste von Thrash-Perlen ist bei Kreator fast beliebig verlängerbar und die tolle Lichtshow zusammen mit der äußerst unterhaltsamen Videoinstallation (besonders effektiv bei "Voices Of The Dead") tragen ihr Übriges dazu bei, dass auch bei diesem Auftritt nichts anbrennen kann. Auch wenn Mille Petrozza nach wie vor ein ganz schöner Labersack ist und seine nervigen Ansprachen an Leuten mit nur minimaler politischer Bildung sowieso meterweit vorbeigehen: Seine Band ist immer noch DAS Aushängeschild des deutschen Thrashs. Dafür haben die Jungs einfach viel zu viele geile Songs. (Nils)
Und während die finnischen Grand Prix-Monster von Lordi den Großteil des abgekämpften Partyvolks in den Schlaf rocken, ist das 19. Wacken Open Air auch schon fast wieder Geschichte. Erneut hat man erfolgreich den Status als weltweit einzigartiges Festival behauptet, das den meisten wohl vor allem aufgrund gigantischer Zuschauermengen, eines angesichts dieses Zulaufs doch erstaunlich reibungslosen Ablaufs und natürlich nicht zuletzt wegen der vielen denkwürdigen Auftritte toller Acts noch lange in Erinnerung bleiben wird...
Verfasser: Nils Pfaff, Philipp Schlee
Photos: (c) Wacken Open Air / ICS Festival Service GmbH
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