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Festivalberichte

Wacken Open Air 2006
03. - 05.08.2006 Wacken (Schleswig-Holstein)

Von Haiko Nahm





Wacken 2006. Was soll man noch groß Worte verlieren? Das Festival wird größer, es stört nicht wirklich so sehr, wie viele motzen, jedenfalls nicht im Vergleich zu den Jahren davor. Die Preise sind ein Verbrechen, aber das sind sie auf fast jedem Festival dieser Größenordnung. Schön ist das nicht, aber man weiß es halt und wird nicht zum Kommen gezwungen. Neben allerlei aktuellem heißen Scheiß der Metalszene und Bands, die eh an jeder Ecke ihr immergleiches Programm runterspulen, hat man wieder ein paar Leckerbissen im Programm wie die Rückkehr von Carnivore, den Headliner-Gig von Ministry, oder eine kleine Death Metal Legende wie Atheist. Vom Programm kann man also wieder mal nix Schlechtes sagen, und wer es halt nötig hat, zum 13423. Mal Amon Amarth ihren einen Song spielen zu sehen und Spass dabei hat, ja nun, dem sei es halt gegönnt. Das Wetter macht auch mit, das Bier schmeckte gut, und Motörhead waren mal wieder die lauteste Band. Was anderes erwartet man eben nicht, wenn man sich nach Wacken begibt - und was anderes bekommt man auch nicht. Dass der Metal 2006 teils ein ganz schöner Kindergarten geworden ist, bekommt man auch hier an jeder Ecke zu spüren, aber was soll's, am Ende zählt eben mal wieder nur die Musik, und die war nicht von schlechten Eltern...


Mittwoch:

Jawoll, so muss es. Mittwoch abends schön einen in den Kopf stellen und ab zum Gott der Heimorgel Mambo Kurt, der wieder ein klassischer Fall von "love it or hate it" ist. Die einen verehren ihn als musikalischen Messias, die anderen spaßbremsen ihn als nervtötenden Vollvogel. Wie auch immer, alle anwesenden Heimorgelmaniacs veranstalteten die übliche Mambo-Sause und zu Hits wie "Sambastruck" bleibt einfach kein Auge trocken. Riesenpolonaise, mächtiges Moshpit bei "You're my heart, you're my soul", Schunkeln bei "Sheena is a Punkrocker" - das Repertoire war erneut großartig. Trotzdem verging der Eindruck nicht, der Kurt sollte in nächster Zeit mal seine Setlist überarbeiten, denn viel öfter kann man zu den Standardnummern nicht mehr übermäßig abgehen. Ansonsten aber natürlich: Alle drei Daumen nach oben! (Nils)

Freitag:

Wenn eine Band wie End of Green selbst in einem hammerharten Lineup wie dem des letztjährigen Up From The Grounds bestehen kann, dann sollte man annehmen, dass das auf einem kunterbunten Festival wie Wacken überhaupt kein Problem sein sollte. War es auch nicht und so feuerten die Mannen um Fronter Michelle Darkness (ähem, über Namensgebung und Erscheinungsbild sollte an anderer Stelle noch mal debattiert werden) einen Hit nach dem anderen in die gerade erst aufgestandene Menge. Der Platz vor der Party Stage war - vermutlich auch durch das wunderbare Wetter - für die frühe Uhrzeit bereits beachtlich gefüllt und die geneigte Zuschauerschaft feierte End of Green derart ab, dass die sich sogar noch zu einer Zugabe hinreißen ließen (über die normale Spielzeit - und das in Wacken...) und mit "Speed my Drug" einen der vielen Ohrwürmer des letzten Albums "Dead end dreaming" (das insgesamt leider etwas zu kurz kam) raus hauten. End of Green haben noch einiges an Potential nach oben und wenn sie ihren hervorragenden Mix aus seichtem Goth, Doom und straightem Rock noch weiter schleifen, wird da noch mal was Großes draus. (Nils)

So kann's gehen: Da krebsen ein paar Thrasher aus Holland unter dem Namen Occult jahrelang ziemlich erfolglos im Metal-Underground rum, und kaum gibt man sich einen neuen Namen und setzt die Unterschrift unter einen Vertrag bei einem größeren Label, schon findet man sich auf einer der beiden Wacken-Hauptbühnen wieder. Da tut auch die im Gegensatz zu den nachfolgenden Bands mit 45 Minuten recht knapp bemessene Spielzeit nicht weh, denn die reicht ziemlich genau aus, um einmal das komplette erste und bisher einzige Album der Legion Of The Damned runterzuzocken. Der flotte Thrash Metal ist dann auch das richtige Aufwärmprogramm für die bereits zahlreichen Festivalbesucher. Die Show erscheint zwar alles andere als spektakulär, aber für denkwürdige Momente ist heute ja noch genug Zeit. (Philipp)

Ehrlich gesagt hatte ich schon vor dem Auftritt ein eher mulmiges Gefühl. Die letzten Studioalben waren alles andere als überragend und auf einer riesigen Festivalbühne mochte ich mir Six Feet Under, die in Clubs immer gute Auftritte abgeliefert hatten, auch nicht so recht vorstellen. Meine pessimistische Haltung wurde jedoch leider bestätigt, denn was SFU an jenem Nachmittag in Wacken boten, war äußerst unterdurchschnittlich. Eine derart unmotivierte Bühnenshow, Musiker, die ganz offensichtlich nur schnell zum After-Show-Besäufnis wollten, dazu noch miserabler Sound und eine Songauswahl, die zumindest in den ersten 20 Minuten völlig indiskutabel war. Klar, eine besonders innovative und abwechslungsreiche Band waren Chris Barnes & Co. noch nie, aber man muss auch nicht das stupideste Material spielen, was man so übrig hat. Mir reichte es jedenfalls nach besagten 20 Minuten und schlenderte leicht bis mittelschwer genervt zur Party Stage, wo Ektomorf grade lärmten. Die jedenfalls wussten wie man eine ordentliche Metalsause arrangiert und schmissen ein Soulfly-Cover nach dem anderen in die unfassbar abgehende Menge. Ein riesiges Circle-Pit, Hüpforgien und Crowdsurfer ohne Ende - hier waren blaue Flecken genauso vorhersehbar wie unausweichlich. Zwar ist auch die Mucke der Ungarn auf Dauer nicht besonders spannend, aber für eine gute halbe Stunde boten sie Unterhaltung genug - zumal die Herrschaften einen exzellenten Sound zur Verfügung hatte. (Nils)

Volle Kanne Rock in Wacken, Dank Jones bittet zum Tanz, ob das gut gehen kann? Es kann, und wie. Eine beachtliche Horde Metalheads fand sich zum Abrocken, und der gute Mann auf der Bühne bewies Humor. Er stehe zwar auf der True Metal Stage, aber es regiere nun Rock'n'Roll. Und das tat er. Die Livequalitäten der drei sind mittlerweile bekannt, es wurde Blut geschwitzt, und Danko, immer noch mit Augenklappe unterwegs, haute einen dicken Spruch nach dem anderen raus. "This ain't about dragons and shit, rock'n'roll is about drugs and sex". Er könne auch grad nicht so richtig heftig bangen, also mache er den Sdanko, was nix weiter als ein theatralischer Kopfstoss gegen das Mikro bedeutete. Immer mehr Leute gingen gut ab, und als er dann vorne tote Rockhelden auf einer Stufe mit verstorbenen Metalgrößen feierte, hatten ihn alle lieb gewonnen. Danko hat Wacken im Sturm erobert, Respekt. (Haiko)

Welch Einsatzwillen und Professionalität Nevermore mittlerweile an den Tag legen, wird einem bewusst, wenn man sich vor Augen führt, dass die Band trotzdem noch ausgiebig tourt, obwohl die Hälfte der Belegschaft krank (und mit Gitarrengott Steve Smyth einer sogar schwerkrank) ist. Wie heftig Nevermore live zur Sache gehen können, wurde durch den Opener "Final Product" gleich extrem deutlich. Trotz aller Filigranität - das Teil drückte noch um einiges brutaler als auf Scheibe. Warrel Dane ist zwar etwas weniger kauzig seitdem er auf Saufgelage verzichtet, aber der bessere Sänger ist er dadurch zweifelsohne geworden - der Mann war bei hervorragender Stimme und auch ebenso guter Laune, was das Publikum sichtlich merkte und jeden der gespielten Highlights (schwache Songs kennen die eh nicht) ohne Ende abfeierte. "Engines of Hate", "I, Voyager", "The River Dragon", das mächtige "Born" - alles großartige Songs, und da nicht nur Smyth, sondern auch Jeff Loomis ein begnadeter Saitenhexer ist, wurden die unfassbaren Soli auch alle punktgenau durch die PA gedrückt. Da Nevermore leider auch nur eine Stunde Spielzeit hatten, rechnete ich eigentlich nicht damit, aber tatsächlich: Der Titeltrack des letzten Meisterwerks "Godless Endeavor" wurde gespielt. Einen gleichermaßen monumentalen, vertrackten und trotzdem eingängigen Song habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gehört und live funktioniert dieses Epos genauso. Nevermore sind und bleiben auf Platte wie auf der Bühne eine Referenz - das haben sie auch in Wacken eindeutig unter Beweis gestellt. (Nils)

Eine Stunde Spielzeit ist für eine Band wie Opeth natürlich viel zu knapp bemessen und so ist an diesem, für düsteren Prog/Death Metal viel zu sonnigen Nachmittag lediglich Platz für fünf Songs und für nur ganz wenige witzig-zynische Bemerkungen des Frontmanns Mikael Ackerfeldt, die ja mittlerweile zum guten Ton bei einem Auftritt der Band gehören. Die Schweden machen allerdings das Beste aus den Gegebenheiten und bieten einen intensiven Streifzug durch die gesamte Discographie der Band, der neben dem vorhersehbaren "The Grand Conjuration" vom aktuellen Album "Ghost Reveries" sowie dem umjubelten "Blackwater Park"-Opener "The Leper Affinity" mit "The Amen Corner" von der "My Arms Your Hearse" und dem (für die Festivalbühne vielleicht etwas zu relaxten) "Closure" vom "Damnation"-Album auch zwei eher selten gespielte Tracks umfasst. Zum Schluss gab es dann noch den heimlichen Bandhit "Deliverance", der nach Mikaels wohl nicht ganz ernst gemeinter Information ihm als bekennenden Satanisten vom Belzebub persönlich in die Feder diktiert worden sei. So endet ein gewohnt erstklassiger Gig dieser Ausnahmeband auch schon wieder, der lediglich etwas Anlass zur Kritik in Richtung der Wacken-Orga bzw. der Technik bietet: Bei der ersten Hälfte des Gigs fehlte die komplette Lightshow und den Auftritt für eine spätere DVD-Veröffentlichung bzw. für die Videowalls mit Kameras zu begleiten hielt man leider auch nicht für nötig. Schade. (Philipp)

Carnivore. Was war die Spannung groß. Peter Stahl gräbt seine alte Rumpeltruppe aus, in völlig neuer Besetzung, aber was soll da schon schief gehen, mit diesen zwei Klassiker-Alben im Gepäck? Und so wurde es auch ein einziger Triumph. Alle in wilden, roten Fetzen, Peter mit gewohnt trockenem Humor, und ab ging das Hit-Programm. Predator, Male Supremacy, Race War, Sex & Violence und sogar Jesus Hitler inclusive Intro. Peter sah nicht allzu gesund aus, und seine Rotweinflasche blieb auch recht unbenutzt, aber wann sah der Mann schon mal so richtig fit aus? Der Rest der zusammengewürfelten Bande gab sein bestes, und so schredderte der Stoff vom feinsten aus der PA. Zur Zugabe wurde kurz grünes Licht angeworfen, ein Type O Riff ertönte, aber nix ist, Carnivore war angesagt, und es hüpften noch ein paar barbusige Damen auf die Bühne und spritzten die ersten Reihen mit Erdbeersaft voll. Das Metalvolk grölte, und die alten Fans waren glücklich, diese Songs noch mal live gesehen zu haben. (Haiko)

Ministry kamen und machten einfach mal so eben alles platt. Anders kann man es nicht sagen, war das mächtig. Die ganze Bande sichtlich rotzevoll, allen voran Al, aber das tat der Intensität null Abbruch, was da aus den Boxen dröhnte fegte einfach alles glatt. Konzentriert wurde sich auf die Abrissbirnen der letzten zwei Alben, die Metalgitarren von Tommy Victor sägten ohne Gnade und Slipknot Drummer Joey Jordison feuerte aus allen Rohren. Al hingegen schwang sich mit seinem Riesen Gummi-Mikroständer hin und her, ohne konnte er wohl auch nicht mehr stehen, giftete aber rum wie eh und je. Pausen gab es kaum, Geballer am Stück, dazu eine gewaltige Lightshow und gewohnt politische Videos. Zum Abschluss gab's "Psalm 69" und hinterlassen wurde nur verbrannte Erde. Der würdige Headliner. (Haiko)


Samstag:


Anstatt Frühgymnastik und heißem Kaffee gibt es auf dem Wacken zum Wachwerden standesgemäß eine ordentliche Portion Death/Grind, dieses Mal serviert von Aborted. Die Belgier, die sich an diesem Wochenende eine Auszeit vom Songwriting für's nächste Album gönnen, konzentrieren sich bei ihrem Auftritt abgesehen von einigen Klassikern der Marke "Engineering The Dead" vor allem auf die letzten beiden Alben "Goremageddon" und "The Archaic Abbatoir" und können sich über für diese Uhrzeit schon sehr ordentliche Publikumsreaktionen freuen. Als Dankeschön spielen Svencho & Co. mit "Heartwork" noch eine gelungene Coverversion der großen Vorbilder Carcass - wer da noch im Zelt liegen bleibt, ist selber schuld! (Philipp)

Für dat Angela und ihre Kumpanen wurde überraschenderweise nicht mal eine Stunde in der Nachmittagshitze eingeplant, was für mich aufgrund des momentanen Popularitätsschubs nicht gerade einleuchtend war. Von den knappen 50 Minuten gingen dann auch noch mal ca. 7 drauf, weil die Band irgendwie verspätet ankam und dann natürlich auch noch 'n Intro dudeln muss (was diese ganzen Bands immer mit Intros auf Festivals mit relativ kurzer Spielzeit wollen, ich raff es nicht...). In den verbleibenden gut 40 Minuten spielte sich die deutsch-schwedische Kooperation namens Arch Enemy durch ein munteres Hit-Programm, das leider mal wieder keinen Song aus der Prä-Gossow-Ära enthielt. Dafür sorgten mitsingtaugliche Kracher wie "Nemesis", "My Apocalypse", "Ravenous", "Dead eyes see no future" und natürlich "We will rise" für Stimmung im Volk. Angelas Stimme hielt sich über den kompletten Gig und Michael Amotts Gitarrenfrickelei war wieder herrlich - insgesamt (trotz nicht immer perfektem Sound) ein gelungener Auftritt. (Nils)

Auf Fear Factory hatte mich besonders gefreut, da die bisher irgendwie immer konsequent an mir vorbeigetourt waren. Anfangs durch absolut indiskutablen Sound und tendenziell langweiligere Songs eher enttäuschende Gesichter produzierend, wuchs der Gig mit fortschreitender Dauer merklich. Spätestens als die großen Obsolete-Kracher "Shock" und "Edgecrusher" ausgepackt wurden, tobte der Pit. Dazu gesellten sich gern gehörte Kracher wie "Cyberwaste" (mit coolem Mitgröhlpart), "Demanufacture", "Archetype" oder "Linch Pin" bevor der Auftritt mit "Replica", dem wahrscheinlich populärsten Fear Factory Song überhaupt, mächtig beendet wurde. Unterm Strich 'ne famose Angelegenheit, wenn man von der anfänglichen Soundmatscherei und den "Transgression"-Songs absieht. (Nils)

Was Reunions angeht ist in der Metalszene ist momentan ja scheinbar nichts unmöglich, aber wie unkompliziert die Wiederaufnahme von Hobby-Provokateur und dem vermeindlichen Gelegenheits-Rechtsaußen David Vincent ins Morbid Angel-Line Up vonstatten ging, ist angesichts der jahrelangen Tabuisierung dieses Themas doch ziemlich erstaunlich. Nun steht also jener David Vincent, inzwischen mit schwarzer Mähne und rot-schwarzem Latexanzug (ein Überbleibsel aus seiner "Genitorturers"-Garderobe?) geschmückt, sehr zur Freude vieler Fans mit den morbiden Engeln auf einer deutschen Festivalbühne, was für die Band natürlich ein willkommener Anlass ist, ein echtes Old School-Feuerwerk abzuschießen. Wer sich zwischen Band- und Genreklassikern wie "Immortal Rites", "Fall From Grace", "Sworn To The Black", "Where The Slime Live" oder "Chapel Of Ghouls" auch über einige aktuelle Songs der Tucker-Ära gefreut hätte, dürfte also ziemlich enttäuscht worden sein, Freunde der Frühwerke dagegen bekommen ausreichend Anlass für eine 60-minütige Dauererrektion. Und auch wenn Steve Tucker wohl der sympathischere, intelligentere und vielleicht auch talentiertere Musiker ist - zumindest in Sachen Frontmannqualitäten scheint Mr. Vincent leicht die Nase vorn zu haben. Gekonnt gibt es den coolen Einpeitscher hinter'm Mikro, während sich Bandkopf Trey Azagthoth gewohnt zurückhält und auf seine schwindelerregenden Soli konzentriert. Mit der düsteren Bandhymne "God Of Emptiness" beschließt man einen gelungenen Gig, der im Dunkeln sicherlich noch um einiges intensiver rübergekommen wäre. (Philipp)

Eine der ganz großen Leckerbissen für 2006, wenn man keinen Bock auf die eh jedes Jahr spielenden Bands hatte, war sicher die Reunion der Frickel-Death-Metal Götter Atheist. Und es war eine gelungene Reunion, ein klasse Gig und eine schöne Zeitreise in vergange Zeiten als Death Metal noch so richtig geil war. Hervorragende Musiker und dieser Kelly Shaefer, der immer noch aussieht wie der letzte Sleaze Lümmel. So gesellten sich die fixen "Piece Of Time" Kracher zu den späteren, progressiveren Sachen, und die anwesenden feierten Granaten wie "An Incarnation's Dream" (mit langem Frickel-Jam-Part, was die Jungs da abzogen, unglaublich), "Mineral", "Air", "Unholy War" oder "I Deny". Ein Fest - schön, die Jungs noch mal in Aktion gesehen zu haben. (Haiko)

Die Bezeichnung der größten Bühne auf dem Wacken-Gelände ist mittlerweile eine ziemliche Farce. Nachdem dieses Wochenende bereits u.a. Ministry, Caliban und Fear Factory auf der "True Metal Stage" gespielt haben, gibt es nun das andere Extrem: Cheesiger Weichspüler-Rock der einstigen Superstars Whitesnake. Und bei dem diesjährigen, auch für Wacken-Verhältnisse ungewöhnlich Black/Death-lastigen Billing wirkt es - auch angesichts des nicht mehr ganz niedrigen Alkoholpegels - fast etwas surreal, als plötzlich David Coverdale mit schütterer Mähne und weißen Klamotten auf der Bühne erscheint und das Programm mit "Burn" eröffnet. Aber der recht gute Publikumszuspruch beweißt, dass der Generationswechsel noch nicht komplett vollzogen wurde und gemäßigter Hardrock immer noch einen Platz in Wacken hat. Und auch die jungen Zuschauer sind wohl beeindruckt, als Schlagzeuger Tommy Aldridge ein Drumsolo mit den bloßen Händen anstatt Sticks zum Besten gibt und der Hymne "Here I Go Again" können sich auch viele Mitglieder der bereits auf Emperor wartenden Panda-Fraktion nicht entziehen. Ein guter Auftritt, zumal von den in letzter Zeit viel geschriebenen stimmlichen Problemen von Coverdale heute nicht die Rede sein konnte. (Philipp)

Wenn man als Band mal n fetten Headlinerplatz in Wacken kriegen will, braucht man eigentlich nur eines zu tun: Man löst sich zu gegebener Zeit auf, lässt die Band einige Jahre ruhen und kommt dann nur für diesen einen exklusiven Auftritt nach Deutschland. Schon spielt man fast zwei Stunden zu bester Zeit. So ein Slot zieht natürlich auch noch viele neugierige Leute und schon kann man vor atemberaubender Kulisse zocken. So geschehen im Falle Emperor, deren musikalisches Schaffenswerk ich hier nicht ansatzweise schmälern möchte (ganz im Gegenteil), die aber zu Lebzeiten niemals einen solchen Auftritt bekommen hätten. Vor der Black Stage tummelten sich so jedenfalls locker 20000 Leute, um die einmalige Gelegenheit zu nutzen, diese Black Metal Götter noch einmal in hiesigen Gefilden bewundern zu dürfen. Leider hatte man für den Gig einen offensichtlich völlig tauben Vollidioten als Soundmann ausgesucht, der nicht nur einen beschissenen Gesamtsound fabrizierte (jemand Gitarren gehört??), sondern diesen auch noch viel zu leise abmischte. Ich stand wirklich nicht weit hinten, aber das war wirklich lächerlich. Aber Hauptsache man kann die PA bei Motörhead so weit aufreißen, dass man sich noch am Ausgang anschreien muss, um irgendwie kommunizieren zu können. Natürlich boten Emperor musikalisch das, was man von ihnen erwartet hatte - nämlich unsterbliche Black Metal Epen, die in ihren Bandbreiten von keiner anderen Band dieses Genres erreicht wird. Ob eiskalte, klirrende und rohe Brocken von der "In the Nightside Eclipse" oder höchst progressives, komplexes Material von der "Prometheus", Emperor können alles und hätten es auch allen Anwesenden bewiesen. So aber vergurkte dieser völlig inkompetente Soundzivi einen vermutlich richtig großartigen Auftritt, denn neben der Setlist stimmte auch das Ambiente - ständig schossen Feuersäulen gen Himmel und die Menge der Zuschauer war für eine so extreme Band außergewöhnlich. Leider eine echte Enttäuschung, die aber nicht ansatzweise der Band zuzuschreiben ist... (Nils)

Was soll man eigentlich noch zu einem Motörhead-Auftritt sagen? Ich weiß es auch nicht, war auf jeden Fall mal wieder lächerlich laut, die Setlist gewöhnlich unüberraschend, viele Klassiker, ein bisschen aktuelleres Material, am Ende - Surprise! Suprise! - wieder "Ace of Spades" und "Overkill" rausgekloppt. Die Meute ging gut ab, Lemmy war auch wunderbar drauf, Motörhead halt... Bleibt noch zu erwähnen, dass man sich, was die Zuschauerzahlen betrifft, erneut leicht von den Wacken-Organisatoren verschaukelt fühlt. 35000 hieß es von offizieller Stelle, aber so voll habe ich noch keinen Auftritt in Wacken erlebt. Die Leute standen relativ dicht gedrängt bis zum Ausgang und wenn mir Wacken-Holger erzählen will, dass es genau so voll gewesen sein soll wie 2002, dann ist das aus meiner Sicht absolut nicht nachvollziehbar. (Nils)

"Subway? Och nö, nich schon wieder" - "Aber ist doch letzte Band, los komm mit" - "Nagut". Also hingeschlendert, noch ein paar Pils und Schnäpschen getankt und ab in die Menge. Viel näher als geschätzte 100 m kam man aber eh nicht vor, denn ähnlich wie In Extremo und Motörhead versammelten Subway To Sally einiges an Menschen vor der Bühne. Eine Stunde gings durch ein munteres Programm mit vielem vom aktuellen Album - ältere Hits wurden leider größtenteils ausgespart, mit einer Ausnahme: Ohne dieses nervtötende, Gehirnschmalz auflösende "Julia und die Räuber" kommt wohl kein StS-Konzert dieser Welt mehr aus. Nichtsdestotrotz: Ein bisschen zu ordentlichen Mittelalter-Rockern wie "Knochenschiff", "Falscher Heiland" oder "Die Schlacht" schunkeln geht immer - vor allem, wenn's die letzte Band des Festivals ist. (Nils)

Für das Tinnitus in Wacken vor Ort: Haiko Nahm, Nils Pfaff, Philipp Schlee



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